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„Äugslmrger Pojheitmkg."
Nr. 40. Mittwoch, 17 . November 1880.
Auf das empfindsame Volk habe ich nie viel gehalten; es werden, kommt die Gelegenheit, nurschlechte Menschen daraus. GSthe.
Doktor Arton's Rubrnrrrrg.
Von H. v. Götzendorff-Grabowski.
Es war nicht zu leugnen, daß Doktor Acton sich von der Mehrzahl der Gentlemen,welche die Ehre hatten, zu den Montagsgesellschaften der Gregory's zugezogen zu werden,bemerkenswert unterschied. So einfach jederzeit seine Kleidung, so anspruchslos seinBenehmen — es lag ein Hauch von Vornehmheit, von Noblesse darüber, der auf keinMitglied der kleinen, auserwählten Tafelrunde seinen Eindruck verfehlte. Auf keinMitglied — sagte ich? Das war falsch. Ich vergaß auf einen Augenblick der schönenMakel Harland! Diese junge Dame hatte wahrlich noch keinen Blick an Doktor LewisActon's Schönheit verschwendet. Sie wußte nicht zu sagen, ob dieselbe vornehm oderplebejisch zu nennen, sie empfand auch nicht das geringste Interesse dafür, welcher ArtDoktor Acton's Konservation und wie seine Verbeugungen ausfielen.
„Da war heut ein schwarzhaariger junger Mensch, Mama" — hatte sie sich nachDoktor Acton's erstem Erscheinen bei den Gregory's geäußert, „denn Tante Tabea herein-geschmuggelt. Er ist so etwas wie Doktor. Die Gregory's wollen ihn an Stelle desalten Hepkins zu ihrem Hausarzte machen."
„Nun — laß uns hoffen, daß Tante Tabea es nicht bereut!" hatte MrS. Har-land in ihrer müden Weise erwidert. „Die Gregory's sind einmal für Alles Neue,meine Liebe. Was mich anbetrifft, so würde ich kaum meinen alten Hepkins um einesunbekannten Menschen willen hingeben, obschon ich gestehen muß, daß er mir bisweilennicht mehr ganz zuverlässig erscheint."
Das war Alles, was man jemals bei den Harland's über Doktor Acton geäußert.Danach existirte derselbe einfach nicht mehr für die Damen von Harland-Park.
Makel hatte im Allgemeinen keine Vorliebe für jüngere Männer. Sie schenktedenselben in der Gesellschaft so geringe Beachtung, als sich irgend mit dem guten Tonvertrug — sie speiste sie Alle mit derselben ceremoniellen Verbeugung, mit demselbenkalten mechanischen Gesellschaftslächeln ab, und einige gleichgiltig höfliche Antwortphrasenwaren das Höchste, was die Kühnheit eines Einzelnen jemals davon getragen. Unterdiesen Umständen hielt es die Herrenwelt nicht für angebracht sich noch weiter in Un-kosten zu stürzen. Man bewunderte das „Marmorbildniß" als solches, wo und wie esim Glänze seiner kühlen, unnahbaren Schönheit aufstieg, mit schweigender Scheu — undwandte sich dann jenen Augen und Lippen zu, welche — mochten sie gleich weniger voll-kommen aus der Hand der Natur hervorgegangen sein — mit gleicher Münze zurück-zuzahlen geneigt waren, was man ihnen entgegentrug....
Dr. LewiS Acton war aus einer kleineren Stadt gekommen. Sein Name — vorKurzem noch unbekannt — hatte durch ein treffliches wissenschaftliches Werk neuerdings