nterkaktllngsökatt
zur
.,Filgsbmger Postjeitmg.
Nr. 49.
Samstag, 18. Dezember
1880.
Tritten des Wanderers über den Schnee sei ähnlich dein Leben;
Es bezeichne die Spur aber beflecke sie nicht. Herder.
Die rechte Kühne.
fllovelle von Jenny Bach, Verfasierin von „Tannenburg" rc.
(Nachdruck verboten. Gesetz vom 11IV. 70,)
i.
In kein weiten, im steifen, düstren Geschmack des achtzehnten Jahrhunderts aus-gestatteten Gemach eines alten Kaufmannshauses der Stadt Frankfurt an der Oder gingeine stattliche Dame zwischen fünfzig und sechzig Jahren voll Unruhe auf und nieder.Es war die Wittwe des vor fünf Jahren verstorbenen Kaufherrn Johann Heideker,des Inhabers der alten Handelsfirma Heideker und Heideker, welche sich durch alle diebösen Kriegsjahre des schlesischen und siebenjährigen Krieges hindurch festen Kredit undeines der ersten Häuser für den Binnenhandel erhalten hatte. Die großen Waarenlagerund Gewölbe des untern Stockes wurden niemals leer, und die Oderschiffe und Fracht-waaen, welche die Waaren weit über die Grenze beförderten, waren ohne Zahl undmehrten sich nun, da das Land wieder im Frieden und der große Friedrich II. so vielthat, den Handel zu heben, mit jedem Jahre.
Frau Katharina Heideker, geb. Heideker, war wie gesagt eine stattliche Frau, unddie kleidsame Tracht der damaligen Zeit: der weite Schlepprock, die feste, mit einemschwarzen Seidentuch nur halb verhüllte Taille, die schwarzen Spitzen auf den künstlichfrisirten Locken dienten dazu, ihre Erscheinung noch imposanter zu machen. Doch trotzihrer straffen Haltung und dem lebhaften Blick ihres blauen Auges lag etwas in demedel geschnittenen Antlitz Frau Katharina's, welches verrieth, daß an ihr das Leben nichtimmer voll Milde und Glück vorübergegangen war. Und hätte ein Fremder eine der-artige Bemerkung ausgesprochen- so würde ihm jeder alte Frankfurter geantwortet haben:„Damit habt Ihr nicht unrecht, mein Lieber; denn wer als junges Mädchen seinenEltern mit einem leichtsinnigen Lieutenant entläuft, enterbt wird, dann nach acht Jahrenden Mann durch Zweikampf verliert und während zweier Jahre in Hunger und Kum-mer drei Kinder von fünfen ins Grab sinken sehen muß, der kann wohl sagen, daß erdes Lebens Noth kennen gelernt, auch wenn er später noch eine Frau Heidecker wird,"
Und so war es. Frau Katharina Heideker, geb. Heideker, verwittwete Lieutenantvon Litten, hatte keine leichte Vergangenheit hinter sich; und die Erinnerung an all dasbittere Weh ihrer Jugendjahre mochte wohl noch oft die spätere Ruhe äußeren Glücksan der Seite ihres zweiten Gemahls und Cousins verbittert haben und ihrem Mundjenen Zug herber Strenge verliehen, welcher starken Naturen oft durch die Hand desKummers und Unglücks aufgeprägt wird. Sie hatte, wie oben bemerkt, nur noch zweiKinder aus ihrer ersten, unglücklichen Ehe mit in das elterliche Haus, dem damals nurnoch ihr Cousin und Gatte mit seinem Bruder als Leiter Z rstand, zurückgebracht: ihren