also schnell hinter einen Haufen Mauersteine, wo ich Alles sehen und hören konnte. Ich
war außer mir vor Zorn: denn mein Unglück wollte, daß die junge Dame —
„Liebes Fräulein," hört' ich die Kleine jetzt sagen, indem sie den Strauß anbot,„ein artiger junger Herr, der Sie im Stillen verehrt, nimmt sich die Freiheit, Ihnendurch mich dies Bouquct zu überreichen., Nehmen Sie's freundlich an!"
Die junge Dame erröthets, gerieth in Verlegenheit, blieb aber stehen.
„Ich danke Ihnen, liebes Kind, aber wer ist der Herr?" hörte ich das Fräulein sagen,
„Dort steht er, liebes Fräulein!"
Ja wohl! dort hatte er 'mal gestanden. Ich war nicht mehr da und sie suchtenvergeblich.
„Ich versichere Sie, Fräulein", begann die Kleine wieder, „noch eben hat er dortgestanden. Er muß zurückgetreten sein. Er ist ein wenig schüchtern, scheint es, undmöchte Ihnen nicht wehe thun!"
Die junge Dame nahm das Bouguet, dankte der Kleinen und ging weiter, aber
nicht ohne sich noch einmal umzusehen. Als sie fort war, kam ich hervor. Die Kleine
suchte mich.
„Du Unglückliche!" rief ich, „was hast Du angestellt! Das war ja —"
„Eine Bekannte? Um so besser!"
„Meine Nachbarin! mein vis-a-vis, das ich schon seit Wochen heimlich anbete —"
„Das trifft sich ja herrlich!"
„Entsetzlich! Das Stelldichein auf morgen! Wenn sie das liest! Sie wird außersich berathen!
„Ganz und gar nicht! Um so natürlicher wird sie's finden! und die Nachbar-schaft —"
Aber ich sage Dir, sie ist mir spinnefeind! Sie verabscheut mich!"
Die Kleine maß mich mit erstaunten Blicken von oben bis unten.
„Verabscheut Sie? Ja, warum sollte sie Sie denn verabscheuen? WaS haben Sieihr zu Leide gethan.
„O! eigentlich Nichts! gar Nichts! das ich wüßte! Ich habe sie über die Straßehinüber verehrt, ganz bescheiden. Aber sie wollte nichts sehen. Dann habe ich ihr jedenMorgen früh, schon um fünf Uhr, nachdem ich das Fenster geöffnet, ein Ständchen aufder Geige gebracht, so zart, es hätte einen Felsen erweicht. Aber sie wollte Nichts hören.Schon den zweiten Tag schickte sie herüber und ließ bitten, ich möchte ihr mit der ab-scheulichen Dudelei doch gefälligst nicht den Morgenschlaf verscheuchen."
Der Kobold schüttelte sich wieder einmal vor Lachen.
„Ja, wenn Sie die Sache so treiben, dabei kann Nichts herauskommen. DieSterne singt man an, lieber Herr, aber keine Berlinerin! Ich sage Ihnen, sie wirdungehalten sein, -weil sie gar so, ich meine, weil Sie gar keinen rechten Anfang machen.Nun, der wäre ja jetzt gemacht!"
„Meinst Du wirklich? Glaubst Du, sie wird kommen?"
„Gewiß kommt sie! Meine Seele verwett ich darauf. Und wenn's auch nur ausNeugierde wäre, um zu sehen, wer denn eigentlich ihr Verehrer ist."
„Ich sage Dir, sie wird aus Entrüstung kommen, um zu sehen, ob ich wirklich dieFrechheit haben werde, sie zu erwarten!"
Der Kleinen standen vor Lachen die Thränen in den Augen.
„Aber, bester Herr, Sie sind wirklich ein — ein —"
„Ein recht gutmüthiger Schafskops! willst Du sagen. So etwas les' ich in DeinenHexenaugen."
„Nein, nein! Was glauben Sie von mir!" sagte sie wieder ernsthaft und reichtemir ihr Patschhändchen. „Aber ein Berliner sind Sie nicht. Und nun gehen Sie, dennFritz kommt gleich und möchte eifersüchtig werden. Kommen Sie gut nach Haus underzählen Sie mir, wie's abgelaufen! Gute Nacht und schönen Dank!"