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„Aber lieber Herr, warum denn nicht? Man macht sich auf alle Weise, so gutes geht, mit einander bekannt, Fräuleins haben es gewiß so gern, wenn man artiggegen sie ist, als unsereins,"
„Du scheinst sehr gewandt und erfahren für Deine Kleinheit und Dein Alter, Wiealt bist Du denn schon?"
„Sechzehn Jahr, wenn Sie erlauben! Und meine Kleinheit — bis zu Fritzens Mund reich' ich hinauf und das ist hoch genug."
„So ! Sieh einmal an! — Aber ich hätte wahrhaftig den Muth nicht! Der erstenbesten Dame —"
Der Kobold lachte schon wieder.
„Den Muth nicht? Ich will Ihnen noch einen Vorschlag machen. Schreiben Siedas Zettelchen, und ich übergebe den Strauß Derjenigen, die Sie mir bezeichnen! WollenSie?"
„Ich weiß gar nicht — Nun in Gottes Namen! Aber Du wirst sehen, es gibtUnheil! Binde denn den Strauß, während ich schreibe!"
Die Kleine begann also den Strauß zu binden, kicherte aber fortwährend und schautenach mir herüber. Ich zog ein Blatt heraus, trat an eine Gaslampe und fing an zuschreiben:
«Dieses Sträußchen prächt'ger Rosen,
Rother, weißer, gelber,
Willst Du's nehmen? Lieblich bist DuWie die Rosen selber:
Weiß wie Milch und roth wie Blut;
Liebes Kind, ich bin Dir gut!
. Mein liebes Fräulein, darf ich mir die Freiheit nehmen, Sie morgen um drei UhrKönigstraßen-Ecke zu erwarten. Ich habe Ihnen viel zu sagen.
Ihr leidenschast. Verehrer."
Während ich dies, nicht ohne meine eigene Frechheit zu wundern, geschrieben, hattedie Kleine das Bonquet beendigt. Es war prachtvoll geworden.
„So, nun stecken Sie den Zettel tief in die Mitte hinein! So ist's recht! Undnun geben Sie gut Acht und bezeichnen mir, die Ihnen gefallt,"
„Ich will doch lieber mehr auf die Seite treten —"
Ein neues Gelächter von der Kleinen, aber ich kann ihr nicht böse werden.
„Hier bleiben Sie, dicht bei mir und aufgeschaut!"
Eben kam eine junge Dame, die mir gar nicht übel gefiel, die Straße herauf.
„Der dort!" sagte ich schnell entschlossen.
„Nein, lieber Herr!" schnitt mir die Kleine ab, „die bekommt den Strauß nicht!Wissen Sie nicht, wer das ist?"
„Nein, wahrhaftig nicht! Kennst Du sie?"
„Geben Sie nur Acht, wo sie hingeht, so werden Sie sie auch gleich kennen!"
„Sie geht dort in den Konzertsalonl Bedeutet das etwas?"
Diesmal lachte die Kleine nicht. Sie sah mich ernsthaft an und sagte:
„Kennen Sie das Lokal nicht? Ich sehe schon," fuhr sie fort, „ich werde für Siewählen müssen; und Sie sollen nicht zu kurz kommen! Aber schauen Sie die Damenur ordentlich an, damit Sie sie auch morgen wieder erkennen!"
Wir erwarteten eine geraume Weile. Die Kleine ließ eine nach der andern vorüber-gehen, ohne ihr den Strauß zu geben. Sie war wirklich sehr wählerisch in meinemInteresse. Aber ich hätte lieber gesehen, daß sie ein Ende gemacht, denn bei jeder, diesich uns näherte, wurde ich sehr unruhig und aufgeregt und mochte nun endlich dieTortur nicht länger ertragen.
„Gefällt Dir noch immer keine?"
„Die dort!" sagte sie und schritt einer zierlichen schlanken Blondine entgegen.
Ach wollte sie zurückhalten. Es war zu spät. In meiner Verlegenheit sprang ich