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— wir ncimcn nur das neue NathhauS mit Lindenschmit's Wandgemälden und einem Lokal-muscnm, St. MartiuSkirche, ein prächtiger gothischer Ban, ^>t. Blasien mit seinen alldeutschenGemälden — so empfiehlt es sich auch zuvor hier gemüthlich Station ;n machen. Singer demAnerberg gibt es noch verschiedene Ausflüge in die nächste Umgebung, die sehr lohnen, wie z. B.zu den Römcrthürmen von Kemnath und Hclmishofcn (mit großartiger Nnndsicht) und so fort.
Was die Bewirthung nur den Anerberg herum anbelangt, so kaun darüber keine Klagewalten. Wie der bayerische College Peissenberg von Jahr zu Jahr mehr besucht wird, sollteauch der schwäbische Auerbcrg, der ebenso Schönes bietet, mehr besucht werden.
Waldfriedeu.
(Ode.)
Sanft auf schwellendem Moos ruh' ich in Waldesnacht.
Mächtig ragen empor Eichen und Buchen rings,behalten spendend sie wehrenMir der glühenden Sonne Strahl.
Traulich murmelt der Quell. Hin über Fels und SteinPlätschert Büchlein so traut. Still in die Wellen schauIch in süßem Vergessen,
Athmend stärkenden Waldcsduft.
Horch! — Waldvögelein singt. Sitzend auf grünem AstBlickt, es staunend aus mich. Lieblich erschallt sein LiedLaut dem Schöpfer zum Lobe.
Stille lausche ich andachtsvoll.
Glücklich träume ich dann, kununer- und sorgenlos,steril dem bunten Gewühl, fern dem geschäst'gcn MarktSüßen Frieden im Herzen,
Dort in schattiger WaldcSnacht.
Das Berliner Tagblatt veröffentlicht einen vorn 30. August datirten Brief eines seitlängerer Zeit inBatavia domicilirendcn Herrn. Wir entnehmen dem L-chrcibcn daS Folgende:
Wir haben hier ein furchtbares Elementar-Ereigniß erlebt: ein Erdbeben.Etwa 1l2 englische Meilen von Batavia liegt die Insel Krakatau , dio schon seit 300 Jahren wegenihrer thätigen Vulkane einen bösen Ruf hat. Nachdem die Vulkane indessen mehrere Genera-tionen hindurch geschwiegen, begannen sie sich vor.etwa zwei Jahren wieder zu rühren. Wirsuhlten hier wiederholt Erdstöße und Erderschüttcrungen.
In der Stacht zum Montag (27. August) begannen die wirklichen Eruptionen. Van vierbis acht Uhr Sonntags Nachmittags hörten wir starke Detonationen, und da der Himmel sichzu gleicher Zeit umwölkte und es regnete, so hielten wir es einfach für ein Gewitter. Ich hatteam Abend Besuch und legte mich dann gegen 1l Uhr zu Bett.
Kanin hatte ich eine halbe Stunde geschlafen, als ich durch einen heftigen Knall auf-geweckt wurde; erschreckt fuhr ich aus dem Bett; ich hatte die Empfindung, als ob man dichtvor meinem Fenster eine große Kanone abgefeuert hatte; ich glaubte fest an einen estraßenkampf.Ich zählte neun solcher Schläge und merkte nun erst, daß die Detonationen von einer vulkanischenEruption herrühren müßten. Entsetzt wollte ich das Fenster aufreißen, aber die Scheiben flogenmir in's Gesicht. Das nun folgende Getöse spottet jeder Beschreibung. Alle Fenster barsten,der Kalk fiel von den Wänden, die Lampen verlöschten, daS ganze Haus Lebte. Ich tröstete dieerwachten Kinder und war froh, als meine Hausgenossen heimkehrten. An Schlaf war nicht zudenken. Um 2 Uhr Nachts war daS Getöse am Furchtbarsten. Alan unterschied deutlich dasGeräusch der Explosionen und dasjenige des NiederfallenS der Erd- und Lavamassen. DasGeräusch folgte einander wie der Donner dem Blitz.
Gegen Morgen ging daS Getöse in ein unaufhörliches Grollen über. Das Wetter warhell und klar, es herrschte eine unerklärliche Kälte. Die gcängstigte Thierwclt geberdete sich wiewahnsinnig. Was fliegen konnte, schwirrte in der Luft umher, so daß der Himmel fast ver-düstert war. Milliarden von Insekten, Ameisen, Kröten, Bienen ec. krochen aus dem heißenbebenden Boden hervor. Das Fürchterlichste war uns noch vorbehalten. Ich begab mich mitB. zur Stadt. Um nenn Uhr sing es plötzlich an finster zu werden. Wir mußten die Lampenanzünden. Stach einer halben Siunde war der Himmel pechschwarz. Eine Panik ergriff die