Ausgabe 
(6.10.1883) 81
 
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M i s e e l l e n.

(Dramatische Ohrfeigen") nntckr diesem Titel erzählt der Pariser Radical"anläßlich einer Ohrfeige, welche dieser Tage Derembnrg, der Mitdircktor Sarah Bern-hardt's, dor der Pforte Samt Martin von dem Ex-Communarden Lisbonne erhalten hat,einige amüsante Erinnerungen an andere in der Pariser Knnstwelt ausgetheilte Ohrfeigen.

Der bekannte Direktor Nestor Roqucplan erhielt eines Tages, als er sich weigerte, denTenor Poujade Probe singen zu lassen, von dem heißblütigen Künstler eine schallendeOhrfeige, stürzte sich wüthend auf seinen Angreifer und hätte den Spender des hohen6 ohne Zweifel erwürgt, wenn man diesen nicht noch rechtzeitig aus seinen Händen be- 'freit hätte. Pöre Billon, der ehemalige Leiter des Amdign, hatte seiner Zeit -das wenig '

beneidenswcrthe Renommee, der am meisten geohrfeigte Theaterdirektor von Paris zu !

sein. Das kam aber so. Im Jahre 1864 hatte Pöre Billion einem dramatischen Autor jdie Annahme eines Manuscriptcs verweigert. Aus Rache darüber lauerte Menct häufig !dem störrischen Direktor aus, und kaum sah Billion den rachedurstigen Schriftsteller vorsich auftauchen pardauz, hatte er auch schon seine Ohrfeige lveg. Der unglücklicheDirektor ivagte schließlich gar nicht mehr auszugehen. Die berühmten Schauspieler >

Fröderik Lema'ttre und Jcnneval waren sehr generös im Austheilen von Ohrfeigen an >ihre Direktoren. Einmal maulschellirte Lemaitre Harcl, seinen Direktor an der PorteSamt Martin, und ohne das Dazwischentreten Alexandre Dumas Pore wäre es sicherlich zueinem Duell gekommen. Bei einem Gastspiel in Roucn ohrfeigte Lemaitre, der mit demErfolg nicht zufrieden war, am Schluß der Vorstellung den Direktor Mesurier undsandte ihm außerdem am folgenden Tage noch ein höhnisches Schreiben, worin er fünf-hundert Francs mit dem Bemerken reelamirte, daßeine authentische Ohrfeige Frkrdörik ,iLemaitre's mindestens so viel werth sei." Mesurier strengte einen Proceß gegen den ^

Künstler an und hatte die Genugthuung, ihn zu viernndzwanzig Stunden Arrest ver-urtheilt zu sehen. Was Jcnneval betrifft, so hatte er eine soleichte Hand," daß seinDirector, sobald der Künstler nur die Angenbrannen faltete, ausrief:Es ist gut ich :betrachte die Ohrfeige als empfangen!"

* (Die Folgen der Fremdwörter - Verfolgung.) Anno 1815 soll esin Deutschland eine Anzahl von Menschen mit so ausgiebigem Fremdwörter-Haß ge-geben haben, daß sie sogar gern die fremden Eigennamen vertilgt, d. h>, wo es sicheben thun ließ, in's Deutsche übersetzt hätten. Wäre man damals jener Verdeutschunggefolgt, so würden z.V. jetzt:Tasso: Dachs , Shakespeare: Speerschwinger, Calderon:Großkessel, Ficsko, Graf von Lavagna: Schicfcrstein, Korneille: Krähe, Racine: Wurzel,

Pope: Pabst und 1/Veä§orvooä: Keilholz heißen jedenfalls war es also doch wohlbesser, daß diese Sprach-Wütheriche nicht das Feld behaupteten.

(Ein Indianer-Stutzer.) Der Präsident der Vereinigten Staaten , Arthur,welcher kürzlich von seiner ausgedehnten westlichen Tour zurückgekehrt ist, hat unter seinerKorrespondenz auch eine an denGroßen Vater" von Little Chief, einem jungen Cheyenne-Häuptling, vorgefunden. Dieser schreibt ihm:Um's Essen gebe ich Nichts (wahrscheinlichweil er Fenerwasscr genug hat), aber ich liebe es mich nobel zu kleiden, und kaufenSie für mich daher den allerbesten weißen Hut, den Sie im Markte finden."

(In einer Gerichtsverhandlung.) Dame verschämt:Die Details, dieSie von mir verlangen, kann ich keinem anständigen Manne sagen." RichternSosagen Sie mir sie ins Ohr."

(Räthsel.) Sie winkt ihm Erhält um sie an Sie reicht ihm die HMdEr nimmt ihr Geld und läßt sie sitzen.

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Für die Redaktion verantwortlich: Mphons Planer in Augsburg . Druck und Verlag desLiterarischcn Instituts von Dr. Mnx.Huttler.