Nr. 39.
1880.
zur
„Ängslmrger Posheitimg."
Samstag, 13. November
Man muß einen Fehler mit Anmuth rügen und mit Würde bekennen. Kehrt man es um, sowird es das Ansehen haben, als ob der eine Theil seinen Vortheil zu sehr, der andere seinen Nach-theil zu wenig cmpsände. Schiller.
Aus dem Tagebuchs eines allen Junggesellen.
Von Alsons Planer.
(Schluß.)
II.
Da lag das Paradies offen vor uns da, und nie hätte ich geglaubt, daß es soganz anders hätte werden können. Doch die Schlange blieb nicht aus, und dießmalwar's der Adam, der sündigte. Als ich Röschen in der Laube draußen fragte, ob sie»nein Weib werden wolle, da hatte sie leise geflüstert: „Ja", und in namenloser Selig-keit hatte ich sie an »nein Herz gezogen. Draußen sang die erste Frühlingslerche; durchden Wald fuhr ein Windeshauch, und die Tannen rauschten. Das dünkte »nir Segen,und die Schwalben zwitscherten fröhlich um die Laube, und das deutete ich als Glück.Ob sie Glück brachte»» ? Ja es waren Tage des reinsten Glückes, die uns nun aufgingen,nicht berauschend, nein, nur stille Seligkeit bringend. Wie schön »var damals die Welt.Frühling in der Natur, Frühling im Herzen. Doch zog auch da schon hie und da mireine trübe Ahnung durch die Seele, und ich fragte mich oft, ob denn je ein Sterb-licher »vohl dauernd ein solches Glück genossen? Und wieder mußte ich fort und Abschiednehmen. Ich sollte meinen „Doktor machen", und über's Jahr sollte dann Hochzeit sein.Der Abschied »var ein fröhlicher, wußten wir ja doch, daß eins dem andern gehörte füralle Ewigkeit. Gerührt reichte »nir der Vater die Hand, er freute sich ja über das Glückseines einzigen geliebte»» Kindes. Noch ein flatterndes weißes Tuch in den Lüfte»», eineKußhand, ich schwenkte »»»einen Hut noch einmal, und der Wald trennte uns.
Und wieder kam der Herbst, und die letzte»» Ferien wollte ich »nieder in Grünthalzubringen. Der Onkel empsing inich freundlich, und nach der ersten Begrüßung »var ichschon wieder auf dem Wege in das Forsthaus. Durch die Laube sah ich helle Gewänderschimmern, und jubelnd wollte ich hineinstürzen. Doch »vas war das? Da saß allerdingsRosa, aber neben ihr noch ein Mädchen. Gebannt blieb ich stehen. Wohl nicht le» chtmochte man zwei schönere Mädchen finden, als wie sie da vor »nir saßen. Das blondeRöschen, reizend und von» zauberischen Glänze reiner Jungfräulichkeit übergössen, einEngel an Schönheit, daneben ein herrlich gewachsenes Mädchen mit dunkeln feurigenAugen, aus denen Geist und Jugend blitzten, ein klassisches blasses Profiel mit einemreizenden Lächeln auf den rothen Lippen, die edle Stirn umrahmt von einer Fülle raben-schwarzen Haares. Röschen war freudig aufgesprungen und »nir entgegengeeilt. Nachden ersten Begrüßungen stellte sie mir ihre Cousine Bettina, die Tochter eines angesehenenMusikers der Residenz, vor. Bald saßen wir iin traulichen Gespräche beisammen. —Bettina entwickelte eine glänzende Unterhaltungsgabs. Ich »var bald ganz in Beschlag