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schönen Frühlingszeit besprach, aber mehr noch durch die augenscheinliche Bewunderung,welche sie dem jungen Landschaftsmaler einflößte. Bei einem kleinen Spaziergangedurch den Garten ging St. Lawrence neben Mrs. Dalton und Lena, während Douglas und Bcrtha folgten; ebenso wurde, als die Damen es an der Zeit fanden, zurückzu-kehren, dieselbe Reihenfolge beobachtet, denn die beiden Freunde ließen es sich natürlichnicht nehmen, sie bis nach Joy Cottage zu begleiten. Dort am Thore verabschiedetensie sich auf's Freundschaftlichste, nachdem St. Lawrence zuvor die Erlaubniß erbetenund erhalten hatte, an einem der nächsten Abende vorsprechen zu dürfen, um Miß i
Dalton sein Skizzcnbuch aus Amerika zu zeigen. 1
„Es ist also doch dieselbe Familie, von welcher Riggs sprach", sagte Douglas .
„Wie sonderbar doch manchmal die Dinge zusammentreffen."
„Diese Miß Dalton ist ein wunderhübsches Mädchen. Ich meine noch nie einGesicht gesehen zu haben, welches mich durch seine Schönheit so überrascht hat." s
„Ja, sie ist schön, das gebe ich zu, aber ich finde das geistvolle Antlitz der ^
Schwester bedeutend anziehender."
„Ich bitte Dich, Freund, wo hast Du denn Deine Augen?" rief St. Lawrence aus.
„Was Form und Farbe anbelangt, bin ich mit Dir gewiß einverstanden, aberaus den Augen meiner Bertha strahlt Dir der ganze Reichthum ihrer Seele entgegen. .
Bertha — beim Zeus, ein reizender Name; er klingt so weich und sanft, wie das j
Säuseln des Zephirs, wenn er die Blumen küßt! Ein starkes, großes Frauenzimmer j
kaun unmöglich Bertha heißen." !
„Nun, alter Bursche, bist Dir wirklich schon so weit?" frug St. Lawrence, ihn >bei der Schulter fassend.
Douglas lachte und seufzte gleichzeitig. „Es ist nutzlos, es kann nie etwas daraus ^werden", entgegnete er, sich gewaltsam zusammennehmend. „Diese Mutter Dalton macht ,mir den Eindruck, als ob sie sich, ehe Sie mir ihre Tochter anvertraute, vorab ganz ,
genau nach meinen: Einkommen erkundigen werde und was könnte ich dann antworten? '
Daß ich der glückliche Besitzer von zwei Staffeleien, eines schwarzen abgetragenen Sammt-rockes, einer Unmasse leerer Flaschen und eines halben Dutzend Meerschaumpscifen bin. sOb ihr das hinreichend erscheine!: wird, um einen Hausstand zu gründen, befürchte ichsehr. —" !
„Weshalb gibst Du Dich denn aber auch nicht mit Eifer an die Arbeit? Du bist lein schrecklicher Zeitverschweuder, Douglas ." s
„Arbeit! Zeitverschweuder!" rief Douglas aus. „Habe ich nicht diesen ganzen ^
Nachmittag gearbeitet? Trug ich doch meine eigene Persönlichkeit zur Schau, in der Er- f
Wartung, daß die Leute unter einander sagen würden: „Sehen Sie dort den schöllen, ^
geistreich aussehenden jungen Mann? Das ist der berühmte Charles Douglas, von deinmüssen Sie sich malen lassen." Leider Gottes befolgen die Menschen diesen gutenRath nicht."
„Welches ein bedauernswerther Irrthum ihrerseits ist", fügte St. Lawrence, aufden Scherz eingehend, hinzu.
„In: Grunde genommen kann ich eigentlich nicht mit Bestimmtheit sagen, ob ichverliebt bin oder nicht. Wie man hört, können Verliebte von der Lust leben, dieserFall trifft bei mir nicht zu; ich bin entsetzlich hungrig." l
„Dann geht es Dir wie mir", bekannte St. Lawrence."
„So vertraue Dich meiner Führung an, Du wirst es nicht bereuen. Uebrigens ^
freut es mich, daß die schwarz: Melancholie, die Du seit Deiner letzten Unterredung mit H
diesem fürchterlichen Riggs an den Tag gelegt hast, Deinen Appetit doch noch nichtganz verdorben hat; ebensowenig wie „Der Traum von schönen Frauen", welcher in s*
diesen letzten Stunden Deine Miene verklärte." k
„Wie Du siehst, Douglas , bin ich ein ganz prosaisch Sterblicher. Was meinen :