Mise-llen.
(Der Kinder mord bei den Sakalave n.) Ein Brief des unlängst inTamatave auf Madagaskar verstorbenen Pater Piras, welcher länger als 30 Jahre aufjener Insel zugebracht hat, behandelt die gräßliche Sitte des Kindermordes bei denSakalave». Denselben gilt der Freitag für unglücklich, und deshalb bringen sie jedesan einem Freitag geborene Kind in den Wald, legen es dort in eine Grube und über» I
lassen es seinem Schicksale. Bei andern malagassischsn Stämmen gilt ein anderer Wochen- ^
tag für uiiglückverheißrnd. Jedes an eine», Sonntag geborene Kind eines Prinzen oder einer !Prinzessin wird ebenfalls ausgesetzt, gleichviel, ob sie schon andere Kinder haben, odersolche erwarten, oder sich keine Hoffnung mehr darauf machen können. Denn ein solchesan einem „großen Tage" geborene Kind muß nach ihrem Glauben viel Glück haben undkönnte, wenn es am Leben bliebe, mächtiger werden als seine Eltern. Der Aussetzungverfallen ferner alle auch an glücklichen Tagen geborene Kinder, welche irgendwie miß-gestaltet sind, sowie die für unheilvoll gehaltenen Zwillinge; noch ganz kürzlich hat dieKönigin selbst zwei prächtige Knaben, die von ihrer Tochter geboren worden waren, inrWalde ausgesetzt. Wenn eine Frau beim Nähren ermattet, so wird der Häuptling da-von in Kenntniß gesetzt und erscheint alsbald in Begleitung des Scharfrichters, der,wenn die Erzählung für richtig befunden wird, sofort das kleine Wesen umbringt, weiles undankbarerweise seine eigene Mutter todten will. Aus dein eben Gesagten folgt, !daß, wenn eine Frau nach der Entbindung erkrankt, oder stirbt, ihr Kind als der Ur-heber des Todes gilt. Die grausame Justiz verlangt, daß es alsdann lebendig in>t seiner stodten Mutter begraben wird. Kommt ein Kind um Mitternacht zur Welt, und zwar !
zwischen einem Tage, der fall) (unheilvoll), und einem andern, der nicht fall) ist, so ent- !
scheidet über sein Los eine Art Gottesurtheil: man legt es auf den schmalen Pfad, auf >welchem die Ochsen ihr Gehege verlassen. Weichen die Thiere sämmtlich aus, so ist dem s
Kind das Leben erhalten; berührt es aber nur ein Ochse leicht mit dem Fuße, so wird es s
gelobtet. Nach Angabe von Hovas soll ein ähnlicher Gebrauch in Tananarivs herrschen. LPater Piras hat sich vergeblich bemüht, einzelne solcher ausgesetzten Kinder, die zufällig kgesunden worden waren, zu reiten; aber nie hat sich eine Frau auch gegen hohe Belohnungdazu verstanden, eine»: solchen verworfenen Geschöpfe auch nur einmal Nahrung zu reichen.
(Komische Annoncen.) In einem Baltimore -Blatt steht folgende Annonce: >
„Wenn Papa besseres Betragen angeloben will, so kann er wieder zurückkehren, ohnebefürchten zu müssen, zum zweiten Male davon gejagt zu werden von seiner liebendenTochter Lizzie." . « . Einige geistreiche Anzeigen theilt auch das „Echo" mit, z. B.:
„Wir freuen uns, melden zu können, daß die gestern gebrachte Notiz, der KaufmannAndersen sei gestorben, nicht wahr ist, sondern daß er sich nur verheiratet hat." —„Gestern starb allhier Frau Anna B.; sie war Großmutter, Mutter, Gattin und Freundinaller derer» die sie kannten." — „Verlorener Hund. Dieser ist eine Hündin, hat ein !»
weißes und schwarzgeflecktes Ohr, vier Füße, nußbraun, einen auf der rechten Seite mehrgepflegten Hals als auf der linken, wo er weniger gepflegt ist. Seine Grundfarbe istbraun. Diese ohne Wissen wohin verschwundene Hündin wird zur Erkenntlichkeit zurück-zubringen gesucht." — „Mein geliebter Sohn ist von mir geschieden. Sanft ruhe seineAsche, die zu großen Hoffnungen berechtigte."
(Obwohl alle Mädchen so sind?) Ein junger Student in U l m er-hielt auf eine glühende Liebeserklärung an ein 17jährigeZ Mädchen von diesem folgendesffotte Körbchen:
Was füllt Dir ei», Du dummer Junge,
Was geht mich Deine Liebe an?
Schau Du zuvor in Deine Bücher,
Und sieh Dir Deinen Bartwuchs an. —
Du bist noch viel zu jung znm Lieben,
Und ich bin viel zu alt für Dich,
Verliebe Dich in Dein Examen-Arbeite und verschone mich.