365
Während Kotzebue's, Jffland's Stücke, Ballete, leichte Operetten außerordentlich gefielenblieb man den Werken Lessings , Goethe's Shakespeare's ziemlich abneigt. So hatteder vom eitlen Grafen Seeau im Jahre 1797 zur Aufführung gebrachte „Kaufmann, von Venedig* kein Glück. Im vierten Briefe des „dramatischen Briefwechsels* vonf Jak. Klaubauf findet sich folgende charakteristische Geschmacksschilderung eines zu Ende^ gehenden recht dunkeln Zeitalters und eines noch finstereren Kritikers: „Das Stück —
(„Der Kaufmann von Venedig ") —, das nicht mehr für den dramatischen Geschmack
paßt, verfehlte bei der Vorstellung seine Wirkung völlig — — — Shakespeare's Zeit-alter war von dem unseligen verschieden. Jenes war roh, unseres ist gebildet. —Wir verlangen nicht erschüttert, wohl aber gerührt zu werden." Man dachte hier alsoanders als wie zum Beispiel in Weimar , und diese Umstände machen es erklärlich, daßman unbekümmert über die Erfolge der ersten Schiller'schen Werke, nicht sehr daraufdrang, dieselben auch hier dargestellt zu sehen. Erst im Jahre 1799 — siebzehn Jahrenach der erstmaligen durchschlagenden Aufführung der „Räuber" in Mannheim — erschien^ ein Werk des großen Schiller auf der Münchener Hofbühne. Nicht „Die Räuber ", nicht
i „Don Carlos " wollte man hier zuerst sehen. Nach einem bürgerlichen Trauerspiele, die
ein dramatischer Geschüftsartikel geworden waren, wollte man sich Urtheile über dengroßen Dichter und seine Werke bilden.
Am 28. Mai 1799 wurde „Kabale und Liebe" in München zum erstenmaleausgeführt. Der Erfolg glich nicht demjenigen, welchen diese Tragödie in Mannheim und Frankfurt erzielt hatte; bei dem sozialen Mißbehagen, das man auch in der baye-rischen Residenzstadt theilte, gefiel aber doch der rechtschaffenen Bürgerschaft das diei höheren Stände in ihrer ganzen Verworfenheit historisch zeichnende bürgerliche Trauer-spiel außerordentlich. „Kabale und Liebe " erlebte bald nacheinander drei Wiederholungen,l Da jedoch der Werth des ganzen Stückes nicht gewürdigt werden konnte, wurde es auch
^ der große Dichter noch nicht. Die genialische Natur desselben wurde in München erst
! nach den Befreiungskriegen gebührend anerkannt.
Drei Jahre verstrichen bis man ein zweites Schiller'sches Werk aufführte. Der, nach Shakespeare frei bearbeitete „Macbeth " wurde am 4. und 9. März 1802 dar-gestellt. Noch im Juni desselben Jahres ging „Don Carlos " in Szene und am2. August 1803 „Maria Stuart ", welche drei Wiederholungen erlebte. Das nur„gerührt" sein wollende Publikum wurde einigermaßen erschüttert.
Gastspiele fremder Mimen hatten vorzugsweise die Aufführung dieser Trauerspiele! bewirkt; ebenso diejenige der Walle nst eint rilogie, welche in das Jahr 1804 in der
! Weise fällt, daß man am 4. April „Die Piccolomini", am 17. April „Wallensteins Tod ",
am 27. Mai „Wallensteins Lager" gab, worauf am 29. Mai „Die Piccolomini" und am1. Juni „Wallensteins Tod " wiederholt wurden, so daß die Trilogie in gehöriger Reihen-folge aufgeführt ward.
Das Münchener Publikum zeigte äußerst wenig Interesse an diesen großartigen Werke.„Ein großes Master wirkt NacbeiferungUnd gibt dem Urtheil höhere Gesetze —"
traf bei ihm nicht zu. Am Hofe und unter der übrigen Einwohnerschaft befand sich kein> auserlesener Kreis,
. „Der, rührbar jedem Zauberschlag der Kunst,
1 Mit leisbemeglichem Gesühl den Geist
f In seiner flüchtigsten Erscheinung hascht."
i Babo selbst sagte von den „Piccolomini", daß sie mit einem hohen poetischen Werth
! gar keinen dramatischen verbänden. So wenig Erfolg hatten die übrigen Werke Schiller's
j bisher erringen können, daß man von dieser Trilogie nichts erwartete und darum der
, ersten Aufführung fernblieb. Wie Dr. Franz Grandaur mittheilt, sollen nämlich die
, Einnahmen nach einem Ausweis der Kassabücher bei den „Piccolomini " nur 58 fl. 27 kr.,
bei „Wallensteins Tod " 81 fl. betragen haben, während die Ausgaben sehr bedeutendwaren. Mit den größten Summen nährte man italienische Prachtopern. Trotzdem brachte