Ausgabe 
(27.11.1880) 43
 
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nternaktunasolatt

zur

Angsbnrger Postzeitimg."

1880.

Nr. 43«

Samstag, 27. November

Mein Verzeichnis; von Bösewichtern wird mit jedem Tage, den ich älter werde, kürzer, und

mein Register von Thoren vollzähliger und länger.

Schiller.

Das Blumenmädchen.

Ein Berliner Straßenabenteuer, erzählt von Max Wolsf.

Eine Nose, schöner junger Herr? Kaufen Sie doch eine Rose!"

Von Herzen gern, meine liebe Kleine! Den ganzen Korb voll, wenn ich nurwüßte, wem ich sie geben könnte!"

Ei! wem denn sonst, als Ihrem Schatz, lieber Herr?"

Meinem Schatz? Du guter Gott, das ist leicht gesagt! Ich habe ja keinen Schatz!"

Sie hätten keinen Schatz? Und das soll ich Ihnen glauben? Ein so schöner,junger Herr"

Wenn Du zum Beispiel mein Schatz sein wolltest"

Danke vielmals für die Ehre! Aber ich hab' schon einen."

Siehst Du? Das ist ja eben mein Pech. Wo ich anklopfe, komm' ich zu spät.Alles ist versehen und ich muß zuschauen. Mir geht's in der Liebe wie beim Tanzen.Mein Fräulein, darf ich bitten?"Danke, bin schon engagirt!" Oder:Danke, ichtanze nicht!" Oder:Danke, aber ich bin zu müde!" Hab' ich dann endlich irgend Eineerwischt, die nicht engagirt ist, nicht müde ist und tanzen kann, so wird eine Quadrillegespielt und ich finde kein vis-ü-vis"

Die Kleine lachte hell auf. Ich hätte gar nicht gedacht, daß so viel Silber in demStimmchen da stecken könnte.

Und was ist denn Dein Schatz?" frug ich sie.

Kellner ist er. Fritz heißt er, und ich bin ihm von Herzen gut. Aber besinne»»Sie sich doch einmal, wem Sie die Rosen schenken können. Sehen Sie nur, wie frischund prächtig sie sind!"

Eben besinn' ich mich: Draußen vor'm Potsdamer Thor wohnt eine alte Tanksvon mir, der will ich"

Allen Respect vor ihrer Frau Tante! Aber die bekommt meine Rosen nicht!" rief«rtzt die Kleine resolut.Eine recht schöne junge Dame soll sie haben von Ihnen, undNiemand sonst. Ich will Ihnen etwas sagen" fuhr sie nach kurzein Besinnen fortich binde die Rosen in ein allerliebstes Sträußchen zusammen, das nehmen Sie, steckenein Zettelchen hinein, auf dem Sie ein Stelldichein für morgen bestimmen, und gebenes dem ersten schönen Mädchen, das hier vorüber kommt."

Bist Du toll? Meinst Du, ich könnte die Frechheit haben und"

Der kleine Kobold lachte wieder hell auf.

Und du meinst wirklich, ein ehrbares Mädchen würbe'1

Schon wieder tönte das. Gelächter des kleinen Kobolds.