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kenden Fürsorge der dortigen Einwohner großartige Spitäler zur Aufnahme der Verwun-deten errichtet waren.
„Aus der Hölle, durchs Fegfeuer in den Himmel — das ist der Weg der Ver-wundeten vom Schlachtfelde ins Lazareth", ein Ausruf so vieler Verwundeten — undwohl mit Recht horten wir viele dieser Armen sagen, daß sie sich in einem solchenLazarethe, das liebevolle, opferwillige Hände einrichteten, um die schweren Leiden desKriegers zu lindern, wie im Himmel zu sein glaubten.
So gings auch unserm Franz! als er sich in dem Spitale befand, welches in derschönen großen Einsteighalle des alten Bahnhofs in Würzburg eingerichtet, und luftiggelegen in einen blühenden Garten verwandelt war, in dessen Mittelpunkte unter Bäumenund duftenden Gestrüuchern, Springbrunnen die Luft mit erquickender Kühle erfrischten.— An den Wänden zu beiden Seiten des länglichen Gebäudes standen die Betten, indenen die Verwundeten auf reinlichen weißen Kissen ruhten.
(Fortsetzung folgt.)
Erdbeben.
(Schluß.)
Daß auch der östliche Rand der Ostalpen gegen das tertiäre Hügelland und diweite pannonische Tiefebene hin ein Erdbebengebiet ausgezeichnetster Art ist, das zeigendie zahlreichen Erschütterungen, welche über das beklagenswerthe Agram im Laufe derJahre hingezogen sind, um im jüngsten Beben eine immerhin ganz ansehnliche und sohöchst verderbliche Intensität zu erreichen. Das genaue Studium des unheilvollen Er-eignisses wird gewiß neue Erkenntnisse bringen. Es wäre ganz und gar verfrüht, wollteman schon jetzt nach den zum Theile unter dem Einflüsse des Schreckens erslossenen Mit-theilungen Schlüsse ziehen; dazu sind mit Ruhe ausgeführte genaue Angaben erforder-lich. Der Umfang des Schüttergebictes kann jedoch annähernd schon bestimmt werden.Als äußerste Punkte, von welchen Erschütterungen gemeldet wurde, sind anzugeben: imNorden Krems (respective Budweis), im Osten Pest und Essegg (jenseits der Donau istbisher kein Ort genannt worden), im Süden Serajewo und Pola rllid im Westen Görzund Klagenfurt . Es ist immerhin ein Gebiet von etwa 4000 Quadratmeilen. Erwähntwurde schon, daß an einer Anzahl von Punkten unterirdisches donnerähnliches Rollenvernommen wurde. Verbindet man dieselben, so findet man, daß dieselben in einer mitdem Save-Längenthale parallelverlaufenden schmalen Zone liegen, von welcher auch dasHauptoberflächen-Erschütterungsgebiet, das Gebiet, in welchem zerstörende Wirkungenstattgefunden haben, durchzogen wird. Auch kann noch hervorgehoben werden, daß anden meisten erschütterten Punkten die Stoßrichtung alH von Nord nach Süd und vonNordost nach Südost verlaufend angegeben wurde, in einer Richtung, welche auf derselbenerwähnten Zone der Schallphänomcne nahezu senkrecht steht. Doch kehren wir wiederzu den Erdbeben-Erscheinungen im Allgemeinen zurück. In neuer Zeit hat man eineganz besondere Aufmerksamkeit auch der Erdbeben-Statistik zugewendet und wurde mehr-fach versucht, Schlüsse aus den bisherigen Ergebnissen derselben zu ziehen.
Man fand bisher, daß Erdbeben zu gewissen Zeiten etwas häufiger auftreten alsin anderen: im Herbst-Winterhalbjahre häufiger als während der Frühlings- und Som-mermonate, und zwar wurde dies für eine ganze Reihe von Erdbeben-Gebieten gleichlau-tend gefunden, eine Thatsache, welche ohne allen Zweifel in Betracht gezogen werdenmuß. Die bisherigen Erklärungsversuche waren keine ganz glücklichen.
Perrey war es ferner, der zuerst auf einen Zusammenhang der Erscheinungen mitder Einwirkung des Mondes auf die Erde hingedeutet hat, indem er nachwies, daß von6596 Beben in der Zeit von 1751 bis 1800 3435 auf die Zeit der Syzpgien (Neu-mond und Vollmond) und nur 3161 auf die Zeit der Quadraturen (erstes und letztesViertel) entfallen.