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man im Jahre 1806, seit welcher Zeit das Hoftheater auch Nationaltheater heißt, aber-mals zwei Werke Schiller's auf die hiesige Bühne: „Der Parasit", der sein Glücknicht so sehr gemacht hat als „Tell", der schnell drei Wiederholungen erlebte und sichauf dem Repertoire erhielt. In welch geringem Maße aber auch dieses prächtige, lautersteFreiheitsliebe athmende Drama verstanden wurde, darum nicht besonders zünden konnte,erhellt daraus, daß noch im Jahre 1810 unter Delamotte dasselbe durch Streichung derRolle des Werner, Freiherr von Attinghausen, gekürzt wurde. Verse wie die:
„An's Vaterland, an's theure, schließ Dich an,
Das halte fest mit Deinem ganzen Herzen —"
zu streichen, erklärt genug die Gesinnung. Besser als das-Schauspiel „Wilhelm Tell "gefiel ein Ballet gleichen Namens, in welchem Philipp Tagliöni 1817 hier auftrat.
Auf Veranlassung des kunstsinnigen Kronprinzen, nachmaligen König Ludwig I. ,wurde am 27. März 1808 „Die Braut von Messina " zum ersten Male und zwarzum Besten der Wittwe Schiller's gegeben. Auf dem jetzt sehr vergilbten Theaterzettelwar zu lesen: „Da dem Geldertrag dieser Vorstellung eine, der vorzüglichen Theilnahmealler Kunstfreunde würdige Bestimmung gegeben worden ist, so bleibt das Abonnementaufgehoben." „Der Zweck dieser Vorstellung", berichtet Babo, „war allgemein bekannt,aber auf dem Zettel nicht näher angegeben, da man es höheren Orts für anständigerhielt." Die Einnahme betrug, das königliche Geschenk von 100 Gulden miteingerechnct,nahezu 500 Gulden. Bei der Wiederholung war das Haus ziemlich leer. Babo schriebdarüber: „Das Publikum hatte sich schon an der ersten Vorstellung satt gesehen. Soist es hier mit den sogenannten dramatischen Meisterstücken beschaffen; so erging-es auchWollenstem, Maria Stuart, Don Carlos und Tell." Madame Antoine, die Veteranindes Schauspiels, gab die — Donna Jsabella; Cannabich die — Beatrice; Kürzinger— Don Manuel; der wackere Stentzsch den — Don Cesar. Die Bemühungen dieserKünstler änderten nichts an der traurigen Thatsache, daß man nun einmal zu dem Höchstenzu wenig Empfänglichkeit mitbrachte. Das Publikum erfreute sich nicht am Verständigenund Rechten, doch ist später auch hier wahr geworden, was Friedrich Schiller in derVorrede zu diesem Trauerspiel mit Chören von dem Publikum schrieb: „Wenn es damitangefangen hat, sich mit dem. Schlechten zu begnügen, so wird es zuverlässig damit auf-hören, das Vortreffliche zu fordern, wenn man es ihm erst gegeben hat."
Wuchs auch die Theilnahme noch nicht 1811, in welchen: das umfassende Repertoiredurch Racine-Schillers „Phädra" bereichert wurde, so erzielte doch schon im nächstenJahre Schiller auf der hiesigen großen Bühne einen bisher beispiellosen Erfolg mit der»Jungfrau von Orleans". Schon vor der Umarbeitung für das Theater hatteauch die Münchener Intendanz gleich der von Berlin, Leipzig und Hamburg das Stückvon dem Dichter verlangt. Gleichwohl verstrichen 11 Jahre nach den ersten glänzendenAufführungen in Leipzig und Berlin , wobei die Besucher in Exstase gerathen sein sollen,bis man hier diese romantische Tragödie in Szene setzte. Wie gesagt war die Aufführungvon durchschlagendem Erfolg begleitet; so zündend war die Wirkung und so allgemeindie Begeisterung, daß die »Jungfrau von Orleans" noch in demselben Jahre dreizehn-mal wiederholt werden mußte. Nur Webers „Freischütz " erzielte später eben solchenErfolg. Die Titelrolle lag in den Händen der Dlle. Altmutier.
Während die Münchener nur noch von dem „Fiesko " zu erkennen gaben, was dieMannheimer darüber sagten, daß er ihnen nämlich viel zu gelehrt wäre, dachte manendlich auch daran „Die Räuber " auf die hiesige Hof- und Nationalbühne zu bringen.Im Jahre 1816 erfolgte deren erste Aufführung. Vespermann gab den Franz, Carlden Karl Moor. Erschütterte das Spiel dieser beiden Künstler nicht wie das Jffland'sund Böck's, so versetzten sie doch die Gemüther in fieberhafte Aufregung. Der späterberühmt gewordene, hier einige Zeit engagirte Mime Eduard Hermann brachte es 1820zuerst zu Stande, den Karl sowie Franz zu spielen. Ein Jahr zuvor befand sich unter