Ausgabe 
(24.11.1880) 42
 
Einzelbild herunterladen

332

Dieser war nun »»vermuthet in die ewige Stadt versetzt und damit an die Wiegeder herrlichsten Künste; er konnte täglich die Werke der berühmtesten Tonkünstler studirenund den Unterricht ausgezeichneter Meister hören und das that er mit solchem Erfolge,daß er bald selbst die herrlichsten Stücke herausgab und dadurch schon damals seinenNamen berühmt machte.

Doch ihm gefiel die. zu dieser Zeit in Italien herrschende leichte Richtung nicht, erkehrte nach Deutschland zurück und wurde der Gründer der ersten dramatischen Opern-Musik.

Bald erreichte Gluck, so hieß unser Tonkünstler, überall den höchsten Ruhm, seineneue» Stücke wurden mit stets steigendem Beifall aufgenommen.

Aber der Künstler verlor bei aller Weltehre nicht den frommen Sinn der Jugend,oft sah man ihn im Hause Gottes und am Tische des Herrn knieen, täglich beteteer auch den Rosenkranz, wie er vor vielen Jahren dem armen Klosterbruder bei derKlosterkirche seiner Heimath es versprochen hatte.

Merkwürdig, der Astronom, welchem stets der gestirnte Himmel die HerrlichkeitGottes verkündet und der Tonkünstler, den die lieblichen Weisen der Musik zur Andachtstimmen, sie sind oft fromme Seelen, die Gott und das Gebet lieben.

Gluck war 63 Jahre alt geworden und noch ganz rüstig, er hatte aber die heil.Sakramente empfangen; gesund legte er sich Abends zu Bett, aber der Tod kam ihmwie so oft gleich dem Diebe in der Nacht; man fand den großen Künstler am andernMorgen nur mehr als Leiche, doch hielt er in den gefaltenen Händen noch den Rosen-kranz, ihn betend war er gestorben.

Sankt Hnbertus.

Xenophon berichtet von Jagden, bei welchen die Griechen dem von Hunden ge-jagten Wilde zu Pferde folgten. Diese Jagden waren aber mehr Hetzen als Parforce-jagden, indem die Hunde nur dem gesehenen Stück Wild nacheilten; die Parforcejagdunterscheidet sich jedoch gerade dadurch von der Hetze, daß die Hunde mittelst des Ge-ruchsinnes die Fährte eines Wildes verfolgen, bis sie es einholen, seiner also erst zumSchluß der Jagd ansichtig werden. Bei den Persern wird die Parforcejagd zuerst regel-mäßig betrieben, von ihnen haben sie die Römer kennen gelernt und über den westlichenTheil Europas verbreitet.

Jmmermann erzählt inTristan und Isolde " von einer Parforcejagd beim SchlosseTintopal in Cormvallis im sechsten Jahrhundert zur Zeit des Königs Artus , bei welcheres vollkommen waidgerecht zuging. Der Hirsch wird zuerstlaucirt", dann verbricht derHauptpiqueur die Fährte, indem er ein Baumreis mit der Bruchfläche nach der Richtung,welche der Hirsch eingeschlagen hat, darauf legt; er ruft die Lancirhunde ab, bringt danndem Jagdherrn die Meldung, und dieser befiehlt:Forcirt das angesprochene Wild!"Die Meute jagt gut und sicher, selbst als der Hirsch durch ein Rudel Wild gehtnimmtsie keine Change" und stellt ihn schließlich. Der Kampf wird heiß, viele Hunde werdengeferkelt", und als kein Jäger sich dem wüthenden Hirsch zu nahen wagt, gibt Tristanihm den Fang. Er schlügt die Hunde ab, bricht den Hirsch auf, gibt der Meute unterder Hornfanfare die Piqueure und dem Halaliruf der anwesenden Jäger die Curäe undführt dann mit Hörnerschall den Jagdzug zum Schlosse zurück.

Das war damals schon eine Parforcejagd mit ähnlichem Zeremonie!, wie esLudwig XI. in Frankreich eingeführt hat, welches von jeher die Pflegestütte dieser Artvon Jagd war, weil sie dem Volkscharakter besonders zusagte. Schon im Beginne desachten Jahrhunderts hatte Hubert, der Sohn Bertrand's von Aquitanien, durch kühneund geschickte Handhabung der Jagd sich einen Ruf gegründet, der weit über die Grenzenseines Heimathlandcs hinausreichte. Von diesem Jünger Diana's erzählt die S> ^e, daßihm, der sich zwar äußerlich schon zum Christenthume bekannte, im Grunde seines Herzens