Ausgabe 
(11.12.1880) 47
 
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und viel Vergnügen fund das Fräulein an dem heitern treuherzigen Wesen dieses Natur-kindes, wie sie von den Tagen erzählte, in denen sie ihre Freundin Lein zu tröstenhatte. Wenn sie dann Abends Herabstiegen von den Bergen, so blieb Fräulein Helenenoch lange stehen, und lauschte auf die silberhellen Töne, die ihnen Nesei noch nach-schickte, und die mit einem weithin hallenden Juhschrei als Abschiedsruf aus der Fernewechselten, und wie ein Lachen des Berges durch die Lüfte tönte. Da gabs denn nundes Abends ein Erzählen von all den Herrlichkeiten der Natur, und der prachtvollenAussicht in die fernen Berge und Gletscher und hinaus in das unendlich weite Flachland.Abwechselnd mit solcher Unterhaltung mußte dann Franz! seine Cither hervorholen, undLeni zu ihren heitern Gebirgsweisen und Schnaderhüpfeln begleiten, und nicht seltenschloß ein Tänzchen oder gar ein Schuhplattler, der unserm Jaroczyn viel Spaß machte,diese Abendunterhaltungen.

Allmählig rückte der Hochzeitstag immer näher, und schon begann der geschäftigeHochzeitlader sein wichtiges Amt, die Verwandtschaft und Freundschaft beider Familieneinzuladen. Hier hatten nun unsere fränkischen Freunde einmal Gelegenheit eine Hoch-zeit wie sie unter dem Landvolk in der oberbayerischen" Gebirgsgegend gefeiert wird, undwovon sie schon so vieles gehört und gelesen hatten, so recht mitanzusehen und selbstmitzufeiern.

An einem Samstag vor dem Hochzeitstag, welcher letzterer wie herkömmlicherweiseauf einen Dienstag festgesetzt wird, saß Jaroczyn vor dem Huberbaucrnhause mit demFreiherr» plaudernd und beide weideten sich am Anblick des schönen Laizachthales undan der romantischen Gegend wo das letzte Dörflein Bayerns, Bayrischzell mit seinenSpitzthürmchen aus grünem Grunde den Wanderer grüßt, dem Dörflein, das auf dreiSeiten von himmelhohen Bergen umschlossen ist als sie plötzlich in der Ferne mehrereGewehrsalven hörten und gleich darauf auch ein munteres Juchzen von den nahen Häu-sern Fischbachau's vernahmen. Franzl in seinem Feiertagsgewand kam eben zur Hau-gthüre heraus, als ihm seine Mutter, welche auf der Laube von ihren noch blühendenBlumenstöcken einen mächtigen Strauß band, zurief, er möge sich beeilen, der Kuchel-wagen der Braut komme schon die Anhöhe herauf.

Ein Stück alter Volkssitte sollte hier der Freiherr und Jaroczyn sehen, es kam' jaheute der Braut- oder Kuchelwagen der reichen Gschwendtnertochter mit ihrer vollkom-menen Anssteuer in das Haus ihres Bräutigams, in ihre zukünftige Heimath. Ein mitvier stattlichen Braunen bespannter Wagen kam langsam die Straße von Fischbachau daher, kunst- und geschmackvoll beladen mit der Aussteuer der Braut, mit Kästen, Tischeund Stühle, mit großen Schränken voll von Stücken schönster Leinwand, geziert undunwunden mit rothen und blauen Bändern, obenauf die großen Brautbetten mit einemCrucifix und den Namenspatronen des Brautpaares, und all diese reichlichen Anfertig-ungsgegenstände waren sinnreich mit Blumen und Kränzen geziert und umwunden, oben-auf aber thronte der schönste Schmuck den Franzels Hausstand zieren sollte, -- Leni, dieliebliche Blume von Geitau, mit dem zierlichen Spinnrad, dessen Gupf mit Flachs be-steckt, und mit Bändern reichlich verziert war, das Symbol hausfraulicher Ehremunter winkte sie den Gästen zu, die diesen ihnen noch unbekannten Volksbrauch stau-nend und freudig betrachteten. Unmittelbar hinter dem Kuchelwagen kam die Näherindie eine stattliche Kuh führte, deren Hörner ein mächtiger Kranz umgab und die einehelltönende Glocke trug. Es ist das ein Ehrengeschenk des Vaters der Braut, so willes der Brauch wohlhabender Leute.

Dem Kuchelwagen folgte der Geschwendner mit seinem leichten Gespann und derAlte sah ganz jugendlich aus neben seiner schönen Nachbarin, die lustig plaudernd ihrKöpfchen, welches das grüne Miesbacherhütchen bedeckte, zu ihm hinneigte. Lange wuß-ten die Gäste nicht, was für ein sauberes Deandl der Alte mitbrachte, bis endlich derFreiherr in der neuen Geitauerin sein lustiges Töchterlein erkannre, welches die länd-