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„Vater, ehe es dahin kommen nmß, — warst Du bei dem großen benachbartenGrundbesitzer nach Arbeit?" —
„Ach Gott ja, aber er hat ja keine; kaum Getreide genug, um seinen eigenenLeuten Deputat geben zu können. Da bekam ich das Brod" er nimmt es aus demBettelsack — „es ist gefroren, aber eßt; ich aß dort warme Suppe, ich halte schon eineWeile aus. — Der Bettelstab ist eine schwere Arbeit. - Und nur auf den Güterngibt's noch Essen und Brod. Die Bauern haben selbst nichts. Sie haben die Höfe ge-schlossen, um nicht die Notleidenden mit Worten abweisen zu mr ssen." —
Die Familie versank in düsteres Schweigen, in Gedanken au den Bettelstab.
-s- *
Ein trauriges Bild aus dem Leben! Nicht ein bestimmtes Bild, aber 30,000 bis40,000 solcher oder ähnlicher Scenen spielen jetzt leider ungefähr täglich im Regierungs-Bezirk Gumbinnen allein!!! Helft!!!
Napoleon 8. in Orgon.
„Da könnt ihr ihn noch sehenDen alten, stolzen Aar,
Da seht ihr ihn noch stehen,
Der Herr der Erde war.
„Sie haben ihn verstoßen.
Besiegt von deutscher Macht,Ihn, der so vielen GroßenDemüthigung gebracht."
So hört man Viele sagen,
Die ihn gefangen sah'nNach solchen Siegestagen,
Nach solcher Siegesbahn.
Erblaßt sind seine Wangen,
Das stolze Haupt gebeugt.
Man sieht nicht Sterne prangen,Die einst die Brust gezeigt.
Er hört die Weiber höhnen:„Verflucht! du Bluttyran!
Du spielst mit unsern Söhnen,
Ihr Blut in Strömen rann."
Die Faust geballt umdrängenSelbst Greise sein Gefährt:
„Du ließest Länder sengen,
Die deine Hand verheert.
Wir mußten alle darbenAm harten Bettelstab.
Und uns're Söhne starben:
Du grubst ihr frühes Grab."
Indem die Menge höhnet.
Zu seinem Spott vereint:
Vor Schmerz der Kaiser stöhnet —7Der große Kaiser — weint! -
ll. X. «.
*) Es ist historisches Faktum, daß Napoleon l. bei seiner Abführung nach Elba , alser das Städtchen Orgon passirte und von der Menge ans's Gröbste insnltirt wurde, Thräne»vergossen hat nnd nur durch die begleitenden Offiziere vor wettern Exzessen des Pöbelsbewahrt blieb.
(Dichter nnd Schuster.) Zur Zeit des Königs Jakob l. von Mayorka lebtein Perpignan ein berühmter Troubadour, dessen Lieder weit und breit bekannt waren;besonders galt ein Lied, zu dem er auch eine reizende Musik geschrieben hatte, als einMeisterwerk. Die ganze Stadt kannte es, und wo man hinkam, hörte man nichts, alsdieses Liebchen, was natürlich den Dichter mit großer Freude erfüllte.
Als er eines Tages durch die Straßen ritt, vernahm er einen gräßlichen Gesang,der sein Ohr malträtirte. Es war ein Schuster, der so gräulich sang, und das Lied,das er so verstümmelte, war das bekannte Meisterwerk des Troubadours. Dieser stiegvom Pferde, setzte sich zu dem Schuster und bemühte sich, ihm einen bessern Ton beizu-bringen. Doch vergebens!
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