Ausgabe 
(13.10.1883) 82
 
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ganze Bevölkerung. Mit polterndem Geräusch stürzten plötzlich ungeheure Aschcnmasscn hernieder,die in einem Augenblick den Boden 8 bis 4 Fuß hoch bedeckten.

Alles was Beine hatte, floh. An den nach Buitenzarg abgehenden Eisenbahnzug klam-merte» sich die Leute vcrzwciflungsvoll au. Die Eiugebornen flohen heulend die Berge hinaufnach dem Innern. ES herrschte schwarze Nacht. Die Lieft war zum Ersticken. Der herab-fallende Schwefel entzündete sich in der Luft, blaue Flnmmchen zuckten hin und her, der Schwefel-dampf wahr fürchterlich. Die Kniee wankten uns, wir waren einer Ohmnacht nahe. Der Aschen-regen dauerte bis gegen 6 Uhr Abends. Allmählig klärte sich die Liest auf, doch der gelbeSchwefcldampf verpestet noch heute die Atmosphäre. Am Montag Abend herrschte eine furcht-bare Kälte, so das; wir unsere dicken Jacken hervorsuchen mußten. Wir hatten das Gefühl, alswenn wir aus dem heißesten Sommer urplötzlich iu den strengsten Winter versetzt worden wären.

Batavia glich einer Wintcrlandschaft. Die Bäume, von der Hitze entlaubt und kahl,Waren mit einer grauen Masse bedeckt. Die Gefahr war vorüber, die Verwüstungen aber ent-setzlich. Auf dem' Boden des MccrcS hatten sich Vulkane geöffnet und ungeheure Wassermasscnauf Batavia gewälzt. Es regnete Haifische und Krokodile.. Drei furchtbare Wogen setzten denunteren Theil von Batavia auf zwei bis zehn Minuten unter Wasser. Kleinere Dampsbootc undSchaluppen wurden mitten auf die Straße gesetzt. Telegramme melden, daß die ganze InselKrakatnn, die so groß war wie Irland, untergegangen ist. Das Festland der Insel gegenüberist total verwüstet. Ganze Städte, Wälder und Felder sind verschwunden. Die Zahl der ver-unglückten Europäer schätzt man auf 2 bis 300.

M i s e e l l e n.

(Eine gute Quittung.) Ein Arzt präsentirte dem Testamentsvollstrecker einesseiner verstorbenen Patienten die Rechnung und fragte:Wünschen Sie, daß ich meineRechnung beschwöre?"Nein," erwiderte der Testamentsvollstrecker,der Toddes Verstorbenen beweist zur Genüge, daß Sie ihm ärztlichen Beistand haben ange-dcihen lassen."

(Bei der Felddienstübnng.) Lieutenant: . . .Nach welcher Himmelsgegendmarschircu wir?" Markus:Nach Süden, Herr Lieutenant!" Lieutenant:Richtig! Woran erkennen Sie denn das?" Markus:Weils immer wärmer wird,Herr Lieutenant!" "

(Naiv.) Lehrer:Was lernen wir aus dem Gleichnisse von den sieben klugenund thörichten Jungfrauen?" Schülerin:Daß wir stündlich auf den Bräutigamwarten sollen."

(Nur praktisch.) A.:Wie kommt es, daß Sie allein einen Maßkrug habenund alle Anderen nur Halbe?" B.:Das ist ganz einfach: Weil i' mi' da bloshalb so oft über's schlechte Einschenken ärgern mnaß, wie die dummen Kerl da!"

(Trumpf.) Herr (in einen Tramwaywagen tretend):Ist die Arche Noah schonvoll?" Passagier:Bis auf den Esel; wollen Sie nur hereinkommen!"

Räthsel.

Zwei Worte sind's, die Jeder kennt, zwei Worte nur, doch voll Gewicht;

Bald ist's ein Hammer, dessen Schlag, was härter als ein Fels, zerbricht;

Ein Feuer bald, das flammt und sprüht, und doch kein Haar am Haupt versehrt;Ein Lufthauch bald, gelind und saust, ein Sturmwind bald, der Cedern bricht;

Ein Donner setzt, der mächtig dröhnt, und jetzt ein scharf geschliff'ncs Schwert,

Das Leib und Seele scheiden kau»; verwundet's auch, es schadet nicht;

Ein Regen ist's, er netzet nicht, und labt mir den, der sein begehrt;

Ein Spiegel ist's, der alles zeigt, und doch bedarf kein fremdes Licht;

Arznei dem Kranken, dient es auch als Speise, die Gesunde nährt;

Ein Samen ist's und Frucht zugleich, du trennest Kern und Schale nicht;

Ein Ganzes und vom Wechsel frei, Irägts doch ein Doppelangesicht;

Dem ist es schrecklich, dcr's verschmäht; den: lieblich, der zu ihm sich kehrt;

Zwei Worte nur, du horst sie gern; nun rathe, Kind, und fehle nicht I

Für die Redaktion verantwortlich: AlPhonS Planer iu Augsburg. Druck und Verlag desLitcrarischen Instituts von Dr. Max Hultlcr.,