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M i s c e l l e.
(U eb e r tr u mp st.) Ein Engländer: „Sie werden kaum glauben, in welch' merkwürdigerWeise ich zu meiner Frau gekommen -bin. Ich unternehme einmal eine Spritzfahrt nach Konstantinopelund fahre mit einem Boot dicht bei den Mauern des Serails vorüber. Plötzlich wird ein Fenstergeöffnet und ein schwerer Sack fallt unweit meiner Gondel in den Bosporus. Mit Hilfe meines Fähr-manns bin ich so glücklich, den Sack herauszufischen. Aber denken Sie sich mein Erstaune»: alswir den Sack öffnen, kommt eine junge Fran zum Borschein, die, obschon vor Schreck sehr bleich, vonwunderbarer Schönheit ist. Sie schildert mir mit einigen überzeugenden Worten und Geberdcnihre Unschuld an der Eifersucht des Sultans, der sie zum Tode verurlheilt hätte, so daß sie ihr Lebennur meinem Nettungswerke verdanke. Da ich mich in günstigen Verhältnissen befand und sie ihregute Abkunft beweisen konnte, nahm ich sie zur Frau. Ist das nicht merkwürdig?" — Ameri-ka n e r: „Das will noch gar nichts sagen gegenüber dem Vorkommnis;, welches mich zum glück-lichsten aller Sterblichen machte. Ich bade einmal, nur mit einer Schwimmhose bekleidet, im Hudsonund habe mich dabei ziemlich weit vom Ufer entfernt, als eins der Häuser in der Nähe des Strandesin Brand gerüth. Derweilen ich mich nun beeile, das Ufer, wo meine Kleidungsstücke liegen, zugewinnen, kommt eine der riesigen neuen Dampsfeuerspritzen angerasselt und in meinem blinden Eifergcralhc ich beim Schwimmen dicht an das Saugrohr derselben, welches man bereits in den Flußgejährt hat. Ein plötzlicher Ruck, ein fürchterlicher-- Druck, der alle meine Gliedmassen zu sprengendroht und im nächsten Augenblick fliege ich halb bewußtlos zwei Stock hoch in die brennendeWohnung und in die Arme einer jungen Dame, welche mit schon brennendem Kleide nach Hilferufend am Fenster steht. Der Wasserstrahl, der mich in die Höhe schleuderte, löschte die Flammen,aber die Unglückliche verlor vor Ueberraschung und Schreck die Besinnung. Ich hatte noch Geistes-gegenwart genug, ihr vorher zuzuflüstern: „Wollen Sie die Meine werden, mein Fräulein?" woraufsie mit erlöschender Stimme antwortete: „Auf ewig!", dann sank sie kraftlos in meine Arme. AlsAlles vorüber war, erfuhr ich, daß sie unabhängig und Erbin von 20 Millionen Dollars war, die siebereitwilligst nebst ihrer Hand ihrem Retter schenkte. So bin ich zu meiner Frau gekommen."
Festcantate zur Grundsteinfeier des Denkmals für kidsrlus Iksgnus.
Gedichtet von Herrn l)r. Hermann Lingg , in Musik gesetzt von Herrn Seminar-Lehrer Carl Deigendesch.
Wenn vom Licht der KlosterzelleGlanz ihr Bildniß überfloß,
Und in's wunde Herz die QuelleSüßer Wnndermacht ergoß.
Hosfnnngssroh den ersten SteinFügen wir heut zu künftigen Tagen,
Deiner Erinnerung würdig zu seinMöge Dir das Denkmal ragen!
Nun umwalle Ge'ang Dein HauptWie der Aar in den Höhen kreist,
Tu, der so sinnig gedacht und geglaubt,Kühner allumfassender Geist!
Forschend in Tiefen, die jchauerumwoben,Schrecken vor ihre Pforten gethürmt,
Bist Du durch Fluth und FeuerprobenDeinem Jahrhundert vorangcstürmt.
Von des Ostens geheimnißvollen,
Von der Alten würdigen RollenHast Du srühe die Siegel gelöst,
Weisheit und Liebe bauenDie Welt seit EwigkeitUnd schiffen FrühlingsauenAus Nacht und Winterzeit;Allüberall walteIhr Zauber fort,
Verjünge das Alte,
Und zwinge das Kalte
Mit feurigem Wort!
Heil Dir Beherrscher im Reiche der Geister,Deutscher Gedankentiefe Meister,
Größter Deiner ZeitgenossenEiner Heimath mit uns entsprossen;
Und wie Licht in Finsternissen,
So hat auch Dein mächtig WissenScheu und Ehrfurcht eingeflößt.
«ossnungsiroy oen crnen >LieinFügen wir heut den künftigen TagenDeiner Erinnerung würdig zu sein
Deinen; frommen Schau'» gewährte,Mehr als Stein und Pflanze gab,Seligkeit, die Hvchstverklärte
Möge Dir das Denkmal ragenl
Neigte sich zu Dir herab,