Ausgabe 
(21.4.1883) 32
 
Einzelbild herunterladen

254

jeden jungen Edelmann:Vulot" zu nennen, welchem noch nicht der Ritterschlag er»theilt war.

Das erste Kartenspiel mit 52 Karten in Frankreich war das kiqust-Spiel;allerdings haben seit jenen Zeiten die Karten in ihrer Form gar manche Abänderungerlitten, trotzdem aber sind die französischen Spielkarten in der Hauptsache: Eintheilungund Werthordnung dieselben geblieben, wie ehedem.

Was nun unser deutsches Vaterland betrifft, so waren die Spielkarten dort bereitsim ersten Viertel des 14. Jahrhunderts, seit 1321, bekannt, und zwar sch.'int es so, alshätten sie bei uns sich ganz besonders schnell verbreitet, da die starke Frequentirung desSpiels verschiedene Verbote und Einschränkungen seitens der hohen Obrigkeit hervor-brachte; so untersagte z. B. auch ein Bischof von Würzburg dazumals seinen Geist-lichen, sich diesem neuen Sports hinzugeben.

Ursprünglich bestanden die Karten aus Handzeichnungen; erst später wurden sie inNürnberg durch Holzschnitte hergestellt, allein auch damals mußte mit der Hand nochnachgeholfen werden, da nur die Umrisse geliefert wurden, bis endlich die Kupferstecher-kunst und zuletzt der Farbendruck die Nachhilfe entbehrlich machten.

Daß zu jener Zeit, als noch Stift und Pinsel ausschließlich dafür thätig waren,die Spielkarten für etwas sehr Kostbares galten, ist wohl klar, dem entsprechendwaren auch die Preise. So kam es auch, daß derartige theure Blättchen sogar zu An-fang ihres Aufkommens einen Schmuck mehr zur Aussteuer fürstlicher Frauen bildeten.

Die sogenannten:deutschen Karten" erhielten ebenso wie die französischen sehr kriegerisch-klingende Bezeichnungen.Daus, König, Ober und Unter" bedeuten zumBeispiel allerlei militärische Grade, als: General, Hauptleute, Unteranführer,Schellen,heißt: Avel, anknüpfend an die damalige Sitte der Ritter, bei besonders festlichenGelegenheiten an Wams und Schuhen Schellen zu tragen. Das Herz bedeutete: herz-haften, muthigen Sinn,Blatt" undEichel ": Nährstand und Landmann. Der Aus-druck:Trumpf" entstammt dem französischen Wortl'riomple" Triumph, Sieg.

Daß die französischen Spielkarten gebräuchlicher und die eigentlichen Spielkartensind, ist allgemein bekannt; sogar im stolzen England sind sie acclimatisirt undnationalisirt, um das Hauptspiel der Britten:Whist" in Scene zu setzen, welches jabei uns auch in so hohem Grade eingebürgert ist. Der Erfinder soll ein englischer Arztsein, und der Name>V!n8t," von:Still! Pst!" herkommen, weil das Whist-Spielbesondere Stille und Aufmerksamkeit verlangt.

Die ältesten Karten der Welt, wenigstens die, welche man kennt, sind vonPergament gefertigt, und rückwärts mit gefärbten, Kartenpapier bezogen früher niagman andere Stoffe dafür verwendet haben, z. B. sind indische Karten erhalten ge-blieben, bestehend aus Cartonstücke», mit allerlei gemalten, wunderlichen Zeichen versehen;außerdem auch Karten der Chinesen auf Holzblättchen, woraus wohl zu entnehmen ist,daß man früher, etwa seit anno 1350, ehe Papier aus Lumpen angefertigt worden,eben mit anderem Material auch in Europa sich behalfen haben mag, um Spielkartenzu sabriciren.

Gewiß ist aber, daß so allbekannt und allbeliebt auch heut' zu Tage Spielkartenin jeder Ltadt, ja jeden, Dorfe, sind, daß trotzdem keine Braut mehr Spielkarten alsbesondere Gabe für die Aussteuer erhalten wird, und daß ein Spiel Karten im Brautschatzsie nicht mehr so angenehm überraschen werde, wie das z. B. einst der Gräfin Barbara,Gemahlin des berühmten Grafen Eberhard im Barte von Württemberg, geschah, welchesihr, wie uns berichtet wird,zu hoher Freude gereichte." Freilich sind wir auch in-zwischen um mehr als vier Jahrhunderte älter geworden ob aber auch um sovielweiser? Darüber mögen in Bezug auf sich die Spielkarten am Besten Jede»,selbst erzählen, denn es sollen hier keine Geheimnisse ausgeplaudert werden, sondern nuretwas: zur Geschichte der Spielkarten!