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-- Dieser Zug ist nun glücklich fort, in 2 Stunden kommt ein anderer, und da blühendem Herrn Expeditor wieder dieselben Annehmlichkeiten.
Wie denn stets der ganze Hof an dem Pater Abraham reiben mochte, so hatteman auch einmal eine große Jagd veranstaltet, der auch der Pater Abraham beiwohnensollte. Die Einrichtung war so getroffen, daß unmittelbar nach Beendigung der hl. Messe,welche Pater Abraham selbst lesen sollte, die Jagd ausziehen sollte. Es mußte also vorBeginn der Messe gefrühstückt werden. Als das Frühstück servirt war, setzte sich PaterAbraham ganz unbefangen mit an und ließ es sich wohl schmecken. Nach Aufhebungder Tafel ging's zur Kirche, und Pater Abraham verfügte sich zum Altare, woselbst erin dem Missale blätterte und blätterte, aber zu keinem Anfang der hl. Messe schritt.Endlich wird der Kaiser ungeduldig, sendet einen seiner Höflinge zu ihm und ließ fragen,ob denn die hl. Messe bald anginge. „Sogleich, sogleich," ließ Pater Abraham zurück-sagen, „aber er könne die Messe gar nicht finden, die nach dem Frühstück gelesen werdenmüsse."
(Rückfällig.) Der Bauer Michel wird zum Herrn Doktor nach der Stadtgebracht, weil er sich den rechten Arm ausgefallen hat. Durch eine schmerzhafte Operationrenkt der Doctor den Arm wieder ein, legt einen festen Verband an und entläßt denPatienten mit der strengen Mahnung, ohne Aufenthalt nach Hause zu fahren. — GegenMiitcrnacht wird an der Nachtglocke des Doktors heftig geschellt und man bringt denBauern zum zweiten Male. „Was ist denn schon wieder los?" fährt der Arzt denMichel an. — „Er ist wieder 'raus, Herr Doctor!" entgegnete dieser. — „Ja wie istdenn das zugegangen?" — „Ja, schau'n S' Herr Doctor, als wir durch's nächste Dorfg'fahr'n sän, da war in der Schänke g'rad' die schönst' Rauferei, und da hab i' nctanders könnt, als mit d'reinschlag'n — und dees hat halt's Verband! net ausg'halt'n!"
(Ein frommes Gebet.) Pfarrer: „Aber Hans Jörg, Ihr seid von EuremWeib verklagt wegen Glcichgiltigkeit und Vernachlässigung Eurer eigenen und EuresWeibes zeitlichen und ewigen Wohlfahrt. Sagt mir einmal, wie haltet Jhr's denn mitder Sorge für's ewige Heil?" Hans Jörg: „Joa, da bet' ich all' Tag für mein Weib,daß sie keine Wittfrau wird."
(In der Zeit der Leichenv erb rennung,) Zimmerherr (der ein Bouguctin's Wasser stecken will): „Puh!! ist da aber ein Staub in der Vase!" Hauswirthin(dazukommend): „Ach, du grundgütiger, allbarmherziger Himmel, das war ja mein gutereliger Mann!"
Nun rüstet allmälig sich wiederZum Winterschlaf die Natur,
Der Löget melodische LiederVerstummen in Wäldern und Flur.
N e r b st st i rn m u n g
Doch mich nur ergreifet sie nimmerDie Stimmung fo düster und trüb,
Weil freudig durchwärmend ein SchimmerIn Nebel und Kälte inir blieb,
Und Nebel die Sonne umdüsternKalt sauset ein herbstliches Weh'n,
Die neidisch durch grünende RankenDer Sommer dem Auge entrückt,
Die traulichen Scheiben, die blanken,Nach denen so gerne es blickt —
Die Bäume mit traurigem FlüsternIm farbigen Laubgewand steh'».
Nn'S Scheiden scheint Alles zu mahnen,An Welken, Vergessen und Schmerz,
Es zuckt wie provhetijches AhnenSo Manchem wohl bange durch's Herz.
Nach denen herzinniges GrüßenZu senden mich's oftmals gedrängt,
Bkeil licht jenen Raum sie verschließenDer wohnlich mein Liebstes umfängt.
Sie werden von laubiger HülleIn Bälde nun wieder befreit,
D'rum freu' ich mich heimlich und stilleDer stürmischen, herbstlichen Zeit.
Marie Sidonie Purschke.