Ausgabe 
(4.12.1880) 45
 
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Kreutzer jedenfalls fleißig kornponirt, die Verhältnisse schon- forderten dies von ihm.Was er geschaffen hat und in welcher Reihenfolge, läßt sich nicht genau bestimmen, dadie Opuszahl auf seinen Werken nur die Reihenfolge der Veröffentlichung bezeichnet, diekeineswegs immer mit derjenigen der Entstehung harmonirt und überdies nicht zuverlässigist, wie z. B. »x. 50, 70, 70 u. a. verschiedenen Publikationen gegeben ist. Doch dürfte»wir kaum fehlgreifen, wenn wir in die Zeit der Wirksamkeit KrcutzerS in Donaueschingcndie Entstehung derjenigen Werke verlegen, welche durch ihre ganze. Anlage andeuten,daß sie dem Bedürfniß eines vcrhültuißmäßig weit geförderten Dilettantismus zu dienenbestimmt waren: die sechs Piecen für Pianoforte mit Begleitung der Flöte oder Violineop. 31, die 6 vierhändigen Stücke für Pianoforte vpr. 34 *)', die Konzertsonnte fürFlöte und Pianoforte o;>. 35, das Divertissement für Pianoforte, Flöte, Hautbois,Fagott und Kontrabaß ox. 37, die Variationen für Klarinette (welche er selbst vorzüglichblies) mit Begleitung von 2 Violinen, Viola , Baß, 2 Hautbois, 2 Hörnern und Kontrabaßox. 36; ein Trio in Lsäur für Pianoforte, Klarinette und Vasson (o^. 43), 2 Konzertefür Pianoforte mit Begleitung des kleinen Orchesters op. 50**); für Gesang: zweiRomanzen aus RaupachsKönig Enzio" op. 40, drei Duetten für 2 Soprane up. 41(wenn nicht in Stuttgart komponirt), vielleicht auch dieSolos" für das Pianoforte(ohne Opuszahl) und ohne Zweifel eine Reihe seiner besten Lieder für Männerchor.In allen den genannten Werken für Kammermusik entfaltet Kreutzer eine ansprechendeMelodik, einen gewissen Reichthum brillanter Figuration, die doch nicht allzu hohe An-forderungen an die Ausführender: stellt, und eine angenehme Abwechselung in denFormen, so daß sich diese Werke auch jetzt noch als recht angenehme Hausmusik fürDilettantenkreise empfehlen. Erhebt sich diese Musik auch kaum über das Gute derzeitgenössischen Meister zweiten Rangs, so ist sie doch durchaus tüchtig, gesund und jeden-falls ansprechend und fördernd. Kreutzer reiste von Donaueschiugen zunächst nach München ,wo er eure seiner Opern (Acsop in Phrygien"?) zur Aufführung brachte. Der Dank-barkeit und Pietät gegen den Fürsten Egon gab Kreutzer noch späterhin Ausdruck, indemer ihm daS Heft op. 78 (Würde der Frauen") und dieGesänge aus Goethes Faust"widmete. Unter diesem Titel gibt Kreutzer eine Art Faustmufik. Die Goethische Dichtungwird wie eine Art Singspiel, stellenweise säst wie eine Spieloper ernsten Charaktersbehandelt. Ein ^ckuglu von nur 30 Takten leitet die Tragödie ein; dann schweigt dieMusik, um erst wieder mit den Ostergesängen einzusetzen, die nichts weniger als strengkirchlichen Charakter tragen, aber auch keineswegs unwürdig, dabei äußerst sangbar undansprechend sind. Der Spaziergang bringt ein stimmungsvolles Bettlerlied, einen frischenSoldatenchor, dann das LiedDer Schäfer putzte sich zum Tanz." Während Kreutzerbis daher die Musik bescheiden hinter der Dichtung zurücktreten läßt, räumt er ihr vonjetzt an mehr Raum ein; den in sein Studirzimmer zurückgekehrten Faust läßt er dieWorte:Verlassen hab' ich Feld und Auen ec." singen, die Geisterchöre runden dieSzene ab. Die Scene in Arierbachs Keller bringt das Lied von der Ratte und dasdas Floh-Lied in ganz eigenartiger Auffassung. Gretchen ist von der Musik besondersreich bedacht, rechts als eine musik-umflossene, duftige Gestalt. Eine Reihe von Scenen(auf der Straße, in Grethchens Kammer, im Garten, am Brunnen, im Zwinger, vorGrethchens Thür), welche der Dichter für das gesprochene Wort bestimmt hat, kleidetKreutzer in Töne. Mit der Scene im Dorn und dein Dias irno schließt er ab. DieMusik steht nicht auf der Höhe der Dichtung, sie ist einfach und volksthümlich. Dieganze Auffassung, des Faust gemahnt an die Weise, wie sich Kreutzer in dem liebens-würdigsten seiner Werke gibt, imVerschwender". Von München wandte sich Kreutzer nach Wien . Am 4. Dezember 1822 brachte er dieromantische Oper Libussa" (Klavier-auszug ox. 48) zur Aufführung. Dieses Werk, welches über eine Reihe von Bühnstt

-') Die Bezeichnung op. 34 tragen auch dieWanderlieder" (1. Folge).Dieselbe Opuszahl trägt der Klavierauszug vornTaucher."