die Theilnahme seines Chefs an dem gegen Frankreich gerichteten Komplott noch un-bekannt und er vertheidigte denselben noch gegen die über seinen Verrath kursirendenGerüchte. Obwohl das Verhältniß zwischen den Beiden sich schon ziemlich zugespitzthatte, war der Bruch noch nicht erfolgt. Der junge Napoleon stieg im Hofe des vonPaoli bewohnten Hauses vom Pferde und nachdem er das Thier der Obhut SantaNiccio's übergeben, wollte er sich sofort zum General verfügen. Von der ersten Persön-lichkeit, welcher er auf der Stiege begegnete, erfuhr er, daß eben ein Rath der vornehmerenkorsischen Führer, welche alle zu den Feinden der republikanischen Ideen zählten, beimGeneral versammelt wäre. Ueber diese Mittheilung beunruhigt suchte er mehr zu erfahren,als zufällig einer der Verschworenen aus dem Versammlungslocale trat. Bonaparte gingdiesem entgegen und frug ihn kurz: „Wie steht's?" Der Mann, der Napoleon für einenVerbündeten hielt, antwortete: „Es ist beschlossen. Wir werden sofort unsere Unab-hängigkeit erklären und uns mit der Hilfe Englands von Frankreich losreißen." Hierüberempört verlor Napoleon die Selbstbeherrschung und rief, mit dem Fuße stampfend: „Dasist Verrath, das ist eine Infamie!" während in demselben Augenblicke auf den Lärmhin andere Verschworene auf dem Vorplatz erschienen, dieselben waren zufällig entfernteVerwandte der Familie Bonaparte und erkannten alsbald nur zu wohl die Gefahr, inin welche sich der junge Offizier gestürzt hatte, denn Paoli war ganz der Mann dazu,sich des Gegners für immer zu entledigen. Sie umringten daher rasch den Unvorsichtigen,drängten ihn die Treppe hinab, und zwangen ihn, sein Pferd schleunigst wieder zubesteigen.
Er entfloh in Begleitung Santo Riccio's gegen Ajaccio zurück. Mit einbrechenderNacht kamen sie in dem Dorfe Arca de Vivario an, und übernachteten bei dem PfarrerArrighi, einem Verwandten Napoleons . Diesem Manne, der um seines Geistes undgesunden Urtheils willen in ganz Corsika geachtet war, erzählte der junge Bonaparteseine Erlebnisse und bat ihn um seinen Rath.
Des andern Morgens mit dem Tagesgrauen machten sich die Flüchtigen wiederauf den Weg und erreichten, nachdem sie den ganzen Tag geritten, gegen Abend Bocognano.Hier trennte sich Napoleon von seinem Führer mit der Weisung, ihn am andern Morgenan dem Vereinigungspunkte der beiden Straßen mit den Pferden zu erwarten, undwandte sich nach dem Dorfe Pogiola, wo er in dem etwas entlegenen Hause seinesVerwandten und Parteigenossen Felix Tusoli um gastfreundliche Aufnahme bat.
Unterdessen war der General Paoli von dem Besuche des jungen Bonaparte in.Kenntniß gesetzt worden und hatte dessen heftige Worte nach der Entdeckung des Kom-plets erfahren. Sofort beauftragte er Mario Peraldi, Napoleon nachzusetzen und esam jeden Preis zu verhindern, daß dieser Ajaccio oder Bastia erreichen könnte.
Mario Peraldi kam einige Stunden vor Napoleon nach Bocognano und begab sichzu der einflußreichen und dem General ergebenen Familie Morelli. Sie erfuhren bald,daß der junge Offizier im Dorfe angekommen war und die Nacht im Hause Tusoli'szubringen würde; der Chef des Hauses Morelli, ein fanatischer und gefährlicher Mann,versprach dem Abgesandten, der ihm die Befehle Paoli's überbracht hatte, daß Napoleon nicht entkommen sollte. Schon bei Tagesanbruch stellte er seine Leute auf und hieltolle Straßen und Ausgänge besetzt. Bonaparte trat in Begleitung seines Wirthes ausdem Hause, um Santo Niccio aufzusuchen; doch Tusoli, der nicht wohl war und denKopf in ein Tuch gewickelt trug, verließ ihn gleich darauf. Kaum war der junge OffizierMein, als sich ihm ein Mann näherte und ihn benachrichtigte, daß in einem nahenWirthshaus« Parteigenossen des Generals versammelt seien, in der Absicht, sich gemein-schaftlich nach Corte zu begeben. Napoleon verfügte sich zu ihnen und fand sie Allevereinigt. „Geht", sagte er ihnen, „geht, sucht Euren Chef auf, Euer Beginnen ist großund edel." Im selben Augenblick stürmten jedoch die Morelli in's Haus, warfen sichltuf ihn, machten ihn zum Gefangenen und schleppten ihn fort.
Santo Niccio, der Napoleon am verabredeten Ort erwartete, erfuhr bald von dessen