Ausgabe 
(13.11.1880) 39
 
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erreicht hat, hört die Gemüthlichkeit und die Möglichkeit des Wagenverkehres auf; dennder Abfall ist außerordentlich steil und der Weg mit Felsspitzen derart übersät, daßan einzelnen Stellen sogar Saumthiere schwer dort fortkommen können. >

Aus diesem Grunde hatte ich mir in Bilibrig, welches nur aus einem Zollhausenebst den nöthigen Waarenmagazinen besteht für mich, und meinen Diener zwei Türkenmit ihren vier Tragthieren aufgenommen, und so zogen wir denn in Gottesnamen weiter.Es wurde Abend, endlich finstere Nacht, die eisige Bora heulte ihr bekanntes Lied undjagte dichte Schneemassen vor sich her; hiezu noch tiefer Schnee und Glatteis, so daßich nach beiläufig einer Stunde Marsch, als der Abstieg gar zu steil wurde, absitzen undzu Fuße weiterwandern mußte, um nicht in einen der vielen oft viele Meter tiefen Ab-gründe zu stürzen. Dieses zu Fuß Wandern ist eigentlich eine Erholung; denn dasReiten auf einem hölzernen, mit einer schlechten, dünnen Decke versehenen thurmhohenPacksattel, statt der Steigbügel Stricke, auf einem schwachen mageren Thiere gehört ebennicht zu den Genüssen des Paradieses. Zu bemerken ist noch, daß auf dieser sogenanntenStraße von Schutzmauern oder Barrieren keine Spur vorhanden ist. Den Türkenkümmert es sehr wenig, ob da Menschen und Thiere hinabstürzen oder nicht, er rauchtseinen Tschibuk und setzt, dem Fatum vertrauend, seinen Weg in ruhiger Beschaulichkeitauf seinem kleinen Pferde fort.

Dieser Weg ist die einzige Handelsverbindung zwischen Dalmatien und Livno, derganze durch die österreichische Occupation Bosniens und der Herzegowina so sehr gesteigerteGütertransport, welcher mittelst Tragthieren betrieben wird, geht über diese Linie undist diese Straße durch dieselben so ausgetreten, daß sich den ganzen Abhang entlangförmliche Hügel und Thäler gebildet haben; Hügel von Hügel ist etwa einen starkenMannesschritt entfernt und man muß von einer Erhöhung zur anderen wie eine Gemsespringen, was bei Schnee und Glatteis gewiß nicht den Annehmlichkeiten des Lebensbeigezählt werden kann; oft verengert sich der Weg so sehr, daß man nur knapp aneinem Abgrunde vorüberkommen kann, während sich auf der anderen Seite der Fels steilwie eine Mauer erhebt.

Der eisige Sturm, das Schneegestöber und die hiedurch vermehrte Finsterniß desAbends, sowie die eben geschilderten Schwierigkeiten der Passage bestimmten nun auchmeine Türken, trotz ihres Kismet-Vertrauens von ihren kleinen Thieren herabzukriechen,welchen sie sonst nicht leicht eine Erleichterung gewähren, sollte auch die arme Creaturvor Müdigkeit unter ihrer Last zusammenbrechen aber es galt ihr eigenes theures

Ich! -

So wanderten oder vielmehr hüpften wir durch volle vier Stunden weiter, bis wirdurch eine tiefe Schlucht und ein dünnes Tannengehölz etwa um 11 Uhr Nachts amFuße des Prolog ankamen.

Hier sollte sich, wie mir die Türken sagten, ein Han (türkisches Gasthaus) befinden Han Prolog genannt wo ich meinen müden, erstarrten Gliedern und meinemnach Nahrung verlangenden Magen einige Erholung zu verschaffen hoffte; allein der viel-gcrühmte Gasthof wollte sich nicht zeigen; so viel ich mich auch zu orientiren bestrebte,ich war nicht im Stande, irgend ein Gebäude zu entdecken, bis mir endlich besagte Türkeneinen rechts von der Straße gelegenen, aus Weidenruthen geflochtenen Gegenstand wiesen,d r eine täuschende Ähnlichkeit mit einem riesigen Korbe hatte.

Hier also sollten wir unsere müden Häupter hinlegen! Die Pferde wurden in einerweiter abseits gelegenen verfallenen Ruine eines primitiven Schuppens untergebracht, dessenmorsches, mehr illusorisches als wirkliches Strohdach dieselben nur wenig vor der Tückedes Wittcrs schützen konnte; ich selbst mit meinem Diener aber kroch durch eine niedere,enge ^effnung in den besagten Korb.

Beinahe der ganze innere Raum war durch sechs Türken besetzt, welche um einauf dem Fußboden brennendes Feuer mit untergeschlagenen Beinen saßen, den obligaten