Ausgabe 
(15.12.1880) 48
 
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schüchterne Einladung des jungen Bartenhauser Resei's Bruder, mit ihm auch am Schuh-plattler sich zu betheiligen, was bei den anwesenden Burschen mit großer Freude auf-genommen wurde, und mancher »ahm sich jetzt auch den Muth, das schöne Stadtfräuleinum einen Tanz zu bitten. Der flotteste Tänzer aber unser Franzl saß in ernster Ge-sellschaft zwischen dem Freiherrn und Jaroczyn, war es ja ihm als Bräutigam nicht ge-stattet, vor dem Ehrentanz sich am Tanzvergnügen zu betheiligen, so heischt es die Sitte.Jaroczyn, der täglich Forschritte in der deutschen Sprache machte, erzählte so weit esging, in der von Franzl ihm beigebrachten Sprachkenntniß, halb hochdeutsch, halb altbay-risch, wobei auch manchmal polnische Worte einflossen, namentlich wenn er in Extase kam,von seinen Affairen in Schleswig-Holstein , von seiner Heimath, und trug somit auch vielzur Unterhaltung der Nichttanzenden bei.

Es würde zu weit führen, wollten wir alle die Gebräuche einer ländlichen Hochzeitim Gebirge schildern, das Weisen, das Abdanken, der Ehrentanz; alle diese schönen undrührende. Momente sind schon oft und vielmals geschildert worden.

Spät in der Nacht war es, als das Brautpaar geleitet von den Segenswünschender ganzen -Gesellschaft den Nachhauseweg bei Fackelschein und lustiger Musik antrat.Weithin in die Berge schallte daS-Echo der Böllerschüsse, und die dazwischen helltönendenJuchzer wurden von den dunkeln Bergen herab erwiedert, wußte ja so manche dort obennoch einsam weilende Almerin, daß es ihrer Freundin galt, und wenn sie auch nichtselbst am Feste Antheil nehmen konnte, so wollte sie doch wenigstens auf diese Art ihreTheilnahme am Glücke der Blume von Geitau Ausdruck verleihen.

So war nun Leni das glückliche Weib Franzls, und wirthschaftete auf dem schönenHuberhof als wohlhabende Bäuerin, während sich die Eltern ihres Mannes ein kleinesHäuschen am Fuße des Birkensteigs, da wo das Wallfahrtskirchlein der Muttergottessteht, kauften, und dort im Austrage ruhig und zufrieden über das. Glück ihrer Kinderlebten. Jaroczyn, der seine preußische Montur längst mit der grauen Gebirgsjoppe ver-tauschte, sehen wir im grünen Hut mit der Spielhahnfeder, im Garten und Haus herum-stelzen und er hat nur einen Schmerz, nicht auch Kniehös'ln tragen zu können, da derArme nur noch das eine Knie hatte. Er hilft aber wacker in Haus und Hof, schneidetDachschindeln, und singt beim Daxenhauen manch lustige Schnaderhüpfel, welches er stetsmit einem mißglückten Jodler schließt, wobei er jedesmal von der muntern Leni, die ihmdann aber getreulich immer nachhilft, weidlich ausgelacht wird,

So unter fröhlichem Schalten und Walten ging die schöne Herbstzeit zur Neige,und da die grauen Nebel schon ansingen, die Häupter der Berge zu umhüllen, dachtenauch unsere fränkischen Freunde an die Heimkehr, und mit wehmüthigem Gefühle sahenLeni und Franzl die Koffer und Kisten zur Abreise gepackt.

Noch einmal lächelte eines Morgens die herbstliche Sonne ins liebliche Aurachthal,als der Postanderl in seiner Galamontur mit der Postchaise vor dem Gschwendtnerhofin Geitau hielt, wohin bereits in früher Morgenstunde das junge Ehepaar FräuleinHelene begleitete. Wie bei der Ankunft ließ sich's Franzl nicht nehmen Fräulein Helenemit seinem leichten Gefährte zur Bahnstation zu fahren, während Jaroczyn und Leniim Wagen des Freiherrn Platz nahmen.

Wir übergehen die letzte Stunde des Abschiedes, und nur das Versprechen imnächsten Jahre sich wieder zu sehen minderte den Schmerz der Trennung. Nicht mehrso lustig erklangen die Töne des Posthorns als die Reisenden am Neuhaus vorüber-fuhren, und dort wo man um die Ecke bog, wurde nochmal angehalten, und dem imGlänze der Morgensonne leuchtenden Wendelstein das letzte Lebewohl gesagt.

Allzu schnell erreichte man die Bahnstation, und das nicht aufzuhaltende Dampfroßentführte die lieben Gäste, denen die drei Zurückgebliebenen noch lange nachwinkten, bissie ihren Blicken entschwunden waren.

Der Winter war nun schon längst mit aller Macht in die Berge eingezogen, unddie weiße Schneedecke lag auf den Auen und Wiesen, und ernst schauten im Scheine der