Ausgabe 
28 (12.1.1868) 2
 
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VSricourt aller Welt kund thun und für mich und mein Kind meine Rechtegeltend machen."

Aber kennen Sie denn die Folgen einer solchen Anklage nicht?""

Oh," erwiderte die Creolin mit einem vernichtenden Blick,ich kenne sie, obgleichder Gegenstand nicht so abgedroschen ist."

Frau von Väricourt sank erschöpft auf ihren Stuhl zurück; bald aber rief sie zu-versichtlich:Nein, ich kann es nicht glauben, Sie sind Gattin, Mutter, Sie werdennicht ohne Mitleid sein.""

Mitleid! hatten Sie Mitleid mit mir, als Sie mich für ein betrogenes Mädchenhielten? Hatte Ihr Sohn Mitleid, als er mich zur ewigen Trauer um seinen Todverurtheilte, als er Frau und Kind feige verließ und ein neues Bündniß einging?Und ich sollte Mitleid haben! Nein, Ihnen Gräfin, gebührt eine Demüthigung fürIhren Stolz, Ihrem Sohn eine Züchtigung für sein Verbrechen und mir Rache fürAlles was ich gelitten. Oh, es soll Jedem sein Recht widerfahren."

Frau von Vnricourt blieb sprachlos und regungslos vor der Frau, die sie denAugenblick zuvor so tief gekränkt hatte. Lucy, die ebenfalls in heftigster Erregung war,schwieg einige Augenblicke, dann fuhr sie kalt und ruhig fort:Wollen Sie diesen mei-nen Entschluß dem Herrn Grafen Vtzricourt gefälligst mittheilen."

Damit stund sie auf, und schickte sich zum Gehen an. Jetzt erwachte die Gräfinaus ihrer Betäubung, sie hielt sie zurück und rief:Sie haben mich nur erschreckenwollen, nicht wahr, Sie können unmöglich gegen den Vater Ihres Kindes Klage stellen.""

Ich bin dazu fest einschlössen."

Wollen Sie Gold?" " fuhr die Gräfin fort,ich gebe Ihnen Alles, wasich besitze." "

Die Fremde sah die Gräfin mit bitterem Unwillen an.Es soll mir also keiner-lei Kränkung erspart bleiben," erwiderte sie.Behalten Sie Ihr Gold, ich brauche esnicht, ich habe mir keine Schande bezahlen zu lassen, und es soll Sie von der Ihrigennicht loskaufen." Und ohne länger auf die Gräfin zu hören, eilte Lucy dem Wagen zu.

(Fortsetzung folgt.)

Rothschild und Dienstmann .

Der Baron Rothschild in Paris , welcher gern zu Fuß ausgeht wie ein andererSterblicher, hatte kürzlich einen weiten Gang unternommen und gerieth schließlich in daSStadtviertel hinter dem Pantheon, das ihm gänzlich unbekannt war, so daß er sich baldvöllig verirrte. Anfangs sah er sich einigermaßen unruhig um, er erblickte aber wedereine Droschke, noch einen Omnibus, ja kaum einige wenige Fußgänger, sein Mißmuthüber diesen Zufall schwand, als er überlegte, welch amüsante Zerstrcung ihm dieses kleineAbenteuer bieten könne, und er begann ganz vergnügt weiter zu schweifen und gleichsamauf Entdeckungsreisen auszugehen, denn dieses Stadtviertel von Paris war für ihn eineebenso unbekannte Gegend wie Amerika vor der Landung des Columbus für die Europäer.Plötzlich bemerkt er den Laden eines Trödlers, tritt hinzu, beschaut sich das bunte Gewirrvon den verschiedenartigsten Gegenständen und entdeckt mitten unter diesem Wust einenalterthümlichen Barometer aus der Zeit Ludwigs des Sechzehnten, der zwar keine Spurmehr von seiner ursprünglichen Vergoldung zeigte, aber trozdem im Schnizwerk noch voll-kommen wohl erhalten war. Der Baron ist ein eifriger Liebhaber und Kenner von der-gleichen Kuriositäten, und so beschloß er sofort, den Barometer zu kaufen. Der Preisdafür betrug zehn Francs und ganz erfreut über eine so wohlfeile Aquisition, greiftRothschild in die Tasche um zu bezahlen aber o weh! in der Eile und Zerstreuunghat er zu Hause seine Börse liegen lasten.