Ausgabe 
(1.12.1880) 44
 
Einzelbild herunterladen

352

eigenen Hausstand, indem er sich mit einer Schweizerin, Anna Huber von Glattfelden bei Zürich, am 18. Oktober 1812 verehelichte. In der schwäbischen Residenz herrschteein reges Interesse für die Kunst. 1807 bis 1810 war Karl Maria v. Weber alsGehcimsekretär des Prinzen Ludwig von Würtemberg daselbst gewesen, und in Ludwigs-burg, der zweiten Residenz, lebte in der bescheidenen Stellung eines Hauslehrers bei derFamilie Berlichingen der Dritte im Bunde: Friedrich Silcher . So haben die drei erstenMeister des Männergesangs eine Zeit lang fast nebeneinander gelebt, ohne daß Einerdem Andern damals nahe getreten wäre. Erst in den Zwanziger-Jahren berührte derVater des Männergesangs, Hans Georg Nägeli, Stuttgart , um auch hier zur Pflege desVolksgesangs anzufeuern, und erst 1824 erstand der erste deutsche Männergesangverein,der Liederkranz zu Stuttgart. In Stuttgart brachte Kreutzer sein in Wien iomponirtesOratoriumMosis Sendung", sowie die OperKonradin von Schwaben" zur Auf-führung. Außerdem mag er hier die Opern komponirt haben:Die Alpenhütte ",ZweiWorte oder die Nacht im Walde",Allimon und Zaidc." Für Kammermusikkomponirte er zwei Trios für Pianoforte, Flöte und Violoncello (op. 23) in L-clur undO-llur. Alle diese Kompositionen gewinnen durch Formgewandtheit und Glätte, durchLieblichkeit und Gefälligkeit der Melodien, ohne eben durch Tiefe und Eigenthümlichkeitder Erfindung zu imponiren. Offenbar arbeitete Kreutzer viel zu rasch, und so findetsich neben viel Schönen: und Eigenen: auch viel Konventionelles, Vieles, was man ii:der Regel mit der BezeichnungKapellmeistermusik" abthut. Dagegen betrat er die ihmeigene Bahn mit der Komposition derFrühlingslieder" (op. 33) und derWanderlieder"(op. 34) von Ludwig Uhland, welchen drei Schiller 'sche, etwas pathetisch gehaltene Ge-dichte (die Worte des Glaubens, Sehnsucht, Hoffnung) op. 32 und noch früherdreiSalomonische Lieder" von E. A. Tiedge op. 22 (mit Harfe) vorausgegangen zu seinscheinen. Ob der Komponist mit Uhland , für dessen Muse er so ganz besonders sichbegeisterte, schon in Stuttgart in persönliche Berührung gekommen ist, wissen wir nichtzu sagen, es ist aber in hohen: Grade wahrscheinlich. Denn Uhland kau: ja wohl dannund wann von Tübingen nach Stuttgart herüber, und Kreutzer hat dem Dichter späterein Heft seiner Lieder gewidmet (op. 60). Auch Uhland hat den musikalischen Inter-preten seiner Lieder hochgehalten. Können sie sich auch an Tiefe und Kraft der Kon-zeption nicht mit Liedern von Schumann oder Schubert messen, so gewinnen sie durchLieblichkeit und Einfachheit der Melodik, gemüthvolle Auffassung und Sangbarkeit. DieLiederLebe wohl, lebe wohl, mein Lieb",So soll ich nun Dich meiden" in. denWanderliedern sind bei aller Schlichtheit voll tiefer Empfindung und gehen, als echt vo'.ls-thümliche Weisen, zu Herzen. Unter den Frühlingsliedern spricht uns ganz besondersgleich Nr. 1O sanfter, süßer Hauch", ebenso Nr. 3O legt mich nicht inS kühleGrab" und das duftigeSaatengrün" warm an. Mit dem Tode des Königs Friedrich1816 wurde Kreutzer, über den ein Korrespondent derAllg. musik. Zeitung" (von 1816S. 528) aus Stuttgart klagt: er sei zu lau und nachsichtig, wisse Einmischungen in seinAmt nicht gehörig zurückzuweisen, seiner Stellung enthoben. Er begab sich auf einegrößere Konzertreise, auf welcher er Berlin, Dresden, Prag berührte. In letztererStadt brachte er eine lyrische TragödieOrestes " zur Aufführung.

(Schluß folgt.)

Qrigittal-SM'cttMäthsel.

* Drei Sylben smd'tz: es mehret euer Gut,

Wenn der Aecent aus meiner zweiten ruhtjAllein wenn ihn der Sylben erste hat,

So nennt ihr eine wohlbekannte Stadt.

Auslösung des Buchstabenrebus in Nr. 43:Zwischenstation."

Für die Redaction verantwortlich: Alphons Planer in Augsburg . Druck und Verlag desLitcrarischen Instituts von vi-, M. Huttler.