Ausgabe 
(24.11.1880) 42
 
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aber noch dem Glauben seiner Vater zugethan war, eines Tages, als er während derMesse jagte, das goldene Kreuz zwischen den Geweihen eines Hirsches erschienen sei. InFolge dieser Erscheinung entsagte er seiner Passion, gründete ein Kloster und starb als

Bischof von Lüttich . Alte Jagdchroniken erzählen die Geschichte zwar noch in ver-schiedenen Versionen, aber das steht fest, daß die Kirche ihn als Sankt Hubertus zum

Schutzpatron der Jagd gemacht hat, daß er durch Kreuzung mit den von den Römern

nach Gallien eingeführten I«ut jagenden Hunden eine besondere Race von Parforcehundenzüchtete, die unter dem Namen Hunde des Sankt Hubertus von den Mönchen des KlostersAudain in den Ardennen sorgsam in aller Reinheit erhalten wurden, und daß er heutenoch im Munde der Jäger aller christlichen Nationen ohne Unterschied der Konfessionals Schutzpatron der Jagd lebt, er als Repräsentant des sittliches Momentes in derJägerei anerkannt und überall der dritte November als der Sankt Hubertustag zu seinemAndenken festlich begangen wird.

Nachkommen der von ihm gegründeten Hunderace existiren nur noch in dem eng-lischen Bloodhound, dem Stammvater aller Parforcehunde. Wenn daher auch ^ alleJäger den heiligen Hubertus als ihren Schutzpatron verehren, so haben aus vorstehendemGrunde die Parforcereiter sicher eine ganz besondere Veranlassung, sein Andenken zufeiern. Schwerlich gibt es irgend eine Jagdgesellschaft, welche den 3. November nichtmit einer Festlichkeit begeht. Gewöhnlich findet sich an diesem Tage eine besonders zahl-reiche Gesellschaft beim Jagdrendevous ein, die nach dem Ritt beim fröhlichen Mahleihres Patrones gedenkt.

Eine solche Parforcejagd hat einen ganz besonderen Reiz für alle activ Betheiligtenund bietet oft in ihren verschiedenen Momenten höchst entsprechende Bilder für die Zu-schauer. Der kleidsame Anzug der Jäger, welcher fast bei allen Jagdgesellschaften mitgeringen Abweichungen ziemlich derselbe ist, verleiht einem solchen Jagdbilde, vornehmlichim Walde, Leben und Reiz. Nach altem Herkommen tragen beinahe überall die Jäger,welche mit der Meute den Hasen jagen, zu dem allgemein üblichen Kappenstiefel und derum's Knie ganz eng schließenden Neithose einen grünen, hinter dem Fuchs, Hirsch undSchwein einen scharlachrothen Rock mit goldenen Knöpfen. Früher war die Form diesesKleidungsstückes diejenige des Gesellfchaftsfrackes und für die Jagdbediensteten der Rock,heutzutage bürgert sich der Reitrock auch bei den Herren immer mehr ein und die Be-diensteten erhalten gewöhnlich ein Abzeichen durch dunkelfarbige Krägen und Aufschläge.

Es ist ein wahrhaft anziehendes Bild voll Leben, wenn man eine Meute von etwavierzig Hunden in einem enggeschlossenen Nudel mit Hellem Geläut in vollen: Laufe auseinem dichten Walde hervorbrechen sieht, gefolgt von den Reiten im rothen Rock undeinigen Damen, welche die den Wald begrenzenden Barriere oder einen Graben fliegendnehmen. Und solche Gelegenheiten bieten sich auf jeder Jagd.

Dem Parforcejäger ist an dem Tödten des angejagten Wildes wenig gelegen, erwill es nur fangen und stellt sich bei Kastenhirschen sogar die Aufgabe, das verfolgteStück womöglich unverletzt zu erhalten; ihm bietet das Reiten und die Beobachtung derfleißig arbeitenden Hunde den Hauptgenuß.

Der Beginn einer Parforcejagd ist von der Witterung abhängig. Auf trockenemErdreich erhält sich der Geruch des flüchtigen Wildes schlecht, der Jäger sagt:DieFährte steht nicht gut." Den Hunden wird ihre Aufgabe erschwert, die Jagd häufigin Frage gestellt; bei warmen: Wetter muß man deshalb früh Morgens jagen, so langeder Thau noch den Boden benetzt, bei feuchter Witterung ist die Jagd nicht an die Stundegebunden. Der Hubertustag ist in unseren: Klima meist ein sehr geeigneter Zeitpunktfür diesen Sport. Man bestimmt das Rendezvous gewöhnlich zur Mittagszeit; dieJagdpferde entfernter Theilnehmer haben genügend Muße, den Bestimmungsort zu er-reichen, Jäger und Jägerinnen können sich in aller Bequemlichkeit nach demselben begeben,und selbst für eine außerordentlich lange Jagd ist hinreichend Zeit bis zur eintretendenDämmerung.