Ausgabe 
(1.9.1883) 70
 
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langen Beinen nach der bezeichneten Stelle hin, riß sich die Kleider vom Leibe und sprangin den Strom, der dort etwa tausend Fuß breit war. Schon in den nächsten Minutensahen ihn seine erschrockenen Freunde mit den schäumenden Wirbel» kämpfen. Baldtauchte er auf bald verschwand er dann kam er abermals in die Höhe um gleichdarauf abermals unterzugehen. Aber der zähe Schwimmer hielt Stand undfaßt ihnder Strudel mit rasendem Toben es war ihm zum Heil er riß ihn nach oben".Halbtodt vor Ermattung erreichte der Tollkopf die kanadische Uferseite, wo ihn seineFreunde, die weiter unten die Fähre bestiegen hallen, in Empfang nahmen. Auch derFährmann kani herbei. Mit echt amerikanischem Gleichmuth klopfte er dem keuchendenRedakteur auf die Schulter und sagte:Habt Eure Sache gut gemacht, Sir, denn diezwei Engländer, von denen ich Euch sprach, sind unterwegs ersoffen." Ob es dieselbeStelle der Stromschnelle war, in welcher Webb seinen Tod fand, geht aus diesem Berichtfreilich nicht hervor; wahrscheinlich ist es nicht.

(Splitter.) Wenn man hört, daß ein Mann eine gute Partie gemacht hat,so kann man ziemlich sicher überzeugt sein, daß die Frau eine schlechte gemacht hat.

In der Krrpelte.

Vollendet ist die Messe, der Priester im Talare

Den beil'gcu Segen spendet, und wandelt vom Altare.

Jung Walther kniet im Stahle, die Mutier ihm zur Linken rZur letzten, tiefen Andacht die Beiden stumm versinke».

Da wogt herauf zum Hase der Reiter wirr Gedränge;

Es wiehern ihre Rasse, eS klirrt ihr Wehrgehäuge.

Hell schmettert durch den Margen der Höruerrus zum Reiten,

Und rauh zur Mahne preisend sie in die Bügel gl atm.

Jung Walther sieht die Mutter erschrecken und erblassen,

Er neigt sich zu ihr über, sie scheidend zu umfassen.

Ihm quillt aus blankem Helme tue weiche dunkle Locke,

Von Erz der schlichle Harnisch blitzt unterm Wafsenrocke;

Das Schwert des todten Bakers umgürtet seine Leiche;

Ans's Haupt, zur Erd' gebogen, die Matt r legt die Hände,

Und senk t ihre Augen voll Wehmuth in d e seine»,

Es ringt ihr Mund uni's Lächeln, ihr Auge kann nur weinen.

An meiner Liebe Borne lrankst du des Lebens Morgen,

Ich hab' in deine Seele mein ganzes Lei» geborgen!

Mit unsichtbaren Fäden bin ich mit dir verkettet,

Hab' alle meine Freuden in deine Brust gebettet!

Du bist der Lenz der Rosen, die mir das Herz umflechten!

Du Sonne meiner Tage, du Stern in meine» Rächten!

Und nun von all' dein iet'gen, mir überbliebnen GlückeBringt mir vielleicht ein Wandrer den Namen nur zurücke,

Und nennt mir noch die Stätte, wo bleich du hingesunken,

Uiid bringt i»ir eine Blume, die noch dein Blut getrunken I"

Da stillt ihr eine Thräne ani's Schwert des todten Gatten,

Und aus dem Grabe steiget iei» theurer Heldmschatteu.

Und all' die welke» Blumen, all' die erloschnen SonnenVor ihrer Seele tauchen aus der Erinnerung Bronnen.

Vom Geist des Vaterlandes fühlt sie das Herz dnrchichauert,

Das deutsche Weib frohlocket, ob auch die Mutter irauert.

Hoch über Gram und Thränen hat sich ihr Muth geschwungen,

Und eine deutsche Mutter hätt ihren Sohn umschtilngeii:

Zieh' hin, in Gottes Name», zum Sterben oder Leben!

Mein Vaterland! ich hab' mich in dein Gebot ergeben!

Wo wären deine Helden, wenn feig die Mütter wären?

Ich will aus Gott vertrauen! Mein Auge las;' die Zähren!"

Oscar v. Redwitz .

Für die Redaktion verantwortlich Alphons Planer in Augsburg . Druck und Verlag desLiterarischen Instituts von Or. Max Huttler .