359
ging, machte Kreutzer zürn berühmten Mann und trug ihm die Stelle eines Kapellmeistersam k. k. Hofoperntheater (Kärntherthor-Theater) ein. Es folgten nun rasch aufeinanderdie Musik zu dem nordischen Märchen Sigune (1823), die ländliche Szene: „ErfüllteHoffnung" (1824), eine Hymne auf die Genesung des Kaisers (1826) und eine komischeOper: Die lustige Werbung." 1827 verließ der unruhige Geist Wien , um sein Glücki in Paris zu versuchen. Aber seine Oper „O'uau clo In zouvennnoo" machte dort kein^ Glück. Gerne kehrte er 1828 wieder in seine alte Stellung nach Wien zurück, die ihmdoch zum Mindesten eine sorgenfreie Existenz gewährte: er hatte 3000 fl. Gehalt und1000 fl. Bensfizantheil. Mit neuer Schaffenslust ging er hier ins Zeug; Oper folgtaus Oper („Das Mädchen von Montfermeuil", „Baron Luft", „Die Jungfrau", „DerLastträger an der Themse), bis er mit der von Grillparzer für keinen Geringeren alsBeethoven gedichteten romantischen Oper „Melusine" zum Josefstädter Theater übertrat.Für diese Bühne schuf er in glücklichem Wurfe seine Meisterwerke auf dem dramatischen! Gebiete: „Das Nachtlager von Granada " (1834) und die Musik zu Raimunds Zauber-' spiel „Der Verschwender." Der Form nach eine Oper,'ist der Sache nach das Nacht-, lager ein echt deutsches Singspiel in erneuerter und vertiefter Gestalt. Der unverwüst-^ liche Zauber und die nie versagende Anziehungskraft, welche diese liebenswürdige Operausübt, liegt viel weniger in dem „Dramatischen" der Musik, als in dem überraschendenReichthum an gemüthvoller, frischer Liedmelodie. Von der Musik zum „Verschwender"sagt W. A. Rieht mit Recht, in dieser Musik (man denke an das Hobellied l) zeige sichKreutzers Muse von der liebenswürdigsten Seite. Wohl schuf Kreutzer in Wien nochmanche Oper („Tom Rick" 1834, „Der Bräutigam in der Klemme" 1835, „Die Höhlevon Waverley" 1837, „Fridolin, oder der Gang nach dem Eisenhammer" 1837, „Die^ beiden Figaro" 1839), aber so wie mit dem „Nachtlager" glückte es ihm mit keinermehr. Daneben entstanden eine Reihe von Kammer- und Salon-Musikwerken und frischenH Liedern (eine Phantasie über eine Schweizermelodie kür Pianoforte op. 55, vierhändigeMärsche, eine vierhändige Sonatine op. 61, eine Poloimmo brillnnto für Pianoforteop> 67, 6 Phantasien für Pianoforte op. 76, ein vierhändigeS lionclonu brillant op>. 68:Lieder und Romanzen von Ludwig Uhland op. 60, 64, 70 und 76; „Waldlieder"»„3 Lieder von Julius Mansfeldt; endlich für den Männerchor: op. 80 „Sechs länd-liche Gesänge" von W. Müller; op. 85 „Sechs Quartetten", op. 88 „6 Lieder undChöre" von Stieglitz ; op. 98 „Tafelgesänge"; op>. 89 (?) „12 Gesänge von Peppert";vp. ? „Sechs Gedichts" von M. Hessemer). Das häusliche Leben des Meisters warnicht arm an Sorgen. Schon im Jahre 1824 verlor er das Weib seiner Jugend. Siehatte ihm am 21. Juni 1820 ein Tüchterchen Anna Wilhelmine Cäcilie geschenkt. InAnna von Ostheim (geb. 25. Febr. 1803) fand er eine zweite Gattin, mit welcher ersich am 1. Sept 1825 auf dem Rittergut Weiß-Oelhüttcn vermählte. Sie hat denGatten überlebt und seit 1853 bei dem Schwiegersöhne, Fabrikanten Winkler in Dresden ,eine neue Hcimath gefunden. Aüch sie schenkte dein Meister ein Töchterlein Marie (geb.4. Okt. 1828), das, wie das ältere Töchterlein, den Vater durch große musikalische Be-gabung erfreute, weßhalb Kreutzer Beide zu Sängerinnen ausbildete. Wie es kam, daßKreutzer, schon nahe den Sechzigern, seine so schöne und gesicherte Stellung in Wien aufgab und abermals auf Reisen ging, ist nicht aufgeklärt. 1839 legte er sein Amt> nieder und begleitete seine Tochter Cäcilie auf einer Kunstreise, um dieselbe in die Kunst-^ Welt einzuführen. Ein gütiges Geschick fügte es, daß Vater und Tochter schon 1840feste Stellung an einer und derselben Bühne gewannen, am Stadttheater in Köln . Hierfeierte er als Dirigent des 23. rheinischen Musikfestes einen herrlichen Triumph. In-triguen aber nöthigten ihn, schon 1841 den Dirigentenstab niederzulegen. Abermalsbeginnt das Wanderleben. Eine neue Oper, „Der Edelknecht", in welcher ein Einflußder Auber-Meyerbeer'schen großen Oper nicht zu verkennen ist, dirigirte er in Wiesbaden ,ohne daß dieselbe einen durchschlagenden Erfolg gehabt hätte. Ganz vergessend, daß fürihn die Lorbern auf dem Gebiete der gemüthvollen Liedweise und des echtdeutschen Sing-