Ausgabe 
(13.11.1880) 39
 
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von alterthümlicher Form; rechts und links um ihn herum seine fünf Beg^'.wr i.. i.hvlichem Costume und gleicher Bewaffnung. Diese Leute würden, im Gebirge ooer aufoffener Straße begegnet, gewiß den Eindruck von blutdürstigen räuberischen Insurgentengemacht haben (von welchen sie sich im Acußeren auch gar nicht unterscheiden), währendsie zu deren Verfolgung ausgezogen waren. Den in österreichische Dienste getretenenZaptiehS (Gendarmen) waren natürlich die Waffen belassen worden, während alle Be-wohner der occupirten Länder entwaffnet waren, mit Ausnahme jener, welche sich nochin den Gebirgen herumtrieben. Um die Bewirthung des Aga wett zu machen, trug ichihm ein Glas Wein an; er jedoch berührte ganz majestätisch mit der rechten Hand Brust,Mund und Stirne und verbeugte sich ablehnend, da er Wein nicht trinken dürfe, dennder Genuß desselben sei dem Moslim im Gesetze verboten; Thee mit Rum jedoch wurdevon den Türken dankbar angenommen.

Ich habe überhaupt die Erfahrung gemacht, daß der gemeine Türke die Vorschriftenseines Glaubens mit großer Strenge befolgt, wogegen der reiche,civilisirte", wennnicht ein zweiter Türke zugegen ist, auch Wein trinkt; meist beginnt wohl die Civilisationmit der Vernachlässigung der Gesetze der Religion, was man häufigAufklärung" zunennen beliebt.

Nachdem ich nun mein etwas frugales Mahl beendet und manche Cigarrette ver-dampft hatte, war es weit über Mitternacht geworden und ich forschte bei meinem Wirthe,wo ich denn mein Nachtlager aufschlagen könnte? Aber da war guter Rath theuer. End-lich wurde doch etwas altes Stroh herbeigeschafft, auf welchem wohl schon so mancherBosnier oder Türke geruht haben mag, und in einer Ecke des Wcidenpalastes auf-geschüttet.

Die Strapazen des Tages hatten das Ihrige gethan und ich entschlief sehr bald«Allein nicht lange sollte meine Ruhe währen; eine blutdürstige Bande stürzte über michher, ärger als fanatische Moslim, braune, schwarze und weiße Feinde in einer Unzahlhatten es auf mein Blut abgesehen. Erschrocken sprang ich von meinem sybaritischenLager auf, und siehe, das sämmtliche Stroh hatte Leben bekommen, das bewegte undregte sich Alles,bewegte tausend Gelenke zugleich"; ich und mein Diener hatten diegrößte Mühe, um uns nur einigermaßen von diesem scheußlichen Gezüchtc zu befreie»;von weiterer Ruhe war nun natürlich keine Rede mehr. Pulver in gehöriger Ounntität(Insektenpulver nämlich) befreite mich endlich von meinen Feinden und ich verließ gegenMorgen das mit Tausenden von feindlichen Leichen bedeckte Schlachtfeld.

Das Grauen des Morgens fand bereits die Karawane zur Abreise gerüstet, ichbestieg meine Nosinante, und fort ging es über die mit tiefem Schnee bedeckte Ebene.

Beide Seiten des Weges sind hier mit Ausnahme der heißesten Sommermonatemit wenigen Unterbrechungen ein fortlaufender Sumpf.

Der einzige Abfluß der Gewässer dieser Gegend ist ein links von der Straße beiHan Prolog befindliches trichterartiges Loch, Ponor (Schlund) genannt, welches aber vielzu enge und klein ist, um diese enormen Massen von Wasser aufzunehmen.

Nur in den heißesten Sommermonaten vertrocknen die Sümpfe, aber nur thcilwcise,weil sie durch die geringeren Niederschlage aus dem Knrstgcbirge weniger Nahrung er-halten, dafür wird aber auch die Luft verdorben und die Miasmen, welche im Winterund Frühjahre durch die Vor« zerstreut und durch die Kälte zerstört werden, erzeugenoft sehr gefährliche Fieber.

Der Weg von Han Prolog bis Livno ist häufig von diesen Sümpfen durchbrochen,so daß die Pferde oft bis über die Sprunggclenke versinken; ja bei nicht genauerKenntniß des Weges ist die Gefahr vorhanden, daß Roß und Reiter zu Grunde gehen.

Dieser Weg ist nun durch die österreichischen Pionniere und Genietruppen rechtgut hergestellt, zur Zeit aber, als ich dieses Weges zog, hatte ich noch die Gelegenheit,ihn in seiner vollen, ursprünglichen türkischen Beschaffenheit kennen zu lernen.