Ausgabe 
(27.11.1880) 43
 
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es spricht gar Manches sogar sehr laut dafür die Annahmen nämlich, welche gemacht,und Rechnungen, welche auf Grund derselben ausgeführt wurden, um die Verfestigungoder Starrheit des Erdinneren abzuleiten, sind noch lange nicht so weit gediehen, daßsie Sicherheit und volle Ueberzeugung gewähren könnten. Erdbeben sind alltägliche Er-eignisse:Wenn man Nachricht von dem täglichen Zustande der gesammten Oberflächehaben könnte, so würde man sich sehr wahrscheinlich davon überzeugen, daß fast immerdar,an irgend einem Punkte, die Oberfläche erbebt." (Humboldt.)

Erdbeben sind nichts Anderes als Erschütterungen größerer oder kleinerer Theileder Erdrinde und entstehen in Folge eines Stoßes oder Ruckes, einer versuchten odervollzogenen Auslösung des Gesüges, fast immer in Folge einer von Innen nach Außenwirkenden Krastäußerung, deren Ursprung oft in gar nicht allzu großer Tiefe (10 bis70 Kilometer) zu suchen ist und deren Wirkungen sich vom Orte der Entstehung sowohlnach der Oberfläche als auch nach den Seiten durch die Gesteinmassen fortpflanzen, wobeidie Geschwindigkeit und Regelmäßigkeit des Fortschreitens derErdbebenwelle" und dexWerth des in Mitleidenschaft gezogenen Oberflächentheiles abhängig ist von der Stärkeder den Stoß bedingenden Störung, von der Richtung der Wirkung des Stoßes undvon der Beschaffenheit des den Stoß fortpflanzenden Gesteines. Daß dabei die Ober-,flächentheile die Folgen des Stoßes vor Allem zu ertragen haben werden, ist wohl ohneweitere Auseinandersetzung ersichtlich, ebenso wie auch die Erwägung, dak die Wirkungdes Stoßes auf die Oberfläche verschieden sein wird, je nachdem die Beschaffenheit der-selben anders im festen, innig verbundenen Gesteine und anders und viel verheerenderim lockeren, der Stoßwirkung leichter Folge leistenden Grunde. Wie weit die Wirkun-gen eines Erdbebens reichen können, zeigt das Beben von Lissabon (1. November 1755),dessen Schüttergebiet einen Flächenraum umfaßte, viermal größer als der von ganzEuropa ! Die Geschwindigkeit des Fortschreitens kann mit 300 bis 500 Meter in derSecunde angenommen werden. Schwaches Beben der Erde, wie wir es in Wien selbstwiederholt wahrzunehmen Gelegenheit hatten, bewirkt nur ein leichtes Erzittern des Bo-dens, bei etwas stärkerem kommt es zu Bewegungserscheinungen an losen Gegenständen,bei noch heftigeren Stößen aber stürzen Schornsteine, zerreißen Mauern, brechen Häuserzusammen, der Erdboden bekommt Risse, ja Theile desselben verändern bleibend ihreLage, versinken oder werden emporgedrängt, Quellen versiegen (werden abgeleitet), Fluß-läufe werden abgesperrt und zu Seen aufgestaut, Wasser wird aus Rissen und Löcherncmporgepreßt, was auch Veranlassung zur Entstehung von vorübergehenden Schlamm-sprudeln geben kann. Die letzten Erscheinungen sind es, welche in der Regel bei totalerVerkennung der Erscheinung großes Entsetzen in der Meinung verbreitet haben, daß einVulkan im Entstehen begriffen sei. So war es im Vorjahre mit demVulkan" imBanate , als am Babakei-Felsen das Wasser aussprudelte, so am 9. d. M. bei Nesnik,wo offenbar Pfützenschlamm im erschütterten Ueberschwemmungsgebiete der Save empor-gepreßt wurde.

Manche Erdbeben sind auch von Schallphänomenen begleitet, wie dies auch beiden:letzten unglücklichen Ereignisse der Fall war, wobei zu Klagezifurt, Hrastnig, Cillj undKreuz donnerähnliches Getöse wahrgenommen wurde.

Daß auch die Wassermassen der Oceane nicht selten in verhängnißvoller Weise inMitleidenschaft gezogen werden, das zeigen die submarinen Erdbeben (Seebeben), daszeigen aber auch die Fluthwellen, die z. B. bei den großen südamerikanischen Erdbebenwiederholt erzeugt und und weithin fortgepflanzt worden sind.

Aus der Richtung und der Kraft, die aus den Zerstörungs-Erscheinungen wenig-stens annähernd festgestellt werden können, versuchte R. Mallet, nach der Fortpflanzungs-Geschwindigkeit aber versuchte v. Seebach, und zwar nicht ohne Erfolg, den Ursprungsort,das Centrum der Erdbeben wenigstens annähernd zu bestimmen. ^

Was nun das Auftreten der Erdbeben anbelangt, so ist es eine längst erkannteThatsache, daß gewisse Gebiete häufig von Erdbeben heimgesucht werden. So sind in