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erster Linie die durch thätige Vulcane bezeichneten Erdstellen vielfach Erderschütterungenausgesetzt — Erschütterungen, welche den Ausbrüchen vorausgehen oder sie begleiten,überhaupt mit vulkanischen Vorgängen im Zusammenhange stehen. Wir bezeichnen sieals vulcanische Beben und betrachten sie als rein loeale Erscheinungen, bewirkt und be-dingt durch dieselben Kräfte, welche auch bei den Eruptionen thätig sind: durch plötzlicheEntwicklung oder Entbindung übergroßer Dampfmassen, wobei heißer Wasserdampf dieHauptrolle spielt.
Rein localer Natur sind aber auch jene Beben, welche durch unterirdische Einstürzeerzeugt werden, wie solche in höhlenreichen Gebieten, zum Beispiele in Karstterrains,immerhin häufig genug vorkommen. Weit wichtiger, in ihren Wirkungen fürchterlicherund so recht eigentlich die allgemein verbreitete Erscheinungsform bildend, sind alle jeneErschütterungen, welche wir auf die eingangs berührten Vorschläge zurückführen möchten,Erdbeben, welche wir uns durch plötzliche Aenderungen, Störungen im Schichtenbaue derErde entstehend denken. Sie find förmlich an die Regionen mit gestörtem Schichtenbaugebunden, treten vor Allem in den Kettengebirgen auf, welche ja so recht eigentlich dieStörungslinien im Krustenbaue bezeichnen. So fallen die meisten mitteleuropäischenBeben in das Gebiet der Alpen und Apenninen. Aber auch Gegenden, in welchen injüngster Zeit bedeutendere Niveau-Veränderungen vor sich gegangen sind, bezeichnen solcheHauptstörungsstriche und werden häufig von Erderschütterungen betroffen, so zum BeispieleSicilien und die Westküste von Südamerika , wo auffallenderweise der Kamm der Cordil-leren die Ostgrenze der dort so fürchterlich auftretenden Erderschütterungen zu bilden scheint.
Die weiten Gebiete mit ungestörter Schichtenlagerung, zum Beispiele jene, welchesich aus der norddeutschen Ebene durch Rußland bis in die Gegend des Baikal -Seeserstrecken, werden dagegen nur selten erschüttert. In den letzten Jahren sind wiederholtalpine Erdbeben genauen Studien unterzogen worden, und haben dabei gerade öster-reichische Forscher viel zur Förderung der richtigen Erkenntniß beigetragen. (Sueß,Stur, Bittner und Andere.) Es hat sich dabei ergeben, daß die Erdbeben in den Alpen und in den Apenninen förmlich an gewisse Linien, die „Stoß- oder Schütterlinien," ge-bunden erscheinen, auf welchen sie bald hier, bald dort auftreten. Solche Linien ziehentheils quer durchs Gebirge, theils folgen sie der Lüngenerstreckung desselben. Sie sindin vielen Fällen schon orographisch oder doch tektonisch oder durch gewisse andere Merk-male gekennzeichnet. Eine solche Schütterlinie zieht beispielsweise die Südbahnlinie ent-lang von Wien bis an den Semmering . Sie ist auch durch einige warme Quellencharakterisirt, welche in der Nähe des orographisch so überaus deutlich ausgeprägten Bruch-randes liegen, und wurde von Sueß als die Thermenlinie bezeichnet. Von ihr zweigtbei Neustadt die quer durch die Voralpen zur Spalte des Kamp ziehende Kamplinie ab.Ihre Fortsetzung aber jenseits des Semmering bildet die der Mürz und oberen Mur folgende Mürzlinie. Solcher alpiner Stoßlinien gibt es noch gar viele. Besonders häufigsind sie im südlichen Theile der Alpen , in der Nähe des großen Bruchrandes gegen dieoberitalienische Tiefebene, und zwar sind sie hier vorwaltend von Nordost gegen Süd-west gerichtet und entsprechen großen Querbrüchen, wie dies zum Beispiel in der Gegenddes von dem Erdbeben im Jahre 1873 so arg zugerichteten Städtchens Belluno auf dasüberzeugendste dargelegt werden konnte. (Bittner und R. Hörnes.) (Schluß folgt.)
Ein Gott
Ein Gott muß sein! Ein Gott, der ist und war,Eh' Eines ward von Allem, was sich regt;
Ein Ewiger, der Alles in sich trägt,
Dem End, und Anfang Eins, unwandelbar.
In seinem Licht ist Alles sonnenklar,
Was Raum und Zeit in fernsten Tiefen hegt:
In ew'ger Ruhe thront Er unentwegt,
Er, l.r da ist! — Sein Nam' ist wunderbar.
muß sei«.
Wer faßt den Geist, der haucht und....! Alles lebt! ?Wer dringt in jener Wasser Tiefen ein,
Worüber er im Schöpfungswerke schwebt?
Das Leben strahlt des Gebers Wiederschein;Millionenfaches, das im Wandel strebtZum Steten, Einen, — ruft: „Ein Gott muß sein l"