Ausgabe 
(1.12.1880) 44
 
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Wir belauschten in der Stille unsern rauhen Krieger-, und mit Rührung bemerktenwir, daß eine Thräne auf das Papier fiel, welches er, still vor sich hinschauend, noch inder Hand hielt, und es dann mit einem tiefen Seufzer zusammenfaltend in die Brust-tasche steckte.

Franz Bachhuber, Huberbauernssohn von Fifchbachau, ein echter Sohn unsererbayerischen Berge, war eine durch und durch ehrliche Haut, beliebt bei allen Kameradenseiner Compagnie, sowie auch bei seinen Vorgesetzten, vom Hauptmann bis zum Gefreitenherab, nicht allein wegen seines treuherzigen Wesens, sondern auch wegen seines schonbewiesenen Muthes und seiner Unerschrockenheit, i nicht minder aber auch wegen seinerstets heitern und muntern Laune; denn wenn manchmal seine Kameraden ob des langenund angestrengten Hin- und Hermarmarschirens die Köpfe verdrießlich hängen ließen, sowar es gewiß Bachhuber, der mit seiner muntern Laune und mit seinem lustigen Gesängewieder Leben in die Compapnie brachte, und Alles stimmte in die fröhlichen Weisen mitein, und vergaß hierüber die Beschwerden des Marsches.

Bachhuber war der einzige Sohn braver wohlhabender Bauersleute, deren saubergehaltener großer Hof auf einer kleinen Anhöhe gar freundlich in das liebliche Aurachthalschaute; auch bekannt war er in der ganzen Gegend als der lustige Hubcrfranzl undwelchlustiger Bua!" war dort in dieser idyllischen Gegend auch ohne Liebe? JaFranzl hatte auch seinen Schatz, und zwar einen recht schönen, denn die muntere Lenivon Geitau war auch ein gar stattliches Mädchen, mit ihren schwarzen Zöpfen, die ihrblühendes Gesicht, aus dem zwei schalkhafte Augen herausblitzten, zierlich umrahmten,und mit Recht war sies'Bleamei von Geitau" genannt. Die meisten Burschen wärengern an seiner Stelle gewesen aber dennoch mißgönnte ihm keiner diese Liebe, war erja überall unter seinen Kameraden gern gesehen, und stets bei der Hand, wo es galtzu helfen und zu schlichten. Auch die Mädchen des Thales, die gerne auf den schönenBurschen mit seinem blonden Schnauzbart und auf seine ehrlichen blauen Augen schielten,freuten sich an dem Glücke ihrer Freundin, wenn sie Leni in ihrem schmucken Hütchen,und in dem silberverschnürten Mieder bei der Leonhards-Fahrt in Fischhausen sahen, undbeim Schuhplattler im Neuh^-is, wo das schöne Paar stets die Bewunderung Aller aufsich zog. War's denn Wunder, daß Beide, als der Sommer 1866 den Hubcrfranzl zuseinem Bataillone rief, recht traurig wurden, wenn sie an den bevorstehenden Abschieddachten, zumal Leni gerade auf der Alm ihres Vaters war.

Das war denn ein Jammer ohne Ende, und man kaun sich einen Begriff machen,wie es wohl der schönen Leni umS Herz war, als der Franzl von ihr schied, und sie sichnun ganz allein und verlassen in ihrem Schmerze sah, ohne sich einem theilnehmcndenHerzen anvertrauen zu können. Aber Franzl war ein wackerer braver Bayer, der freudighinauszog für seinen König und sein schönes Baycrland, und in seiner Treuherzigkeittröstete er seine Leni:Du bist mir ja doch das Liebste auf der Welt, aber nach Dirkimmt glei der Koni, für den i a was aufheb'n muß Dein g'hürt mein Herz, demKöni mei Leb'n." Das war sein letztes Wort, und frisch und wohlgemuth rückte er beiseinem Bataillone ein, als braver Soldat, während die arme Leni vor dem Bilde derMuttergottes, das in der Sennerhütte in ihrem Kümmerlein umkränzt von blühendenAlpenrosen prangte, bitterlich weinend auf den Knieen lag, und für das Wohl ihresHerzgeliebten Franzl betete.

Es war am 9. Juli des Jahres 1866 als Abends unser Huberfranzl im Bivouakvor Kissingen , nachdem er den Brief seiner Liebsten gelesen hatte, sich zu seinen Kame-raden begab, welche sich, da es den ganzen Tag über in Strömen geregnet hatte, aneinem hellauflodernden Feuer wärmten. Wie gewöhnlich wurde er mit Jubel empfangen,und aufgefordert ein lustiges Lied anzustimmen; doch unser Lnndsmann war nicht rechtin der Stimmung, es war ihm gar nicht singerisch zu Muthe, und seine Gedankenmochten wohl mehr bei seiner Liebsten in der Ferne sein, als bei seinen sonst ihm liebgewordenen Kameraden. Seine stets so heitere Stimmung wollte nicht recht zum Aus-