Ausgabe 
(4.12.1880) 45
 
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Haltung stets nur um den Krieg, ihre Politik erstreckte sich jedoch nie weiter als bis zuihrer Liebe, und ihrem Franzl. Mitunter wurde auch zur Cither manch Liedlein gesun-gen aber kein lustiger Jodler schloß die Strophe, auch kein Heller Jauchzer schallte vonden Bergen, wenn Abends die sonst so lustigen Sennerinen vor ihren Hütten saßen.Eben hatte Leni mit ihrer Freundin der Bartenhauser Rest die letzte Strophe des Lie-des beendet:

«Wie hat ma sonst 's Herz klopft, vor Lust und vor FreudAber jetzt is mei Bua fort, mei Franzl soweit«Und ohne ihn kann i gar nie glückt, wer'»,

Drum scheint mir koa Sauna, drum leucht mir koa Stern"

als sie plötzlich aufsprang, und zu ihrer Freundin sagte:I moa da kimmt ja gar deralt Fischerlenzl mit seine Krax'n no aufi zu uns, was will do der no so spat, ebba garan Butter hol'n, und i hab heut no gar nit ausgrührt."A mei", moant Nesei, aufd'Nacht holt der Lenz! koan Butter mehr, vielleicht hat er gar a Botschaft vom Franzl,was gilts, er bringt Dir a Briefei, hast ja scho lang nix mehr von eam g'hört, demarma Narr'n."Sei stad Resei, und mach mir koan Schreck«, es werd eam do nixpassirt sei' mir hat so heut Nacht träumt, i hab'n lieg'n seh'n, ganz blaß in seinerKammer!"

Während dieses Gespräches kam der alte Fischerlenzl zur Sennerhütte, und miteinemGelobt sei Jesus Christus" begrüßt er die beiden Mädchen.WaS bringst dennheut no Lenz, daß Du so spat gen Alm kämst?" redete ihn Leni, die ihre Ungeduldnicht mehr bemeistern konnte, freundlich an,werd do dahoam nix g'scheg'n sei, soviel derschrickt mi dei Hoamgascht (Heimgarten ) auf d'Nacht."Dös grad nit" erwie-derte der Alte, und klopft sein Tabakspfeifchen auSan Gruß soll i ausricht'n vomVota und der Muatta, und da hab'ns ma a Briefei mitgeb'n, dös heut z'Mittag derOmnibus von Schliersee mitbracht hat, es scheint sie nit grad her, als wars vom Franzlweil 's Papier so viel sei, und d'Ueberschrift so schulg'recht is, aber do scheint er mira Soldatenbrief z'sein, wei koa Vriefmark'n nit drob'n is, und er a nix kost, wie derVota g'sagt hat."

Hastig nahm Leni den Brief an sich, und von einer bangen Ahnung ergriffen, be-trachtete sie die ihr gänzlich unbekannte Handschrift der Adresse, welche lautet:

An Jungfrau Magdalena Gschwendtner, Eckardsbauerntochter in Geitau, PostSchliersee, bayer. Feldpost.

Heilige Mutter Gottes von Birkenstem, dös is an Franzl sei Schrift nit, werdeam do nix g'scheg'n sei' Resl, i trau mir den Brief gar nit aufz'macha, die Angstbringt mi um." Resl, die längst in die Herzensgeheimnisse ihrer Freundin eingeweihtwar, nahm ihr tröstend den Brief aus der Hand, und kaum hatte sie ihn geöffnet, riefsieLenerl sei stad. Dei Franzl lebt no, da stehts ja scho g'schrieb'n, paß auf":

Heißgeliebte Leni!"

Mache Dir keine Sorgen, ich lebe, und bin gesund, und gedenke Deiner in weiterFerne. Deinen letzten Brief, den ich am 9. Juli richtig erhalten habe, konnte ich Dirnicht beantworten, denn am Tage darauf mußte ich in aller Früh mit meinem Bataillonnach Kissingen abmarschiren, und wurde sogleich mit einer Recognoscirungspatrouille be-ordert gegen die Preußen zu marschircn. Wir waren kaum ^ Stunde außerhalb derStadt, so kamen wir schon mit dem Feinde zusammen, und von beiden Seiten gingdas Feuern los. Da wir zu wenig waren, mußten wir uns bald zurückziehen, und kamenwieder zu unserm Bataillon,- und zur ganzen Division. Die Preußen rückten auch miteiner Division immer näher heran, und es kam zu einem heißen Kampf, bei dem ichtapfer mitfocht. Eine Abtheilung meines Bataillons und eine Compagnie des 11. Infan-terie-Regiments besetzten den Kirchhof in Kissingen den wir mit Grabsteinen wohl zuverrammeln suchten, während links davon das 15. Jnfant.-Reg., das 7. Jägerbataillonund eine Abtheilung unseres Bataillons stand. Hier nun ging es hitzig zu, und wir