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Tschibuk rauchend und den dem Türken gleich unentbehrlichen mit dem Satze gekochten.Kaffee schlürfend.
Durch die luftige Bauart dieses Hotels war für eine genügende Ventilation gesorgt,sonst hatte man bei dem Abgänge einer Esse in dem engen Raume im Rauche erstickenmüssen, obgleich diese natürliche Ventilation im Winter bei Schnee und Sturm auch ihreUebelstände hat; jedenfalls ist aber ein Schnupfen oder Rheuma dem Erstickungstodevorzuziehen. —
Bei meinem Eintritts in diesen reizenden Raum stellte sich mir als Wirth ein riesigerDalmatiner von mehr als zwei Meter Höhe und proportionirtem Körperbaue vor. Nach-dem er in einem österreichischen Infanterieregimente als Unteroffizier gedient und seinenAbschied erhalten, hatte er sich kurz nach Beginn der österreichischen Occupation hierniedergelassen und war Wirth und Baumeister in einer Person. In seiner Nationaltracht,der nach orientalischer Art geformten kurzen Jacke von dunklem Wollstoffe, dem obenbreiten, vom Knie aber engen Beinkleids von gleicher Farbe, einem rothen türkischenShawl um die Hüften und einem turbanartig um den Kopf gewundenen braunen mitrothen Streifen versehenen Tuche, dessen Enden an der linken Seite herabhingen, machteer einen, wenn auch fremdartigen, doch eigenthümlich malerischen Eindruck; hiezu die sechsauf der Erde um das Feuer sitzenden Türken, welche mit echt orientalischer Grandezzaihren Tabak dampften — fürwahr, eine für das Skizzenbuch eines Malers gewiß sehrdankbare Gruppe! Wie ich später erfuhr, war dies eine Abtheilung von Zaptiehs, türkischeSicherheitswache, mit ihrem Aga, welche nun im Dienste der österreichischen Regierungauf einer Patrouille begriffen waren, da die Gebirge noch eine Menge Malcontenter undRaubgesindels beherbergten.
Um meinen erstarrten und ermüdeten Gliedern etwas Erholung zu verschaffen, nahmich auf einem vom Wirthe herbeigeschafften Holzblocke gleichfalls am Feuer Platz undwurde vom Aga mit echt türkischer Gastfreundschaft mit einer Tasse Kaffee und einerPapiercigarrette bewirthet, welche ich, um nicht unnöthig zu beleidigen, auch annahm.Der Türke ist im Stande, stundenlang auf demselben Orte zu sitzen und das Kräuselndes seinem Munde und Tschibuk entströmenden Dampfes zu bewundern. Wenn maneinen solchen Raucher beobachtet, wie er mit ernstem Gesichte, nachdenklich scheinendemBlicke und statuengleicher Unbeweglichkeit vor sich hinstarrt, so sollte man ihn mit denernstesten Problemen des Menschengeistes beschäftiget glauben — aber es ist nichts, erdenkt eben gar nichts.
Den neueren Türken scheint der Tschibuk doch zu einförmig geworden zu sein, siegreifen daher, um eine Abwechslung in ihr Leben zu bringen, nun auch zur modernenCigarrette; wohl die einzige Errungenschaft, welche die europäische Cultur bei ihnen ge-macht hat, wie ich mich während meines Aufenthaltes im Vilajet von Bosnien und derHerzegowina genügend zu überzeugen Gelegenheit hatte.
Auf meine Anfrage, was meinem und meiner Leute hungerndem Magen gebotenwerden könnte, bot mir der Hotelier schwarzen Kaffee, türkisches Brod (Kruha genannt)und harte Eier als einzige vorräthige Nahrungsmittel an. Nun, dem Hungrigen istbald gekocht — aber das Brod war trotz dem besten Willen nicht zu genießen, es hateinen dem civilisirten Europäer unerträglichen Geschmack und ist trocken wie Sngespäne;der Hauptbestandtheil dürfte wohl dumpfiges Mais- oder Kukurutzmehl gewesen sein, derTürke und Bosniake verspeist aber diese Kruha mit dem größten Appetite.
Glücklicherweise hatte mein Diener von Spalato her noch einen Nest von Wein,kalter Küche, Thee und Rum vorräthig, für mich und den Diener war also einigermaßengesorgt. Die türkische Gesellschaft saß noch immer in tiefer Beschaulichkeit in ihrer vorigenStellung, in der Mitte der Aga, eine kräftige Gestalt mit langem weißen Schnurr- undBollbarte, den rothen Feß auf dem kahl geschorenen Kopfe, einen schlafrockartigen dunkel-blauen Kaftan mit Fuchspelz verbrämt, im Gürtel (einem rothen Shawl) türkische Pistolenund Handschar, den türkischen gekrümmten Säbel, zur Seite sein langes türkisches Gewehr