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bruch kommen, obwohl er sich alle erdenkliche Mühe gab, heiter zu erscheinen, denn einenicht zu überwältigende Sehnsucht nach seinen heimathlichen Bergen und nach Allem, waser dort Liebes zurückließ, hatte ihn ergriffen. Froh war er sonach als ihn die Reihetraf den Wachtposten zu beziehen, konnte er sich da in stiller Einsamkeit ganz seinen Gedan-ken und Gefühlen hingeben, und leichter wurde es ihm ums Herz, als er hinausblicktein die finstere Nacht und die Strophen des bekanten Soldatenliedes leise vor sich Hinsang«
„Sieh' ich in finstrer Mitternacht,
So einsam auf der stillen Wacht,
So denk ich an mein fernes Lieb',
Ob's mir auch treu und hold verblieb."
So vergingen ihm schnell die Stunden seines Dienstes und ins Lager zurückgekehrt,fiel er in einen festen Schlaf in dem ihm wohl die lieblichsten Träume umfangen hielten.
Am frühen Morgen des 10. Juli wurde eine kleine RecognoscirungSpatrouille aus-geschickt, bei welcher sich auch unser Huherfranzl befand, da inan von dem Anrücken desFeindes, es war die preußische Division Gäben, Kenntniß erhalten hatte. Nicht langedarauf kam schon diese Patrouille mit einigen preußischen Reitern zusammen, welche aberschnell durch das Feuer zurückgejagt wurden. Bald darauf zeigte sich aber schon feind-liche Infanterie, welche das kleine Piket zurückdrängte, gegen den sogenannten Altenburg -Berg vorging und die Vorstadt Kissingens besetzte. Sobald man nun des Feindes an-sichtig wurde, eröffneten die an der Saale aufgestellten bayerischen Regimenter das Feuer,welches die in den Häusern postirten Preußen lebhaft erwiederten. Schon mischten sichder Donner der am Hange des Sinnberges aufgefahrenen bayerischen Batterien in dasKnattern des Gewehrscucrs, und immer heftiger wurde der Kampf, und tapfer fochtunser wackere Landsmann mit, eingedenk seines Wahlspruches: „Mein Leben dem König,mein Herz meiner Lein", und als guter Schütze traf seine Kugel so manches Preußen-herz. Das Gefecht wurde immer heftiger, und insbesondere entspann sich auf dem miteiner hohen Mauer umgebenen Kirchhof indem sich eine Abtheilung Bayern festsetzteworunter auch Brachhuber war, ein heftiger Kampf gegen eine ungleich stärkere Abtheil-ung eines posnischen.Regiments. Hier galts nun, und mit höchster Todesverachtungkämpfte das muthige Häuflein, und manch braver Soldat fiel hier als Opfer dieses un-glückseligen Bruderkampfes. Heldenmüthig rettete hier Bachhuber das Leben eines fei-ner Offiziere den eben ein wuchtiger Kolbenschlag eines preußischen Soldaten niederschmet-tern wollte, indem er demselben einen Bajonnctstich versetzte, der ihn mit einem Schmer-zenSschrci zurücktaumeln machte, und so den mörderischen Streich verhinderte. Doch imnämlichen Augenblicke fühlte auch Franzl einen heftigen Schlag, und von einer Kugelschwer getroffen sank er in die Arme des Offiziers, dem er kurz zuvor das Leben rettete.Schnell und voll Theilnahme für den Braven ließ dieser wackere junge Mann seinen'Kameraden mitten aus dem Kampfesgewühlc entfernen, hoffend, daß ihm sein theuresLeben noch erhalten werde.
Mörderisch wüthete der Kampf am Tage des 10. Juli in und um Kissingen , undviele Opfer forderte auf beiden Seiten dieser denkwürdige Tag, war es ja ein Kampfdeutscher Bruder die, wer hätte es damals gedacht, berufen waren, deutsche Einheit unddeutsche Macht auf Frankreichs blutigen Schlachtfeldern begründen zu helfen.
Aus einer todeSähnlichen Betäubung erwachte unser Franzl erst wieder als er imFeldspital zu Nüdlingcn untergebracht war. Schneller Hülfe durch die Fürsoge des jun-gen Offiziers, den er mit Aufopferung seines Lebens gerettet hatte, und der ihn derbesonderen Obhut des Arztes empfahl, hatte er es zu verdanken, daß er dem nahenTode entkam, und nach einer schmerzliche», aber bei der kräftigen Constitution unsersLandsmann glücklich überstandcnen Operation, reichte ihn» der Arzt die tödtliche Kugel,die aus der Wunde glücklich entfernt war. Bei der lleberfüllung des Fetdspitals mußteaber Franzl, da er einigermaßen transportabel war, und der für ihn besorgte Arzt esfür seine Heilung besser hielt nach Würzburg verbracht werden, woselbst, Dank der lie-