Ausgabe 
28 (12.1.1868) 2
 
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Nun, das schadet nichts, ich nehme auf alle Fälle diesen Barometer," sagte er zuder Trödlerin;schicken Sie ihn mir zu, ich bin Baron Rothschild, man wird ihnen dasGeld in meinem Hotel einhändigen."

Den Namen und die Adresse kenne ich nicht, mein Herr," entgegncte die Trödlerin,und überdies schicke ich niemals den Leuten Sachen zu, die nicht vorher bezahlt wordensind."

Jetzt stand der Baron völlig verblüfft da, denn er hatte sich's nicht träumen lassen,daß Jemand seinen Namen nicht einmal kenne, aber da er einmal bei guter Laune war,so amusirte ihn dies nur um so mehr, und er stand eben im Begriff, der Frau einige.Aufklärungen über seine Stellung zu geben, als er auf der andern Seite der Straßeeinen Dienstmann vorübergehen sah. Er winkte denselben herbei und frug ihn lächelnd:Weißt Du vielleicht etwas von dem Baron Rothschild?"

Na das ist aber eine komische Frage, das ist ja unser Geldkönig. Warum fragenSie aber danach?" setzte der Mensch etwas patzig hinzu, da er glaubte, man wolle ihnvielleicht mystifiziren.

Weil Diadame hier ihm soeben einen Credit von zehn Franks versagt hat," sagteRothschild aus die Trödlerin zeigend.

Ist das wirklich wahr, Madame DucloS?" rief der Dienstmann im höchsten Graderstaunt.

Ja, sehen Sie, Monsieur Pierre, man kann doch eben nicht alle Welt kennen,"erwiederte die Trödlerin ganz verlegen.Sie kenne ich aber, und wenn Sie mir dafürgarantiren wollen. . .?"

Bei diesen Worten unterbrach der Baron die Frau durch ein so herzliches Gelächter,"daß er sich eine ganze Weile kaum beruhigen konnte.

Nun gut, Monsieur Pierre," sagte er dann noch immer lachend,wenn Sie danndie Bürgschaft für mich übernehmen wollen, so gehen Sie einmal vor allen Dingen mireinen Wagen zu holen, und dann tragen Sie diesen Barometer in meine Wohnung."

Der Packträger ließ sich dieß nicht zweimal sagen, er grüßte den Baron sehr respekt-voll, schaffte ihm rasch den anständigsten Wagen, den er auftreiben konnte, und eilte dannmit dem Barometer in das Hotel des Geldfürsten, wo er für dasübernommene Risiko,"wie Rothschild sagte, reich belohnt wurde.

(Das amerikanische Haus.) Dds amerikanische Haus wird in einem ArtikelderSüdd. Pr." über New-Vork folgendermaßen geschildert: Das normale amerikanischeHaus ist in drei Fensterbreiten abgetheilt; seine Einrichtung ist folgende: Es hat einUntergeschoß, dessen Sohle 2 3 Fuß unter der Straßenflüche liegt, darunter geräumige,unter das Trottoir reichende und dort mit verschließbaren Klappen versehene Keller, da-rüber ein Erdgeschoß (Hochparterre) und zwei, selten drei Stockwerke. Der Eingang zumUntergeschoß befindet sich in einer kleinen Halle unter der Platte, welche die Aufgangsstiegeund den Haupteingang des Hanfes verbindet; in der fünften und den anliegenden Avenues,auch sonst nicht selten, sind die Straßenstiegen und das Portal des Hauses aus weisemMarmor. Ein Durchgang läuft von vorn nach hinten durch das Untergeschoß, vorn liegtzwei Fenster breit der Speisesaal, hinten die Küche, zwischen beiden ein zu mancherleiZwecken verwandter Raum. Das Erdgeschoß hat eine geräumige Flur, die sich in derHausmitte in das Treppcngehäuse und einem Durchgang spaltet, hinten sich in die Noth-stiege und den Ausgang zum Hofe theilt. Ueber dem Speisesaal liegt der Parlor, dasEmpfangs- und Unterhaltungszimmer für alle Bewohner des Hauses; über der Küche dasFamilienzimmer; der Zwischenraum dient zu Schlafstätten u. s. w. Die obern Geschossesind ebenso eingerichtet, An großes Zimmer vorn und hinten, und da die Stiege in derMitte des Gebäudes liegt, so wird über den Eingängen auf Vorder- und Rückseite Raumfür zwei kleinere Zimmer gewonnen. In dem Mittelraum des ersten Stockes ist eine