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„Äugslmrger postjertung."
Nr. 47. Samstag, 11. Dezember 1880.
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Bist du mit gestern zufrieden, bist du es gewiß auch mit morgen, wenn du nur heutenicht eher ruhst, bis du etwas Gutes gethan hast. A. Münde.
Die Vlitine von Geitau.
Eine Episode aus dem Kriege vom Jahre 1866 von Stein.
(Fortsetzung.)
So lange als wir diese Gruppe betrachteten, konnte es Leni nicht aushalten, undmit einem freudigen Ausrufe „Franz!!" stürzte sie in den Garten, und lag in den Ar-men ihres Geliebten. „Js wirkli wahr, Leni, bist es, oder is Dei' Geist — na Dubist es wirkli, Deine guat'n Aug'n, Dei G'sichtl, ja sie sans, grüaß di Gott tausendmal,und Dei' Vota is a da, i verwoaß mi ja gar nimm« vor lauter Freud, weil i no enkwieder hab, und schau dös hat g'wiß alles unser guate und brave Fräula so g'macht,ja wie kann i dös Alles amol guat macha — schau Kamerad, wendete er sich an denim Rollwagen sitzenden Jaroczyn, der init Thränen in den Augen die Scene betrachtete— „schau Kamerad, dös is mei' Leni, die amol mei guats bravs Weib wird, da schau,da schau, o mei, und der arm Narr versteht no nit alles, aber do woaß er's wie's mir,und uns alle um's Herz is." — Freudig erregt reichte Jaroczyn Leni und ihrem Vaterdie Hand, und in seiner Muttersprache vermischt mit dein Deutsch, das er bisher vonFranz! gelernt hatte, rief er: „ alc siä innso Grüß Gott brav Kamerad brav BayerFrnnzel, ich auch wieder gesund werd, und bei ihm bleib." „Ja,tz sagte Franzl, Dugehst mit uns hoam in unsere Berg, und derfst nimma von uns fort, so lang mir'sLeben hab'n. Jetzt trink aber Dein Saftl, dös Dir d'Schwester Veronika scho langbracht hat, aus der Leni und unser aller G'sundheit, und aus'n Köni von Boarn und Preuß'n,mir sän ja jetzt alle Freund, und nix bringt uns mehr auseinanda." — Dann gingserzählen an von all den Ereignissen während des Krieges, vom Kampf am Kirchhof inKissingen , von der Verwundung Franzl's, von der Bekanntschaft mit Jaroczyn und end-lich von der theilnehmenden und liebevollen Pflege der Fräulein Helene, die so innigenAntheil am Schicksale des braven Altbayern hatte, und die eigentlich die Veranlassungzu dem heutigen freudigen Wiedersehen war.
Nachdem so unsere Freunde sich einige Zeit ihrem Glücke hingegeben hatten, wolltesich Fräulein Helene das Vergnügen nicht nehmen lasten, den alten Eckardbauer undseine schöne Tochter auch in ihr elterliches Haus, wo man bereits die romantische Ge-schichte des Liebespaar kannte, zu führen, und nach herzlichem Abschied, und dem Ver-sprechen bald wieder zu kommen, verließ die Gesellschaft das Lazareth.
Im Hause des alten Freiherr» wurden nun die Reisenden mit herzlicher Freudeaufgenommen, und derselbe war bald in bester Kameradschaft mit dem biedern Gebirgsbauern,da sie von den alten Zeiten und den Fcldzügen in dem Jahre 1812 die sie beide mitmachten,bei einem Glase Wein sich viel zu erzählen hatten, während Fräulein Helene ihreFreundin, mit der sie nun schon ganz vertraut war, in die geschmackvoll einaerichteten