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„Dort ist auch Mr. St. Lawrence, der geschickte junge Künstler, von welchem wir Ihnenerzählten." Noch nie in Deinem Leben hast Du Jemand so zusammen schrecken sehen,als Mr. Fauconrt, in diesem Augenblicke. Er wurde leichenblaß und zog Lena, welchesich aus seinen Arm lehnte, förmlich rauh zur Seite. Ich glaubte zuerst, er habe auseinen Stein getreten und sich am Fuße erheblich verletzt. Dann sah ich, wie er sichscheu umblickte und St. Lawrence mit den Augen folgte. Dieser ging langsam inGedanken verloren einher, ohne uns zu bemerken. Ich frug Mr. Fauconrt, ob er ihnschon früher gesehen. Er bejahte es; vor mehreren Jahren habe er ihn unter einemanderen Namen gekannt, und deshalb rieth er mir an, nur ja vorsichtig ihm gegenüberzu sein, auch hofft er sehr, daß dieser Mensch nicht die Gewohnheit besitze, uns zu be-suchen, da es ihm widerwärtig sein würde, mit ihm zusammen zu treffen. Es thut mirleid,", fuhr Mrs. Dalton fort, „denn ich mochte St. Lawrence sehr gut leiden, aberwie Du siehst, weiß Fauconrt etwas sehr Gravirendes gegen ihn, und wo es sich nunherausstellt, daß er eine so zweifelhafte Persönlichkeit ist, kann ich ihn doch unmöglichnoch ferner hier empfangen."
„Ich glaube kein Wort davon, Mama!" rief Bertha entrüstet ans. „Noch niebemerkten wir das Geringste an Mr. St. Lawrence, welches einen solchen Gedankenrechtfertigen könnte, im Gegentheil; und dann ich bitte Dich, tvas wissen wir denneigentlich über Mr. Fancourt?"
„Kind!" stieß Mrs. Dalton entsetzt über Bertha's kühne Sprache, hervor.
„Natürlich wissen wir, wer er ist, das meine ich nicht", fuhr diese fort. Abererst seit einigen Monaten wurde er als Enkel Lord Alphington's anerkannt. Und waswar er früher? Welches Leben hat er geführt? Mir macht es immer den Eindruck,als ob er es nicht allzusehr liebe, über diesen Punkt zu sprechen."
„Du setzest mich in Erstaunen, Bertha", erwiderte ärgerlich Mrs. Dalton, einenFächer zur Hand nehmend, um ihren Unwillen abzukühlen. „Es ist uns bekannt, werMr. Fauconrt jetzt ist; sein früheres Leben geht uns nichts an. Ich begreife nicht,wie Du so rücksichtslos sein kannst, darauf anzuspielen; wäre er nicht der Enkel LordAlphington's, so stände seine Heirath mit Lena außer aller Frage. Mr. St. Lawrencebesitzt gar keine gesicherte Stellung, das ist etwas ganz anders. Man sollte wirklichglauben, Dir fehle es zuweilen an der nöthigen Vernunft. Du mußt doch einsehen,daß ich seine Besuche hier nicht länger dulden darf, da Mr. Fancourt ihm nicht zubegegnen wünscht."
„Mr. St. Lawrence wird Dich wahrscheinlich nicht länger belästigen, Mama ",sagte Bertha mit einem leisen Ansinge von Bitterkeit. „Er ist ja schon seit drei Wochennicht mehr hier gewesen."
„Gewiß befürchtet er, Mr. Fauconrt hier zu treffen und durch ihn bloßgestelltzu werden. So wird es sein, Bertha, das ist ja sonnenklar. Ich muß daraus bestehen,daß Du ihn, wenn Du ihm zufällig begegnen solltest, sehr kühl behandelst; ich meines-theils werde ihm bei der nächsten Gelegenheit zu verstehen geben, wie wenig wir seineferneren Besuche wünschen."
„Mama , das kann ich Dir nicht versprechen", sagte Bertha peinlich erröthend.„Es ist mir nicht möglich, etwas böses von ihm zu denken. Mr. Douglas weiß Näheresdarüber."
„Nun, mein Kind, ich finde es ganz vernünftig von Dir, die Ansichten von Mr.Douglas zu schätzen", gab die vorsichtige Mutter zur Antwort, „und wenn Ihr späterEure eigene Häuslichkeit besitzet, so mögt Ihr meinetwegen einladen, wen Ihr wollt.Weißt Du, was ich mir schon gedacht hatte? Daß es ganz hübsch wäre, wenn Mr.Douglas mir Joy Collage abkaufte", fuhr sie ganz aufgeheitert fort. „Ich habe ohnehinvor, mir in der Nähe von Lena's neuer Hcimath, Magnus Square, einige Zimmer zumiethen. Das Einkommen von Mr. Douglas ist so sehr bedeutend nicht, und deshalb