Fürstin, der neun Jahre unversehrt in den Wipfelästen des Baumes hing, unter demMarkgraf und sein Jagdgefolge, von der wundersamen Fügung tief ergriffen, anbetendzur Erde sanken. Die Geschichte hat längst festgestellt, daß die neun Jahre nicht mitden urkundlichen Zahlen und Daten stimmen; aber das Volk und seinen Sagenglaubenkümmern solche Dinge nichts. Es ist sich bewußt, daß Erinnerungen voll milden Klangesihre Fäden zwischen der Burg hoch oben auf dem Gipfel des Kahlenberges und demStifte unten im Thalgrundc spinnen, und es fühlt, daß es sich dieser Erinnerungen theil-haftig macht, wenn es am Morgen des 15. November hinauswandert zum Feste desheiligen Leopold.
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Die Alpenrose.
Hoch auf dem Berg, im braunen Moose,Bon Eis umglänzt und halb verschneit,Blüht still emvor die Alpenrose:
Ein süß Gedicht der Einsamkeit.
Der lauen Frühlingslüfie FächelnKüßt ihre jungen Blätter nicht;
Sie steht wie ein Verlornes LächelnIm starren Felsenangesicht.
Die kalten Gletscherwände steigenAntbürmend mächtig estück für Stück.
Und unbemerkt in ew'gem schweigenWächst sie wie ein verschwiegen Glück.
O selig der, dem wohlgeboren,
Im oft durchkosteten Gemüth,
Hoch über allen ErdensorgenSo eine süße Blume blüht!
Feodor Löwe.
M i s e e l l - n.
In der Zeit, als Viele von der französischen Kolonie zu Berlin noch sehr wenigdeutsch sprechen konnten, hatte einer von ihnen dem damaligen Staatsminister, Freiherrnvon Fuchs Etwas vorzutragen; weil er aber nur die Straße wußte, wo der Ministerwohnen sollte, so fragte er eine Schildwache, die er vor einem großen Hause stehen sah t„Siltewa, wo wohnt stk Monsieur, ab sik Schwans von der Länk?", wobei er denZeigefinger der linken Hand auf das Ellenbogen-Gelenk des rechten Armes legte, umso ungefähr die Länge eines Fuchsschwanzes anzudeuten. Der Soldat verstand Nichts.Der Franzos wiederholte die Frage so: „Wo wohnt sik Monsieur, ab sik Schwans vonder Länk, is sik Krosrath bei die Kurfürz, lauf sik in die Kompagne und friß die Kikerlkü?"— „Vielleicht suchen Sie den Herrn von Fuchs?", erwiderte der Soldat, „der wohntin diesem Hause." — »Oui, vui, oui/- rief der Franzose vor Freuden, „Wuks, Wuks,Wuks."
Daß Kinder als Eilgut versendet werden, mag wohl auch nur in Amerika vorkommen. Ein elfjähriger Knabe, Namens Casey Pemmel, kam, mit einem Bagage-zeichen dekorirt, als Eilgut in Phiadelphia an) wohin ihn seine in Kansas wohnendenEltern an Jsaat Vuzley geschickt haben. Der Bagagemeister gab Quittung für ihn, wie,für eine Kiste. Eine kleine "Tasche, in der Geld befindlich, hatte der Knabr umgehängt,und wenn der Bahnbeamtc seinem ihm anvertrauten Gute etwas zu essen kaufen wolltenahm er das Geld aus dieser Tasche und schrieb in ein ebenfalls darin befindliches Buch,wie viel er verausgabt hatte. So reiste der Knabe 1800 engl. Meilen ohne h,en ge-ringsten Unfall.
Ein Offizier hörte seinen Burschen im Nebenzimmer nach Mitternacht seufzend sagen:„Hätt' ich doch nur ein Glas Wasser, um meinen brennenden Durst zu stillen!" —„Johann!" rief der Offizier. „Was befehlen der Herr Lieutenant?" — „Geh' schnellhinunter und hol' mir ein Glas frisches Wasser, ich habe gewaltigen Durst." Verdrießlicherhob sich der Bursche vorn Lager und ging. Mit dem vollen Glas kam er zurück undüberreichte es seinem Herrn, welcher darauf sagte: „Nun trink' und lösche deinen Durst,und dann leg' dich wieder schlafen, du fauler Kerl!"
(Aus dem Examen.) Professor: „Was ist das Auge?" — Junger Mediziner.„Das Auge ist, wenn man zu tief hineinschaut, oftmals gefährlich."