Ausgabe 
(17.10.1883) 83
 
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hätte er es auch anders bezeichnen dürfen, ohne zum treulosen Vcrräthcr an seinemFreunde zu werden.

Fanconrt zählte auch zu den häufigeren Besuchern von Joy Collage,' der Zweckderselben war unverkennbar, doch halte er sich bis jetzt noch nicht erklärt. Zufälligtraf er nie mit Douglas und St. Lawrence zusammen; dies mochte wohl daher kommen,das; er seine Besuche meistens bei Tage machte, die Abende brachte er in wenigeranständiger Gesellschaft zu. St. Lawrence dagegen war den ganzen Tag über fleißigan seiner Staffelet beschäftigt und konnte nur über die späteren Stunden des Nachmittagsverfügen. Donglas bekannte offen, daß er Bertha's wegen hingehe und die Abendszu Hanse sei.

Lord Alphington und St. Lawrence erhielten beide von Zeit zu Zeit Nachrichtenvon Mr. Niggs; der erstere durch seinen Rechtsanwalt und letzterer vom Geheimpoli-zisten selbst. Dieser drang noch fortwährend in ihn, sich ruhig zu verhalten. Bis jetzthatte man nichts Wciter's über den Opalring in Erfahrung gebracht.

Ich hoffe und glaube, Ihre Angelegenheit in's Reine bringen zu können, aberäußerste Vorsicht ist nothwendig", schrieb Mr. Niggs in seinem letzten Briefe. St.Lawrence sah ein, daß er warten und vertrauen müsse, wenn auch gewisse Verhältnisseihm dieses Warten qualvoll machten und ihn zeitweise die Furcht befiel, seine Pflichtnöthige ihn, die Fesseln zu brechen, die Mr. Niggs ihm angelegt, selbst auf die Gefahr-hin, persönlich Schaden dadurch zu erleiden.

Durch das ererbte Vermögen stieg Douglas bedeutend in den Augen der Mrs.Dalton. Bei ihr stand es von jeher fest, daß Lena durch Heirath ihr Glück machenmuffe und vermittelst einer kleinen Unterstützung von ihrer Tochter werde es für siemöglich sein, von ihrem geringen Einkommen zu leben. Aber was denn mit Berthaanfangen? Lena werde natürlich einen vornehmen Mann heirathen und dann paffe esdoch nicht für die Schwägerin eines Grafen, die Mnsikstnnden weiter fortzusetzen.

Diese schwierige Frage ist jetzt glücklich gelöst, da sich Douglas in Bertha ver-liebt hat; man muß es wirklich eine Fügung der Vorsehung nennen", vertraute Mrs.Dalton Lena an. Für ihre älteste Tochter würde sie eine solche Verbindung verschmähthaben, aber was konnte sie für Bertha mehr erwarten, als ein bescheidenes Einkommenund ein Btann von hübschem, tadellosen Aeußeren und feinem Benehmen, dessen sie sichunter ihren zukünftigen aristokratischen Verwandten nicht zn schämen brauche.

Auf diese Weise regelte die kluge Mutter zu ihrer eignen Befriedigung die Zu-kunft der beiden Töchter. Bertha war wohl die einzige Unwissende in Betreff der Ab-sichten von Charles Douglas. Sie mochte ihn schon früher gut leiden und nun, wosie bekannter geworden waren, fühlte sie sich ganz behaglich in seiner Gegenwart, viel-leicht etwas zu sehr behaglich, wie Douglas zuweilen befürchtete. Er hätte es liebcrgesehen, wenn sie bei seinem Erscheinen die Farbe gewechselt, oder eine leichte Verwirrunggezeigt; jedvch verzweifelte er noch nicht, Bertha fand ja Vergnügen an seiner Gesell-schaft und Mrs. Dalton ermnthigte ihn, wenn auch nicht durch Worte, so doch durchmancherlei Andeutungen, welche er nicht mißverstehen konnte und dies würde sie dochnicht thun, dachte er, wenn keine Hoffnung für mich wäre. Deshalb beschloß er sichein Herz zu fassen und seine Bewerbung zn beschleunigen.

Seit Douglas durch die Vergrößerung seines Vermögens ein hcirathsfähiger Manngeworden, besuchte St. Lawrence Joy Collage nur noch bei seltener Gelegenheit. Er-nährn freilich noch an den Ausflügen Theil, doch widmete er sich dann ausschließlichMrs. Dalton und Lena und überließ Bertha feinem Freunde. Lena bemerkte diesenWechsel mit großem Entzücken und zweifelte nicht, daß ihre Reize endlich den Sieg überdieses gefühllose Herz davongetragen; das ihrige pochte nur zn ungestüm bei dem Ge-danken die einzige Liebe, welche hätte sie erwidern können, jetzt wirklich zn besitzen.Während sie glaubte, St. Lawrence sei gleichgültig gegen sie, entspann sich ein heftiger