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Max kehrt wieder!
And'rer Schmuck zur letzten EhreSei der Kranz der Lorbecrrciser --Eine wchmuthstrübc ZähreWeinet um den todten Kaiser!
Wo ist Einer, dem nicht schwerHeut' das Herz im Jammer bebteOb der blut'gen WiederkehrDessen, der vergebens strebte?
O, des Purpurs schweres RauschenLockte wie Sirenensünge;
Seinem Kaiscrtraum ru lauschenMied er gern das Hofgeprängc;Doch die Träume täuschten ihnUnd es ward das scgeusbarcDiadem ein ScheingewiunAn der Bucht zu Miramarc!
Als vom heimathlichen SterneEr, ein Meteor, geschieden,
Fand in transatlant'schcr FerneMax nur einen blut'gen Frieden,Haschte von des Purpurs GluthNur mehr einen matten Funken,Bis an seinem KaiserblutSich die Geier satt getrunken.
Laßt uns seine Bahre zimmern,
Wer wird uns die Thräne wehren,Denn ihr Glänzen uud ihr SchimmernSoll den todten Helden ehren!
Eine Thräne, jammerblcich.
Legt nun als die schönste Gabe,
Tief erschüttert, OesterreichNieder auf des Kaisers Grabe!
Nur die Asche kehrte wieder,
Aus der Mörder Hand gerettet,
Und die blut'gen KaiscrgliedcrSind in unsrer Gruft gebettet!
Laßt zu einer Krone reihenJene Perlen, jene feuchten,
Laßt unS ihm die Thränen weihen.Daß sie bis in's Jenseits leuchten.
Daß ihn auf der TodtcnbahrcDreifach hier die Kroucnspangcn:Martcrkronc, ReichstiarcUnd der Thräncnkranz umfangen;Beugte ihn das Diadem,
Statt ihn kaiserlich zu schmücken —Wird der Wehmuth Kron-EblcmSanft den todten Kaiser drücken!
des Kaisers Maximilian.)
(Zur Beisetzung
Ein Nachtstück, nach der Natur gezeichnet.
Am Ende eines Dorfes in Ostpreußen steht ein kleines, niedriges, einsames Hausaus Holz, wie es die Losleutc fast immer bewohnen, wie überhaupt die mchrsten Bauern-häuser wenig anders gebaut sind. Vier Zimmer mit einem kleinen Fenster und je einerfast dunkeln Kammer daran, in der Mitte des Hauses der weite Schornstein mit Durch-gang, zwei kleine Hausflure mit Leitern nach dem Boden, das ist der ganze Grundrißdes Hauses, mit getrennten Wohnungen für vier und mehr Familien; denn selten bewohntEine ein Zimmer mit Kammer allein. Nur besonders Glückliche können die Miethe von7 bis 10 Thalern für eine solche Wohnung allein erschwingen. Der Stakelzaun vordem Häuschen, der im Sommer das winzig kleine Gürtchen schützte, ist längst verbrannt.Wir arbeiten uns durch den hohen, losen Schnee. Die eingeklinkte Hausthür öffnet sichschwer, da eingestühmte Schnccmassen ein Hinderniß bieten. Leise treten wir in die Stuberechts, die eine bis zum Herbste gut gestellte Losmannsfamilie allein bewohnt. Ein Schnee-streifen hat noch durch die Ritzen der Stubenthür den Eingang gefunden, und zeichnetauf dem Lehmcstrich einen weißen Strich. Die gcweißtcu Wände sind mit Eiskristallenbedeckt, das Fenster so dicht befroren, daß im Zimmerchen nur ein Halbdunkel herrscht.
Der Kamin zum Kochen an der Wand am Schornsteine hat keine Thüren mehr; sie sind
verbrannt. Lange nicht benutzt, ist er voll Stroh gestopft, um dem Winde und dem
Schnee den Eingang zu wehren. Am Tische rechts in der Ecke sitzt ein junges, einge-
hülltes Weib, gedankenlos, mit den Händen einen Zipfel ihres Tuches über ein kleines