Ausgabe 
(4.12.1880) 45
 
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spiels wuchsen, verlangte sein Ehrgeiz nach dem Beifall der großen Oper in Paris . Ertrat mit Scribe in Verbindung wegen eines Operntextes, reiste selbst dreimal nach Paris (1843, 1844, 1845), ohne einen wesentlichen Erfolg verzeichnen zu dürfen. In Gent dirigirte er eine seiner Opern, fungirte auch daselbst bei einem Sängerfest als Preis-richter. In Graz , wo wir ihn 1846 finden, ereilte ihn die Nachricht, daß die neuesteOper, welche der rastlos arbeitende Meister während des unruhigen Wanderlebens ge-schaffen hatte, dieHochländerin", vom Stadttheater in Hamburg znr Aufführung an-genommen sei; zugleich erhielt er die Aufforderung, selbst nach Hamburg zu kommen, dieOper einzustudiren und aufzuführen. Der glänzende Empfang, der in der alten Hanse-stadt dem 66jährigen Sängermeister bereitet wurde, die begeisterte Aufnahme, die seinWerk am 22. November 1846 fand, es war der letzte Sonnenblick auf seiner Künstler-laufbahn! Abermals setzte -er den Wanderstab weiter als Beschützer und Führer seinerzweiten Tochter. Sein Weg führte ihn nach Riga , wo seine Tochter am deutschenTheater Stellung gefunden hatte. Treulich wachte der besorgte Vater über seinem Kinde;in keiner Vorstellung, wo sie auftrat, fehlte der ehrwürdige Herr. Bei der UmarbeitungseinerHochländerin" und desKonradin von Hohenstaufen " sollen ihn Ahnungen desnahenden Feierabends überkommen haben. Am 14. Dezember 1849 ereilte ihn einSchlagfluß. Ferne der deutschen Heimath fand der deutsche Liedermeister seine letzteRuhestätte. Die deutsche Liedertafel zu Riga gab ihm das Ehrengeleits und sang anseinem Grabe. Daß der fleißige Meister nicht aufgehört hat zu arbeiten, bis der Todihm die Feder aus der Hand nahm, bezeugen die vielen Veröffentlichungen, die in seinenletzten Jahren erfolgten. Aus den beiden OpernDer Edelknecht",Die Hochländerin"erschienen mehrere Liederhefte op. 101,Sechs Gesänge",Das Schloß am Meer"<>1>. d, Zwei Lieder:Seelendrang",Das Lächeln unter Thränen" «zu ?, DreiDuette op. 114,Rastlose Liebe" c>p. ?Vier Lieder" op. ?,Zwei Lieder",Glöck-lein"; in der Süngerhalle:Einst",Jägerlust und Jägerlied" und 6 Charakterstücksfür Orchester unter dem Titel:LntrsacllaiS <>p. 110, die, weil glatt und leicht aus-führbar, sich für Dilettantenorchester empfehlen. Die Krone seiner Werke sind und bleibendie 134 Gesänge für den Männerchor. Seine Opern sind mit Ausnahme desNacht-lagers" fast vergessen. Was diese letztere Oper so frisch erhält und ihr immer wiederdie Liebe des Volkes gewinnt, ist der Reichthum an gemüthvoller Liedmelodie. SeineKammermusik, so viel Erfreuliches und Erfrischendes sie bietet, ist vielleicht auf die Seitegelegt worden. Denn so glatt und gefällig seine Sachen gearbeitet sind, die Formensind zu weit und zu groß, die Individualität vermag sie nicht ganz zu erfüllen. Woaber Kreutzcr wie beim Lied genöthigt war, die schaffende Phantasie beisammenzuhaltenund auf einen engen Raum zu konzentriren, da gelangen ihm wahre Kabinetsstücke.Die Stadt Meßkirch hat schon vor Jahren beschlossen, ihren Sohn durch ein würdigesDenkmal zu ehren, und sich mit der Bitte um Beiträge an die deutschen Sänger ge-wandt, die ja dem Meister so manche Weihestunde verdanken! Bis jetzt sind erst 4500 Mk.vorhanden; davon gaben die Bürger von Meßkirch allein 1000 fl., die Deutschen inNew-Iork 1600 fl>; das klebrige kommt meist von kleinen Vereinen. Mochten dieseZellen dazu beitragen, das Andenken an den liebwerthen Liedermeister aufzufrischen!

M i s c e l l e n.

(Patriotismus.)Meyer, wofür haste denn bekommen den Orden, was Dujetzt immer trügst." Meyer, will ich Dir sagen warum. Weil ich mir bei der Revolutionso gcforchten hab'."

Saphir sagt:Frauen und Lichter gleichen sich darin, daß beide oft für einenAndern brennen, von welchem sie geputzt werden.".

Für die Redaction verantwortlich: Alpbons Planer in Augsburg . Druck und Verlag deslitterarischen Instituts von Dr. M. Huttler.