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Zur bestimmten Stunde besteigt die Gesellschaft die Jagdpferde und begibt sich zudem Punkte, wo das Jagdstück in Freiheit gesetzt werden soll, oder wo das zu jagende
Wild eingespürt ist. Die Meute ist zur Hand, wird jedoch so gehalten, daß sie das
fortbrechende Wild nicht sehen kann. Gibt der Jagdherr das Zeichen zürn Beginn, sowird der zur Stelle geführte Jagdwagen geöffnet und der Kastenhirsch sucht das Weite.Man läßt ihm einen Vorsprung yon 10 bis 15 Minuten, je nachdem man bei dem
Wetter auf ein mehr oder weniger gutes Stehen der Fahrte rechnen kann. Darauf
führt der Oberpiqueur mit den beiden Einpeitschern die Meute geschlossen zu einemgeeigneten Anfangspunkt, den der Hirsch überschritten hat. Ist die Jagdequipage nachdem alten französischen Zeremonie! gehalten, so blasen die Piqueure auf ihren Jagd-hörnern mit einer Fanfare die Jagd an, während die Hunde aus voller Kehle Lautgebend, mit Sehnsucht des Momentes harren, wo sie auf der Fährte dem Wilde folgendürfen. Vor dem gegebenen Zeichen wagt kein Hund, sich von seinem Kameraden zutrennen. Der Oberpiqueur lüftet seine Kappe und mit einem „Hui! Hui!" entläßt erdie jagdbegierige Gesellschaft.
Mit Hellem Geläute fliegen sie dahin, zunächst folgen die Piqueure und der Leiterder Jagd, der inuster ok Inmncks, und dann erst die Jagdgesellschaft, deren Ausgabe esnun ist, den Hunden mit möglichst geringen Abweichungen zu folgen, ohne sie jedoch -inihrem Geschäfte zu stören. Kein Reiter darf ihnen zu nahe kommen oder gar ihnenvorbeireiten, weil das Eine die Thiere stört, das Andere durch ein mögliches Ueberreitender Fährte die Jagd in Frage stellen kann.
Steht die Fährte, so ist das Tempo gewöhnlich ein so schnelles, daß die Jägerbemüht sein müssen, die Hunde nicht aus den Augen zu verlieren; so lange der Bodengut ist und die Reiter nicht an zu groben Hindernissen scheitern, geht die Jagd in flotterFahrt. Nimmt der .Hirsch aber einen Sumpf an, so sind seine Verfolger zu Pferdegezwungen, denselben zu umgehen, und dann ist es eine Frage, ob sie Ausdauer undSchnelligkeit genug besitzen, selbst durch einen nicht zu großen Umweg die verloreneEntfernung wieder gut zu machen. Schwieriger wird die Sache noch, wenn der Hirscheinen dichten Wald erreichen konnte, weil der Jäger in diesem Falle auch die Hundeaus dem Gesicht verliert und sich nun auf sein Gehör verlassen muß.
Nicht allein die Reiter verlieren zuweilen die Hunde, es gibt auch Gelegenheiten,bei welchen den Hunden die Fährt entschwindet. Wenn sie zum Beispiele an einemBache oder Wassergraben bis zum diesseitigen Ufer mit Hellem Geläute geschlossen gingen,auf der anderen Seite aber verstummen und auseinander schwärmen, so kann man mitSicherheit annehmen, daß der Hirsch, vonr Instinkte geleitet, sie irrezuführen wußte.Gewöhnlich geht er dann ein längeres Stück im Wasser stromauf, ehe er seine Fluchtweiter fortsetzt und häufig bei dieser Gelegenheit eine ganz veränderte Richtung einschlägt.Die Hunde kommen durch ein solches Manöver in große Verlegenheit, denn die Fährteist unterbrochen und das Wasser trägt die Ausdünstung des Hirsches, welche bei längererDauer und gesteigerter Schnelligkeit der Jagd immer intensiver wird, stets stromabwärs,entfernt die Hunde also immer weiter von der richtigen Direktion, während dieser Zeitgewinnt der Hirsch Terrain.
In einer solchen Lage thut der Master am besten, gleich die Hunde abblasen, aufbeiden Ufern stromaufwärts suchen die Piqueure nach der Fährte abspüren zu lassen.
Glaubt ein Hund die Fährte wieder gesunden zu haben, so gibt er sofort Laut,ruft damit seine Kameraden zu Stelle, und hat er sich nicht getäuscht, so ftimntt dieganze Meute in seinen Jubel ein, und dahin fliegt die kleine Gesellschaft wieder mitfreudigem Geläut in voller Fahrt.
Eine solche oder ähnliche Unterbrechung dient Pferden und Reitern oft zu einersehr nothwendigen Erholung und bietet den schwereren Herren, welche aus Vorsicht einzweites Pferd unter leichtem Gewicht geschont folgen ließen, bei einer sehr anstrengendenJagd vielleicht die Gelegenheit zu einem Pferdewechsel. Gelingt es den Hunde», das