Ausgabe 
(15.12.1880) 48
 
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der Bitte, den Markgrafen Leopold heiligsprechen zu wollen. Jnnocenz erklärte sichhiczu bereit, aber die Erfüllung aller Borschriften, die bei einem solchen Ausspruche inBetracht kommen, beanspruchte viel Zeit und Arbeit, über welcher Rudolf und Jnnocenzstarben. Wieder ging mehr als ein Jahrhundert hin, bis unter Jnnocenz VII'. am6. Januar 1485 ein feierliches Consistorium, in welchem Franz von Pavia eine Redefür die Heiligsprechung Lcopold's hielt, den frommen Markgrafen in die Zahl derHeiligen einreihte und den 15. November zu dessen besonderer Berehrung festsetzte.

Im Jahre 1486 brach König Mathias von Ungarn mit seinen Heerhaufen inOesterreich ein, lagerte vor Wien und eroberte am 21. August 1487 Klosterneuburg ,das unter dem barbarischen Gemetzel, das die Feinde anrichteten, furchtbar litt. Aufdiesen qualvollen Tag folgten Schrecken über Schrecken. Der Friede zwischen Kaiserund König war nie von Dauer, und Klosterneuburg blieb bis zu Mathias Tode unterungarischer Botmäßigkeit und von ungarischen Truppen besetzt, welche erst Kaiser Maxi-milian aus den Mauern und Bollwerken der damals gut befestigten Stadt vertrieb.

Nachdem dieses Bcfreiungswerk vollbracht war, wurde die längst geplante ErhebungLeopold's aus seiner unterirdischen Ruhestätte beschlossen. Kaiser Maximilian ertheilteam 20. Juni 1486 von Worms aus an seinen Statthalter und seine vier Räthe zuInnsbruck den Befehl, binnen zwei Jahren 90 Mark Silber aus der JnnsbruckerSchmelze an den Propst zu Klosterneuburg zu liefern, damit aus dem edlen Metalle einSarg für den heiligen Leopold angefertigt werden könne.

Elf Jahre später, am 15. Februar 1506, fand unter dem Zulaufe unzählbarenVolkes mit unerhörtem Gepränge die Erhebung Leopold's statt. Von Rom waren eigeneVorschriften erlassen worden, wie das Fest zu begehen sei; an die Geistlichkeit, an denAdel, ail das Volk ergingen Einladungen, bei der Feier zu erscheinen. König Ladislausvon Ungarn ordnete an, daß die Verkündigung derselben in seinem ganzen Reiche statt-finde, und die Kirchenfürsten von Salzburg und Passau befahlen allen Geistlichen ihrerDiöcesen, bei den: Feste zu erscheinen, an dem sie selbst, der Bischof von Gurt, 27 in-fulirte Prälaten und eine ungezählte Schaar von Priestern und Clerikern sich betheiligten.Hinter dem silbernen, mit Gold geschmückten Sarge schritt Kaiser Maximilian im erz-herzoglichen Ornate, die Krone auf dem Haupte, einher; ihm folgten der Herzog vonJülich und Eleve, der gesammte österreichische Adel in prangendem Schmucke und vielevornehme Gäste aus fremden Ländern. Das Volk hatte sich in solchen Massen hebzu-gedrängt, daß man auf allen offenen Plätzen der Stadt Zelte aufschlagen mußte, indenen trotz der Winterkälte die Menschen in Schaaren campirten.

Der kostbare Sarg, in welchem die Gebeine des Markgrafen an dem Tage derErhebung gelegt worden waren, blieb nur bis 1520 erhalten. Nach Maximilian's Todewurde er, wie die Chronik berichtet, von den sogenanntenösterreichischen Regenten" ausKlosterneuburg weggeführt und eingeschmolzen, worauf das Stift auf eigene Kosten einenandern Sarg anfertigen ließ.

Im Jahre 1663 wurde auf Befehl Ferdinand's III. der Festtag des heiligenLeopold zum Feiertag erhoben und der fromme Markgraf zum LandeS-Patron vonOesterreich bestimmt. Der Kaiser erklärte, bei diesem Feste alljährlich in dem Stifteerscheinen zu wollen und ordnete an, daß ihn der Propst allezeit hiezu einzuladen habe.Diese Anordnung wurde selbstverständlich strenge eingehalten und dem Beispiele desKaisers folgte das, ganze feiertäglich geschmückte Volk. Dem Donaustrome entlang, vondem linken Ufer drüben, aus den waldigen Thälern im Westen, über die Berge undHügel herüber kamen sie zu Tausenden und Tausenden Jahr um Jahr gewandert, uman dem Festgepränge theilzunchmen. Und selbst heute noch, wo in dieser Richtungkühlere Anschauungen sich geltend gemacht haben, hält die Poesie vor, die über der Ge-schichte und dem Leben des frommen Markgrafen und über der-Gründung des Klostersam User der Donau schwebt. Noch immer ist die Pilgerfahrt am Leopoldssest in Uebung,und noch immer trägt sich das Volk mit der reizenden Sage von dem Schleier der