Ausgabe 
28 (5.1.1868) 1
 
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Wollte Gott !" murmelte der Capitän, dann fügte er laut hinzu:Nein, wir»erden ganz schönes Wetter bekommen.*

Die Crcolin heftete ihre großen schwarzen Augen neugierig auf den Seemann undnahm dann das Fernglas, das er ihr lächelnd überließ. Nach vergeblichen Versuchensich dessen zu bedienen, legte sie es ärgerlich bei Seite und sagte:Sie verbergen mir,eine Gefahr; theilen Sie mir dieselbe lieber mit, denn meine Phantasie vergrößert sienur noch.*

Darf ich denn nicht einmal mehr durch mein Fernglas schauen, ohne daß icheinen Vorwand erfinden müßte?*

Oh, ich laste mich nicht mit leeren Worten abspeisen, da Sie mich aber zumWarten verdammen, gut, so werde ich warten.*

Sie setzte sich an ihren gewöhnlichen Platz in der Nähe des Steuerruders und derCapitän ging nachdenklich auf und ab. Nach einiger Zeit griff er wieder nach demGlase, sah scharf auf denselben Punkt hin und trat dann auf Lucy zu mit den Worten:So hören Sie denn: Ich sehe da unten eine englische Fregatte, von der ich etwasweiter weg sein möchte.*

Ein leichtes Zucken glitt über die Züge der Creolin, indessen verrieth ihre Stimmekeine Furcht, als sie sagte:Und glauben Sie, daß man uns auch gesehen hat?*

Noch nicht, aber das wird nicht ausbleiben und bald werden wir erfahren, wassie vor hat.**

Und wenn sie uns angreift, was gedenken Sie zu thun?*

Ich habe keine Wahl, mein Gott alle Segel aufspannen und mich auf dieFittige vonMaria-Hilf* verlassen. Mein Dreimaster ist ein vortrefflicher Segler undwir können noch entwischen; uns aber in einen Kampf einzulassen daran ist nichtzu denken.*"

Der Capitän rief jetzt alle seine Leute auf's Verdeck und Lucy, die nicht im Wegeein wollte, ging in die Cajütte hinab, der Mulattin ihre tödtliche Angst noch verbergend.Nach einer Stunde kam sie wieder herauf und wandte sich an einen der Matrosen, vondem sie eher die Wahrheit zu erfahren hoffte, als vom Capitän:Glaubt Ihr, Freund,daß sie uns gesehen haben?" fragte sie.

Ob sie uns gesehen haben, die Meerschweine! sie glauben uns schon zu packen.**

Und hofft Ihr nicht, daß wir noch entrinnen können?"

Der Matrose schüttelte zweifelnd den Kopf.Wie können wir so schnell wie siefahren, die wir alle Flanken voll Kaffee und Zucker gestopft haben.**

So müssen wir uns also darauf gefaßt machen, gekapert zu werden?"

Gekapert!"* rief der Matrose,ich hoffe wohl, der Capitän wird sich zuerstein Bischen wehren. Ich für meinen Theil möchte lieber auf dem Meeresgrund liegen,als auf ihren alten Gerippen zu Grunde gehen.*"

Bald konnte auch ein ungeübtes Auge gewahr werden, daß die Fregatte immernäher kam. Obwohl man sich noch nicht auf Kanonenschußweite nahe war, merkteBorschcl doch schon die Absicht des Feindes: er wollte die schöne Beute unbeschädigthaben und gedachte sie zu entern. Da griff er zu einem verzweifelten Mittel: er ließden größten Theil der Ladung in's Meer werfen, theils um schneller zu segeln, theilsum im schlimmsten Fall dem Feind die Beute zu schmälern. Mit etwas bewegterStimme gab er den Befehl, der jedem Matrosen seinen Antheil am Gewinn raubensollte, aber nicht das leiseste Murren ließ sich vernehmen, mit der größten Schnelligkeitging Iedec an's Werk; ihre Lage war auch wirklich verzweifelt genug.

Jetzt erst segelte der DreimasterMaria Hilf* wirklich dahin, als habe er Flügel,wie der Capitän sagte. Bald gewann er einen bedeutenden Vorsprung vor der englische»Fregatte, aber diese hatte bis jetzt ihre ganze Schnelligkeit noch nicht entfaltet. Nach