Ausgabe 
(17.10.1883) 83
 
Einzelbild herunterladen

. 658

O ja, Sir", entgeguete lächelnd der Mann,schon mehrere nnd immer zurgrößten Zufriedenheit."

Das genügt. Hier nimm' meinen Ncbcrzichcr mit weg, nnd sage Brooks, ichwünschte in einer Stunde zu speisen."

Der Diener empfahl sich mit einer tiefen Verbeugung und eilte, dem Befehleseines neuen Herrn Folge zu leisten.

Mit der Zeit machte sich John ganz unentbehrlich; er schien die leisesten WünscheFauconrt's errathen zu können. Hatte dieser einen Brief oder sonstigen Auftrag zu be-sorgen, so war Niemand pünktlicher, als John. Nie vergaß er eine Bestellung, ja, erentwickelte in der Regel mehr Umsicht, als sein Herr selbst. Wenn dieser völlig be-rauscht und stolpernd in der Nacht nach Hanse kam was sehr häufig geschahimmer war John znr Hand, um ihm beim Auskleiden behülflich zu sein und am nächstenMorgen erschien er wieder mit seinem gewohnten Lächeln, als ob Nichts vorgefallen sei.

John verkehrte nicht viel mit den übrigen Dienstboten nnd diese hielten ihn fürverschlossen, doch war er so freundlich und zuvorkommend gegen Alle, daß sie ihm un-möglich böse sein konnten, und diese Zurückhaltung schien ganz besonders Vertrauen zuerweäm, denn er wußte immer Alles, was um ihn her vorging.

Sein Herr wünschte sich Glück, einen so umsichtigen Diener zu besitzen und be-schloß, diesen gewandten, klugen Burschen für seine Zwecke zu benutzen und nöthigen-falls die Verschwiegenheit desselben zu erkaufen. Daher befahl er, John in Dienst zunehmen nnd James, wenn er zurückkommen sollte, zu entlassen.

Scchszehntes Capitel.

Wochen vergingen. Der heiße staubige August war dem schwülen Juli und demsonnigen Juni gefolgt.

Ende Juli hatte Donglas die alte Tante, welche er so sehnlichst zu beerben wünschte,durch den Tod verloren. Seine Erwartungen wurden bedeutend übcrtroffen, da es sichherausstellte, daß die alte Dame aus Geiz so sparsam gelebt hatte. Ein Testamentfand sich nicht vor und so erhielt Douglas das ganze Vermögen. Er ging zum Be-gräbnisse hin, kam aber schon nach zwei Tagen freudestrahlend zurück; es würde auchseinerseits Heuchelei gewesen sein, Trauer zu äußern, da er seine Verwandte kaum ge-kannt hatte.

Zwischen der Familie Dalton und den beiden Künstlern ward ein lebhafter nndvertrauter Umgang unterhalten. Die jungen Männer, welche herausgefunden, daß diebeiden Misse's Talton vor ihrer Ucbersicdclung nach London öfters nach der Naturgezeichnet hatten, benutzten dies als Vorwand und veranlaßten deren Mutter, sie aufihren Touren nach den hübschen Punkten der Gegend zu begleiten; zu diesen Ausflügenwurden immer die Nachmittage gewählt, an welchen Vertha frei war.

Draußen in der schönen Natur verkehrten die jungen Leute ungezwungener nndoffener miteinander, als dies in der Stadt möglich gewesen wäre, und so kam es, daßdie herzliche Zuneigung, welche Douglas für Bertha empfand, zu einer innigen Liebeheranwuchs, denn ihr sanfter, unverdorbener, aufrichtiger Charakter offenbarte sich denbeiden Freunden von Tag zu Tag mehr.

St. Lawrence hielt Lena noch immer für das hübscheste Mädchen, welches er jegesehen, aber sie besaß nebenbei auch die Fehler, welche ihm am widerwärtigsten waren.Sei es nun, daß der ländliche Hintergrund, auf welchem er sie so oft erblickte, nicht zuihr paßte, oder machte der innere Zwiespalt sie außergewöhnlich unliebenswürdig undlaunisch; was es auch immerhin sein mochte, St. Lawrence fühlte sich nicht mehr zuihr hingezogen. Ihr Lächeln hatte allen Reiz für ihn verloren, und ihre angenommeneKälte war ihm gleichgültig. Für Bertha hingegen empfand er die aufrichtigste Ver-ehrung.Brüderliche Zuneigung", pflegte er dieses Gefühl bei sich zu nennen. Wie