331
mir die Hand und fragt nach meinem Begehr. Ganz verwirrt trage ich ihm mein An-liegen vor, worauf er mir erwiederte, daß eS von einem so talentvollen und vielfachausgezeichneten jungen Mann wie mir doch zu bescheiden sei, sich um einen subalternenPosten zu bewerben, und daß es ihn unendlich freue, in der Lage zu sein, mich für einweit einflußreicheres Amt Sr. Excellenz dem Herrn Minister vorschlagen zu können, under sei überzeugt, daß ich in dieser Stellung Ersprießliches leisten werde. Ich wäre vorErstaunen fast zu Boden gesunken, der Herr Rath entlieh mich aber äußerst freundlichund wenige Tage darauf erhielt ich mein Ernennungsdecret zum Ministerial-Concipisten.
Außer mir vor Freude lief ich zu v. Z. zurück, welcher von der Wunderwirkungfeines Frackes nicht weniger überrascht war als ich.
— Aber Freund — rief er aus, als ich gerade im Begriffe war, den Frack abzu-legen. — Du hast ja das Band meines Franz-Joseph-Ordens im Knopfloch stecken?Nun war mir Alles klar l! . . . Und so bin ich zu ineinem Amte gekommen.
Der Tonkünstler und sein Rosenkranz.
In einem kleinen Dorfe der Oberpfalz lebte vor Jahren ein gar talentvoller Knabe,Christoph hieß er; die schönen Tage seiner Jugend flössen in Unschuld dahin und seineunbemittelten Eltern erlebten nur Freude an dem kleinen Liebling. Vorzüglich sah mandenselben auch gern im naheliegenden Kloster, dort diente er mit vieler Andacht oft denOrdenspriestern am Altare und besonders brauchte man ihn in der Klosterkirche stets alsSänger; er hatte nämlich eine wunderliebliche Stimme und rein wie Gold drang diesedurch, mochte er im Chöre der Mönche die ernsten Tageszeiten mitsingen oder mochteer allein irgendwie den Vorsänger bilden. Oesters muhte er nämlich ganz allein dieLitanei vorsingen, während die Mönche und andere fromme Beter in der Kirche mitAndacht antworteten. Bald sprach man in der ganzen Umgegend von seiner engelrcinen,prächtigen Stimme und wurde gerade die Litanei von ihm vorgesungen, dann eilte Alleszur Klosterkirche.
Da mußte man den Knaben selbst sehen und hören, wie er namentlich die laure-tanische Litanei mit rührender Andacht vorsang; dann erklang es so laut -und innig:Liniotu'Aai'iu, Unter Ollristi, lisgstna, nnZeioruiu und der fromme Knabe sang gleich-sam jeden neuen Gruß an die Mutter mit stets erhöhter Andacht, ihm drangen in solchenAugenblicken immer die Thränen freudiger Rührung über die lieblichen Wangen, auch imweiten Gotteshause war es ganz still und die zahlreichen Zuhörer wurden oft genug biszu Thränen gerührt durch den herrlichen Gesang des Knaben.
Einstens sah und hörte ihn auch mit vielem Staunen ein frommer Ordensbruder;kaum war der Gottesdienst beendet, da wartete er schon auf den kleinen Vorsänger ander Kirchthür und als derselbe kam, drückte er ihn merkwürdig gerührt an seine Brust,gab ihm einen Rosenkranz und sagte: „Sieh', liebes Kind, dieses ist alles, was ich Dirgeben kann, aber versprich mir doch, daß Du alle Tage Deines Lebens einmal diesenRosenkranz beten willst und ich glaube, ja, bin überzeugt, daß Du noch ein berühmterTonkünstler ivirst."
Der kleine Christoph versprch in kindlicher Einfalt und Folgsamkeit, er wolle gernden Rosenkranz täglich beten und darüber freute sich der arme Ordensbruder gar schr^Und merkwürdig, als der Knabe größer wurde, da fügte es Gott stets, daß derselbetrotz der Armuth seiner Eltern den besten Unterricht in der Musik erhielt, gleichsam immerim Dienste Anderer stehend, hatte er doch die schönste Gelegenheit zur eigenen Fort-bildung. Längere Zeit war er in Prag bei einem vorzüglichen Lehrer der Musik; diesererkannte bald die herrlichen Anlagen seines Zöglings und bildete ihn mit vieler Freudeso weit aus, daß ,er fast seinem Lehrer gleich kam. Da mußte ein hoher WürdenträMrder Kirche nach Rom, um dort herrliche Stücke der Kirchenmusik zu sammeln und, oschöne Fügung, er nahm als Secretär den jungen Christoph mit.