Ausgabe 
(11.8.1883) 64
 
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(Der Henker von Spanien .) Noch vor zwanzig Jahren herrschte, wie inspanischen Blättern zu lesen ist, in Spanien der Gebrauch, daß, wenn der Scharfrichtersein Amt vollzogen hatte, er sofort von Gendarmen umgeben wurde, welche ihm Hand-schellen anlegten und ihn in eine Gefängnißzelle führten. Einige Stunden nachher fandsich ein Gerichtsschreiber, der von dem Gerichtsdiener begleitet wurde, in dein Ge-fängnisse ein. Der Scharfrichter ward vorgeladen, und nun entspann sich folgendeWechselrede: »Sie sind angeklagt, eine» Menschen getödtet haben," sagte der Gerichts-schreiber.Ja, es ist die Wahrheit'" lautete die Antwort des Scharfrichters.Deß-halb haben Sie diesen Mord begangen?"Um dem Gesetze zu gehorchen und den Auf-trag zu erfüllen, der mir von den Gerichten gegeben wurde." Nun wurde sofort einProtokoll aufgenommen, von dem Scharfrichter unterzeichnet und au» folgenden Tageeinem Richter zur Prüfung vorgelegt. Dieser erließ dann zu Gunsten des Scharfrichtersein Urtheil, welches ihn freisprach, worauf derselbe sogleich in Freiheit gesetzt wurde,nachdem man ihn 24 Stunden wie einen Verbrecher behandelt hatte.

(Zerstreutheit auf dem Katheder.) Als Kolumbus auf seiner ersten Fahrtdas Schiffsvolk unruhig werden sah, weil sich so lange kein Land zeigte, rief er diesemzu:Verzaget nicht! In späteren Jahrhunderten wird man die Fahrt mit Dampf-schiffen machen und schneller das Ziel erreichen." Dies beruhigte die Aufgeregten.Nach einer bei Syrakus ausgsgrabenen Stcintafel, welche eine Rechnung für gelieferteWaffen erhält, war das Domoklesschwert eine echte Solingerklinge. Als SokrateSder Giftbecher gereicht wurde, sagte er:Hätte man mich lieber guillotonirt, es tödtetschneller als dieser Schierlingstrank und verursacht auch kein Gedärmezwicken." Undlächelnd trank er den Becher leer. Indem Alexander der Große den gordischen Knotenzerhieb, sagte er zu seiner Umgebung:So löst man das Geheimniß vom Ei des Ko-lumbus." Tiberius nach jeder durchschwelgten Nacht einen stark gesalzenen hol-ländischen Häring.

(Getroffen.) Auf einer Eisenbahn in Michigan saßen guten Muthes ein jungverheirathetes Paar. Sie war etwa fünfundzwanzig Jahre alt, er war ein oder zweiJahrs jünger. Auf einer Station stieg eine respektable Dame ein, die sich auf demSitze vor dem jungen Paar niederließ. Die Dame hörte bald, wie sich das junge Paarziemlich ungenirt über ihr altmodisches Bonnet und ihr Umschlagetuch lustig machte undso drehte sie sich resolut um und sagte zu der jungen Frau:Madame, wollen Sie sofreundlich sein und Ihren Sohn bitten, doch das Fenster hinter sich zu schließen!" DerSohn" schloß das Fenster und beide den Mund.

(Doppelte Rechnung.) In ein Gasthaus des Glatzer Gebirges traten einigeFußwanderer.Kellner, einen Schoppen VöSlauer und einen Imbiß, ein belegtes Butter-brod oder desgleichen! Was haben Sie!"Bitte meine Herrschaften," antworteteder Kellner dienstbeflissen,ein Butterbrod mit Käs 25 Pfennig, ohne Käs 15 Pfennig,ein Butterbrod mit Schinken 90 Pfennig, ohne Schinken 20 Pfennig."'Na nul"unterbrach ihn ein Tourist,zweierlei Preise für Butterbrod ohne?"Natürlich,"erwiderte überlegen lücheld der dienstbare Geist,der Schinken ist ja überall theurer alsder Käs!"

(In T ri p s tri ll",) so hört man oft scherzhaft antworten, wenn nach einemOrte gefragt wird, wo dieses oder jenes geschehen sei. Tripstrill ist aber keineswegsein fabelhafter Ort, wie häufig angenommen wird, sondern existirt wirklich, und zwarim Altwürtembergischen, am Fuße des waldreichen Strombergcs, der das Zabergäu vomNekargebiet scheidet. Der Ort nur aus wenigen Häusern bestehend, heißt in amtlicherSchreibart Tresfentrill.

(Ein kluger Vater) versprach seinem zimperlichen Töchterchen, welches amliebsten vor dem Spiegel stand oder auf der Straße flanierte, eine hübsche Ueb er-las chung, wenn sie das Kochen lernen wolle. Als sie das Kochen gelernt hatte über-raschte er sie dadurch, daß er die Köchin entließ.