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Nv. 48. Mittwoch, 15. Dezember 1880.
Schwer wird den Dienenden dieses Leben des Arbeitcns und Sorgens sür Andere, wenn keinSonnen blick der Liede, kein herzliches Anerkennen anf ihre nrbeitsoollen Tage jäUl.
Friederike Bremer.
Die Blume von Geitau.
Eine Episode aus dem Kriege vom Jahre 1866 von Stein.
(Schluß.)
Es war einer jener lieblichen Septembermorgen, an dem die milchweißen Nebelüber den Thälern liegen, welche, wenn sie gleich fliehenden Elfen, allmählig in die stei-nernen Klüfte der Berge verschwinden, jene Tautropfen auf Wiesen und Auen zurück-lassen, die wie Diamanttropfen im Glänze der aufgehenden Sonne schimmern. Noch schiendie Natur im Halbschlummer zu liegen, als man schon dort und da in den zerstreutliegenden Höfen Geitau's ein rühriges Leben bemerkte, wie wenn sich alles zn einembesonderen Feste schmückte. Die Büuerinen in ihrem Fesigewande meist von schwarz oderdunkelbrauner Seide, den großen silbernen Rosenkranz und das in Sammt oder Safiangebundene Gebetbuch in der Hand, die jungen Mädchen und Kranzljnngfern der Braut,die junge Vartenhauser Nesi an der Spitze, das güldene mit Perlen verzierte Kränzchenin den dick geflochtenen Zöpfen, gehalten von einem silbenen Pfeil, -- die zur Hochzeitgeladenen jungen Burschen und Freunde der beiden Familien, kurz Alles, versammeltesich schon früh 8 Uhr im Hause der Braut, wohin auch bald der Bräutigam mit seinenGästen, und Jaroczyn als besonders erkorner Brautführer in seiner preußischeil Uniform,geschmückt mit seinen militärischen Ehrenzeichen kamen. Nach der eingenommenen üblichenMorgcnsuppe und nachdem die Braut „ausgedankt" war, d. h. in einem vom Hochzcits-sader gehaltenen Spruch der Abschied derselben aus dem väterlichen Hause, und derDank für alle von den Eltern bisher erhaltenen Wohlthaten mit großer Rührung ge-bracht wurde, ging es nun in die mit Blumen und Kränzen geschmückte Kirche nach Fisch-bachau, und rührend war es, als Jaroczyn mit seinem Stelzfuß, doch immer der strammePreußische Soldat, dem aber heute aus Freude die Augen voll Wasser waren, die schönejungfräuliche Braut zum Altar führte, während Franz! unmittelbar darnach diesen Ehren-gang, geleitet von den Kranzljnngfern Fräulein Helene und Nesei, antrat. Nach derTrauung, die der würdige Pfarrer mit einer schlichten Anrede, in welcher er gar rührenddas Schicksal beider Kameraden hineinslocht, einleitete, folgte das feierliche Hochzeitamtwonach sich der Zug unter fröhlichem Jauchzen und Böllerschüssen in das Gasthaus nachMarbnch, dem alten Edelsitz der Familie von Hafner bewegte.
Bald ging's nun auch, wie es eben im Gebirge der Brauch ist, zum Tanze, wel-cher schon nach dem Umgang der ersten Gerichte begann, und unsere fränkischen Gästekonnten sich nicht genug ergötzen an dem originellen Schuhplattler, den die jungen Bur-schen mit ihren Mädchen mit großer Virtuosität und Gewandtheit tanzten. Auch Främlein Helene, die wieder reizend in der Gebirgstracht aussah, willigte mit Freuden in die